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Die Lage in Zermatt

„Alles Selbstverständliche hat plötzlich eine andere Dimension“

Von Sebastian Eder
 - 12:01
Luftbrücke: Am Dienstag konnten zwei Stunden lang Touristen ausgeflogen werden. zur Bildergalerie

Frau Biner-Hauser, in Zermatt sind seit zwei Tagen 13.000 Touristen eingeschlossen. Die Hoffnung auf eine Wiederaufnahme des Zugbetriebs hat sich am Mittwochvormittag erst mal zerschlagen. Wie ist die Stimmung im Ort?

Die Stimmung ist sehr entspannt. Es bestand nie eine Gefahr für die Bevölkerung und die Gäste. Die Leute sind auch nicht gegen ihren Willen eingeschlossen, sie sind ja in Zermatt, um hier ihre Winterferien zu verbringen. Wenn ich aus dem Fenster schaue, präsentiert sich Zermatt heute im schönsten Winterweiß und das Matterhorn thront über allem in der Sonne. An der Zugverbindung wird gearbeitet, Lawinensprengungen sind auch in Gange, damit die Skipisten bald wieder geöffnet werden können und die Leute in die Berge kommen.

Aber es gibt ja durchaus Leute, die Zermatt verlassen wollen – das aber nicht können. Da kann man schon von „eingeschlossen“ sprechen, oder?

Naja, das Bild von außen ist einfach ein anderes als von innen. Von außen wird es so wahrgenommen, dass die Leute hier eingeschlossen sind und nichts zum Essen und Trinken haben. Innen nimmt man auch wahr, dass man von der Außenwelt abgetrennt ist, insofern sind wir eingeschlossen, das ist korrekt. Aber es fehlt uns an nichts. Die einzige Einschränkung für die Leute ist, dass sie nicht planmäßig abreisen können. Aber deswegen haben wir am Dienstag für zwei Stunden eine Luftbrücke eingerichtet, so lange hat es das Wetter zugelassen. Wer dringend weg musste, konnte weg.

Was war am Dienstagabend auf den Straßen los?

Zermatt Tourismus hat am Abend am Bahnhofsplatz spontan Raclette serviert, um die Leute zu unterhalten, es gab Getränkestände auf den Straßen und wenn man durchs Dorf geschlendert ist, war es wirklich Ferienstimmung pur im tiefverschneiten Zermatt. Die Gäste waren sehr verständnisvoll, sie sehen ja, was für Schneemassen da runtergekommen sind und wie gearbeitet wird.

Es gab aber auch die Anweisung an die Menschen, ihre Häuser nicht zu verlassen?

Ja, das haben wir am Dienstagmorgen als Sicherheitsmaßnahme gemacht. Morgens um 6.30 Uhr fiel der Strom für zweieinhalb Stunden aus und wir mussten intensive Schneeräumungsarbeiten vornehmen. Damit die Leute da nicht in den Weg kamen oder in Gefahr gerieten, haben wir sie gebeten, Zuhause zu bleiben. Gegen Mittag hat sich die Lage entschärft, die Leute haben den Nachmittag draußen verbracht. Da wurde viel mit dem Schnee gespielt, Schneemänner wurden gebaut oder einfach gemütlich verweilt. Klar, auf die Winterwege und Pisten konnte man nicht, aber im Dorf selbst konnte man sich frei bewegen.

Wie ungewöhnlich ist denn die aktuelle Lage?

Wenn ich an meine Jugend in Zermatt zurückdenke, hat das fast zum Winteralltag gehört. Das ist öfter vorgekommen und hat auch schon mal eine Woche gedauert. In der näheren Vergangenheit sind die Niederschläge ja etwas weniger geworden, so wie im Moment war es das letzte Mal im Winter 1999/2000.

Wenn Sie an diese Tage oder Wochen Ihrer Jugend zurückdenken – sind das schöne Erinnerungen?

Wie gesagt, solange keine Gefahr für die Menschen besteht und niemand zu Schaden kommt, hat das durchaus seinen Reiz. Ein Ort ohne Strom hat neben all den negativen Seiteneffekten etwas sehr Romantisches: Wenn sie bei Kerzenlicht frühstücken, bei Kerzenlicht zu Bett gehen und alles Selbstverständliche plötzlich eine ganz andere Dimension hat. Meine Erinnerungen sind da sehr, sehr positiv: Da war toll, draußen im Schnee zu sein und die ganzen Berge vor sich herzuschieben und damit zu spielen. So sind wir groß geworden.

Wie blicken Sie auf die nächsten Tage?

An der Bahnlinie wird weiter gearbeitet, auch die Bergbahnen arbeiten weiter massiv an der Sicherung. Es hat einfach unglaubliche Schneemengen gegeben und wegen des starken Windes auch starke Verwehungen. Jetzt werden Lawinen künstlich ausgelöst. Gut ist, dass es kälter geworden ist, das hilft bei der Sicherheit. Wenn es schmilzt, steigt die Lawinengefahr. Und sukzessive werden die Pisten geöffnet. Die Lawinenwarnung ist zurückgestuft worden, das Wetter und die Voraussagen sind gut, Sonne pur die nächsten Tage, wir sind also zuversichtlich. Aber klar, es wird immer wieder zu Einschränkungen kommen.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Eder, Sebastian
Sebastian Eder
Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.
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