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Das Thema Gender-Identität überfordert Kinder

Von Bernd Ahrbeck und Marion Felder
05.09.2020
, 10:27
Eine Regenbogenfahne wird in Berlin während des Christopher Street  Days geschwenkt. (Archiv)
Für Berliner Kitas wurde eine Handreichung zu Gender-Identität erstellt. Mit der berechtigten Forderung nach Aufklärung hat das aber kaum noch etwas zu tun, stattdessen werden Kinder irritiert, befremdet und überfordert. Ein Gastbeitrag.
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In den Vereinigten Staaten wurde vor kurzem ein Gesetzentwurf („Equality Act“) vorgelegt, der sich als Bürgerrechtsgesetz versteht und jegliche Art von Diskriminierung verhindern soll. „Gender Identity“ und „sexuelle Orientierung“ spielen darin eine wichtige Rolle. Bereits in einem sehr jungen Lebensalter sollen Kinder frei über ihre Gender-Identität entscheiden. Also auch darüber, ob sie abweichend zum biologischen Geschlecht angesprochen werden wollen, Hormone nehmen und sich operativ umwandeln lassen möchten. Das sei ihr elementares Recht, das ihnen niemand nehmen dürfe, auch die Eltern nicht – so lautet der Kern des Gesetzes.

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Einige medizinische und psychologische Fachverbände haben darauf hingewiesen, wie fragwürdig solche Entscheidungen sind, und vor den unumkehrbaren Folgen gewarnt. Ihr Widerspruch blieb jedoch weitgehend folgenlos, schon längst wird wie geplant verfahren. So lassen sich bereits zwölfjährige Mädchen die Brüste abnehmen. Diese hochbedenkliche Entwicklung erhebt Kinder in den Status der Alleinverantwortlichen, reduziert die elterliche Fürsorgepflicht und drängt diese auf ein Minimum zurück. Das dadurch entstandene Vakuum wird von der Transgenderbewegung besetzt. Ihre Lobbygruppen sind inzwischen äußerst einflussreich. Im Bündnis mit Transformationskliniken setzen sie alles daran, dass dem Wunsch der Kinder entsprochen wird, dies mit juristischen Mitteln und dem Anspruch, allein auf der moralisch richtigen Seite zu stehen. Jazz Jennings, Transgenderaktivistin, hat nicht nur mit riesigem Medienerfolg eine „Penis-Farewell-Party“ gefeiert, sondern auch ein auflagenstarkes Kinderbuch „I am Jazz“ geschrieben. Es steht zu befürchten, dass diese Schrift, eine Transformationsapologie, zukünftig noch stärker in die schulische Praxis und in Lehrpläne eingeht.

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Die Autoren

Bernd Ahrbeck ist Erziehungswissenschaftler und Professor für Psychoanalytische Pädagogik an der International Psychoanalytic University (IPU) in Berlin. Marion Felder ist Erziehungswissenschaftlerin und Professorin für Inklusion und Rehabilitation an der Hochschule Koblenz.

Quelle: F.A.Z.
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