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Segeltörn über Atlantik

Für Greta Thunberg wird es keine angenehme Reise

Von Sebastian Reuter, Hamburg
 - 06:28
Posiert auf der Yacht: Greta Thunberg
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„Ich habe keine Segelerfahrung“
Die große Reise der Greta Thunberg

Die Reise hat noch nicht einmal begonnen, da schwärmt Boris Herrmann schon von ihrem Ende. „Wir werden mit unserer Yacht in New York direkt in Manhattan unterhalb des Freedom Towers anlegen, dort wo früher einmal das World Trade Center stand“, sagt der 38 Jahre alte deutsche Profisegler. „Das wird eine ganz besondere Atmosphäre sein.“

Boris Herrmann ist seit gut zwei Wochen nicht mehr nur Menschen ein Begriff, die sich für spektakuläres Hochseesegeln rund um den Globus interessieren. Grund dafür ist eine knapp 3000 Seemeilen lange und ungefähr zwei Wochen dauernde Überfahrt ohne jeden sportlichen Hintergrund – aber dafür mit wesentlich mehr Aufsehen: An diesem Mittwoch will Herrmann, beobachtet von Kamerateams aus der ganzen Welt, gemeinsam mit seinem Freund und Teamkollegen Pierre Casiraghi, dem Sohn der monegassischen Prinzessin Caroline, vom südenglischen Plymouth aus mit seiner Rennyacht „Malizia“ in See stechen und über den Atlantik segeln. Mit an Bord: die 16 Jahre alte Klima-Aktivistin Greta Thunberg, ihr Vater Svante sowie ein Kameramann.

Vollkommen komfortbefreit

Via Twitter hatte sich Thunberg im Juni auf die Suche nach einem möglichst emissionsfreien Transportmittel gemacht, um von Europa aus in die Vereinigten Staaten zu gelangen. Sie will im September in New York an der UN-Klimakonferenz teilnehmen. Herrmann und seine Crew antworteten umgehend, boten der Jugendlichen die vollkommen komfortbefreite „Malizia“ an – und bekamen sehr schnell den Zuschlag. „Viele andere Yachten sind rausgefallen, weil die zu viel Diesel verbrauchen oder von einer bestimmten Marke komplett durchgebrandet sind. Wir haben Greta und ihren Vater offenbar mit unserer umweltfreundlichen Segelweise und unserem jahrelangen Engagement, Kinder und Jugendliche für Umweltthemen zu begeistern, überzeugt“, sagt der Wahl-Hamburger Herrmann, der seine Diplomarbeit zum Thema „Nachhaltiges Management“ verfasst hat und im Rahmen seines Projekts „Ocean Challenge“ immer wieder in Schulen über Klima, Meeresschutz und Naturbelastungen auf dem Meer spricht.

Außerdem sammelt der Segler mithilfe einer Sensorbox auf seiner „Malizia“ seit Zehntausenden Seemeilen Daten aus fast allen Weltmeeren und hilft somit Ozeanographen und Klimaforschern bei ihren Auswertungen.

Vehement widerspricht Herrmann, der als Profisegler naturgemäß auf Unterstützer und Sponsoren angewiesen ist, deswegen auch jeder Annahme, dass es sich bei der Aktion um einen PR-Gag handele. „Greta ruft zu globalem Umdenken in der Klimapolitik auf. Als rational denkende Menschen wären wir verrückt, dem weltweiten wissenschaftlichen Konsens zur drohenden Klimakatastrophe nicht zu folgen“, sagt Herrmann. „Gretas Kernbotschaft zu unterstreichen und ihr bei ihrem Ziel zu helfen ist für mich und unser Team eine klare Aussage.“

Der lang gehegte Lebenstraum des gebürtigen Oldenburgers hat indes nur am Rande mit Klima- und Umweltschutz zu tun: Im kommenden Jahr plant Herrmann seine Teilnahme an der Vendée Globe, einer der härtesten Segelregatten der Welt, die in etwa drei Monaten über etwa 45000 Kilometer einmal um den Globus führt und bei der er nonstop und solo mit dem Kap Hoorn an der Südspitze Südamerikas oder dem eisigen und gefährlichen Südpolarmeer einige der mystischsten Orte der Ozeane passieren wird. (Lesen Sie hier das Interview mit Boris Herrmann über seinen größten Traum, die Einsamkeit auf See und Whisky an Bord)

Um in solchen Gewässern bestehen zu können und dabei auch noch so schnell wie möglich voranzukommen, hat die zum Yachtklub von Monaco gehörende „Malizia“-Crew aus dem knapp 20Meter langen sowie acht Tonnen schweren Boot, das sie vor drei Jahren gebraucht erworben haben, ein technisches Wunderwerk geschaffen. Ausgestattet mit Dutzenden technischen Hilfsmitteln und Analysegeräten, dafür aber lediglich mit einem Gaskocher und zwei Rohrkojen sowie ohne Dusche oder Toilette, rast die „Malizia“ mit bis zu 25 Knoten (etwa 46Kilometer pro Stunde) über das Wasser.

„Unsere Aufgabe ist es, Greta die Reise so angenehm und sicher wie möglich zu gestalten“, sagt Herrmann über den geplanten Ritt über die Wellen. Dazu habe man namhafte Meteorologen und Mediziner engagiert. Sie betreuen die Crew während der Reise von Land aus. Außerdem sei man in stetigem Austausch mit den Thunbergs gewesen, welches Essen und – für den Notfall – welche Arzneimittel ihrer Meinung nach am verträglichsten seien. Doch auch wenn Zeit und Geschwindigkeit bei der Überfahrt nach New York keine Rolle spielen: Einen angenehmen Segeltörn mitsamt sehenswerter Sonnenuntergänge dürfen Greta Thunberg und ihre Begleiter nicht erwarten. Vielleicht werden auch sie schneller als gedacht von der Ankunft in New York träumen.

Greta Thunberg überquert den Atlantik
Verfolgen Sie die „Malizia II“ in Echtzeit
Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Reuter, Sebastian
Sebastian Reuter
Redakteur vom Dienst.
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