Gesichtserkennung in China

Was darf ein Zoo?

Von Friederike Böge
06.11.2019
, 23:04
Im Hanzhou Zoo rangeln die Pandas, vor Gericht ein Juraprofessor mit dem Zoo: Darf der Gesichtsdaten speichern?
Ein chinesischer Juraprofessor klagt gegen einen Tierpark, weil dieser beim Einlass sein Gesicht scannen möchte. Es ist der erste Fall im technikgläubigen China, der sich mit Gesichtserkennung befasst.
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Ein chinesischer Juraprofessor hat einen Tierpark in Hangzhou verklagt, weil dieser für die Einlasskontrolle seine Gesichtsdaten verlangt hatte. Die Parteizeitung „China Daily“ berichtete am Dienstag, ein lokales Gericht habe die Klage angenommen. Es handle sich um den ersten Fall in China, der sich mit Gesichtserkennung befasse.

Der Kläger Guo Bing wirft dem Park Verstöße gegen chinesische Daten- und Verbraucherschutzgesetze vor, weil von der Gesichtskontrolle noch nicht die Rede war, als er seine Jahreskarte für den Park erworben hatte. Zu jenem Zeitpunkt verlangte der Betreiber Guos Namen, Telefonnummer und Fingerabdrücke. Als Guo sich weigerte, zusätzlich seine Gesichtsdaten speichern zu lassen, verwehrte das Parkmanagement ihm den Einlass. Der Professor von der technischen Universität Zhejiang verlangte daraufhin eine Erstattung seiner gesamten Jahresgebühr in Höhe von umgerechnet 170 Euro. Da ihm dies nicht gewährt wurde, reichte er die Klage ein.

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Nach geltendem chinesischen Recht sind Unternehmen verpflichtet, vor der Speicherung der persönlichen Daten ihrer Kunden deren Genehmigung einzuholen und sie über Umfang, Art und Zweck der Speicherung zu informieren. „Wenn sogar ein Vergnügungspark Gesichtsinformationen sammeln kann, frage ich mich, wie sicher meine privaten Daten sind“, sagte Guo Bing in einem Interview mit der lokalen „Qianjiang Abendzeitung“. „Wer übernimmt die Verantwortung, wenn es ein Datenleck gibt?“

Staatlich geförderte Technikgläubigkeit

Eine Managerin des Tierparks sagte der „South China Morning Post“, die Gesichtserkennung sei eingeführt worden, um Kundenkomfort und Effizienz zu erhöhen. Einlasskontrollsysteme per Gesichtserkennung sind in China weit verbreitet. Es gibt sie zum Beispiel beim Einchecken in Hotels, an den Eingängen mancher Universitäten, privater Wohnkomplexe, Bürogebäude oder auch Fitnesszentren. Die Pekinger U-Bahn hat gerade bekanntgegeben, dass sie Gesichtserkennung bei der Einsatzkontrolle einsetzen will. Im Rahmen der staatlichen Initiative „Smarter Tourismus“ haben nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Xinhua 270 touristische Stätten solche Technik installiert. All das steht im Einklang mit der staatlich geförderten Technikgläubigkeit, die in China um sich greift und dazu geführt hat, dass viele Eltern sogar damit einverstanden sind, dass ihre Kinder in der Schule mit Gesichtserkennungssoftware überwacht werden, um zu überprüfen, ob sie dem Unterricht aufmerksam folgen.

Auf dem Papier verfügt China über moderne Datenschutzgesetze. In der Praxis werden sie aber häufig nicht eingehalten, wie im vergangenen Jahr zum Beispiel der Künstler Deng Yufeng zeigte, der für umgerechnet 750 Euro auf dem freien Markt Datensätze von mehr als 300.000 Chinesen kaufte.

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Wie jetzt im Fall des Parkbesuchers Guo Bing gibt es im chinesischen Internet durchaus immer wieder Debatten über Datenschutz und Forderungen, diesen zu verbessern. Das bezieht sich allerdings ausschließlich auf den Umgang von Unternehmen mit Kundendaten. Eine Infragestellung des staatlichen Umgangs mit Gesichtserkennungstechnik zu Überwachungszwecken wird nicht geduldet, so dass eine solche Debatte gar nicht geführt wird.

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Diese Zweiteilung unternahm auch der Kommentator der „China Daily“, der am Dienstag über die Klage Guo Bing schrieb: In der Strafverfolgung sei Gesichtserkennungstechnik „vernünftig“. Unternehmen, die sie einsetzten, müssten jedoch strikt reguliert werden. „Wo sind die Gesichtsdaten gespeichert? Sind sie dort sicher? Ist die sammelnde Organisation vertrauenswürdig oder besteht die Gefahr, dass sie die Gesichtsdaten illegal gewinnbringend weiterverkaufen? All diese Fragen müssen noch beantwortet werden.“

Quelle: F.A.Z.
Friederike Böge
Friederike Böge
Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.
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