Francesca Pascale heiratet

„Ihr fegt mit eurer Liebe den Hass hinweg“

Von Matthias Rüb, Rom
03.07.2022
, 14:17
Für die Rechte von queeren Menschen: Francesca Pascale (rechts) mit Aktivistin Vladimir Luxuria auf der Pride-Parade in Neapel im Jahr 2021 (Archivfoto)
Francesca Pascale, die ehemalige Freundin von Silvio Berlusconi, hat in Italien die Schlagersängerin Paola Turci geheiratet. Gefeiert wurde in einem Luxushotel, das Menu war vegan. Prominente zählten offenbar nicht zu den Gästen.
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Francesca Pascale, von 2007 bis 2020 die Lebensgefährtin des früheren Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, und die Schlagersängerin Paola Turci haben sich am Samstag in Montalcino in der Toskana das Ja-Wort gegeben. Die Zeremonie zur eingetragenen Lebenspartnerschaft fand am Nachmittag im Palazzo dei Priori im historischen Zentrum des pittoresken Städtchens statt und wurde von Bürgermeister Silvio Franceschelli geleitet. Franceschelli gehört zur sozialdemokratischen Partei PD. Während der Regierungszeit des PD-Reformers Matteo Renzi in Rom war 2016 in Italien die Möglichkeit der „unione civile“ für homosexuelle Paare gesetzlich verankert worden. Die anerkannte Lebenspartnerschaft umfasst unter anderem Gütergemeinschaft, Unterhaltsrecht und Hinterbliebenenrente, nicht jedoch das Recht zur Adoption von Kindern. Eine Homosexuellenehe in umfassendem Sinn ist bis heute in Italien gesetzlich nicht vorgesehen.

Für die 36 Jahre alte Pascale und die 21 Jahre ältere Turci ist es jeweils die erste „offizielle“ lesbische Partnerschaft. Turci war von 2010 bis 2012 mit dem Journalisten Andrea Amato verheiratet. Für Pascale ist es nach der Beziehung mit dem heute 85 Jahre alten Berlusconi, mit dem sie nicht verheiratet war, die erste eingetragene Partnerschaft. Pascale trug zur Zeremonie einen weißen Hosenanzug, auch Turci hatte für ihren schulterfreien Sommeroverall Weiß gewählt. Das Paar wurde zudem in einem weißen Jaguar F-Pace vorgefahren. Zu der Zeremonie in den Räumen des Bürgermeisteramts war nur eine Handvoll Gäste eingeladen, die sich nach italienischen Medienberichten ebenfalls an die weiße Kleiderordnung halten sollten (was offenbar nicht alle taten). Zum Abschluss der etwa halbstündigen Zeremonie überreichte Bürgermeister Franceschelli dem Paar eine Gedenkmedaille und eine Flasche Magnum des Rotweins Brunello (Jahrgang 2014), für welchen die Region um Montalcino gerühmt wird.

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Eine Hochzeit ohne Prominente

Die anschließende Feier mit kaum drei Dutzend Gästen fand in dem nahegelegenen Luxushotel Castello di Velona statt, welches von dem Paar für das Wochenende vollständig gebucht worden war. Die üblichen Übernachtungspreise in dem Hotel liegen zwischen 900 und 6000 Euro pro Nacht, die Gebühr für die Benutzung des 1500 Quadratmeter großen Thermalbades mit Quellwasser des nahegelegenen Monte Amiata eingeschlossen. Das Menü für das Abendessen – vegan gemäß den Essgewohnheiten des Paares – wurde von Küchenchef Riccardo Bacciottini zusammengestellt, der vor seinem Engagement in Castello di Velona im Restaurant Noma in Kopenhagen (drei Michelin-Sterne) tätig gewesen war. Nach italienischen Medienberichten nahmen keine Prominenten an der Zeremonie in Montalcino teil. Auch zum Kreis der Gäste im Resort Castello di Velona sollen keine VIPs gehört haben.

Die Beziehung zwischen Pascale und Turci war im August 2020 – rund fünf Monate nach der Trennung Pascales von Berlusconi – durch Paparazzi-Fotos von einem Urlaub der beiden Frauen auf einer Yacht in der Illustrierten „Oggi“ publik gemacht worden. Ein Jahr später nahm das Paar gemeinsam an der Gay Pride Parade in Neapel teil. Pascale stammt selbst aus Neapel. Die beiden Frauen sind zu wichtigen Stimmen für die Rechte sexueller Minderheiten geworden, halten sich aber mit Mitteilungen über ihr Privatleben in den sozialen Medien sehr zurück.

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Nach italienischen Medienberichten vereinbarten Berlusconi und Pascale bei ihrer Trennung eine „Abfindungszahlung“ für Pascale in Höhe von rund 20 Millionen sowie jährliche Unterhaltszahlungen von jeweils einer Million Euro. Zudem überließ Berlusconi Pascale die eigens für seine damalige Partnerin erworbene und aufwendig renovierte Luxusvilla Maria mit einer 40 000 Quadratmeter großen Parkanlage in Casatenovo bei Mailand. Dort lebte Pascale aber seit gut einem Jahr nicht mehr, stattdessen erwarb sie ein Anwesen in der Toskana. Berlusconi hat die Villa Maria Presseberichten zur Folge jetzt zum Kauf angeboten.

Glückwünsche für das Paar kamen von zahlreichen linken Politikern sowie von LBTQ-Aktivisten. Daneben gab es auch die üblichen homophoben Beschimpfungen in den sozialen Medien. Die PD-Senatorin Monica Cirinnà, die 2016 maßgeblich das nach ihr benannte Gesetz zu gleichgeschlechtlichen eingetragenen Lebenspartnerschaften verfasst hatte, teilte auf Twitter mit: „Die Beleidigungen und der Hass, die euch entgegengeschleudert werden, werden durch die Schönheit eurer Liebe hinweggefegt. Jede neue eingetragene Partnerschaft ist ein Samen für den kulturellen Wandel in der Folge einer guten Politik in unserem Land.“ Auch Paolo Berlusconi, jüngerer Bruder des vierfachen Ministerpräsidenten, übermittelte Glückwünsche: „Ich sende Francesca Pascale, die einige Jahre meinem Bruder nahestand, meine Wünsche für ein glückliches Leben.“ Silvio Berlusconi ist derzeit mit der 32 Jahre alten Abgeordneten Marta Fascina liiert. Fascina gehört zu der 1994 von Berlusconi gegründeten und bis heute geführten Partei Forza Italia. Auch Francesca Pascale hatte einst Berlusconi über die Arbeit für die Forza Italia kennengelernt.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Rüb, Matthias (rüb)
Matthias Rüb
Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.
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