Hochzeit in Japan

Aus Prinzessin Mako wird Frau Mako Komuro

Von Patrick Welter, Tokio
26.10.2021
, 14:23
Ihr schönster Tag: Mako Komuro und ihr Gemahl Kei Komuro beantworten nach der Vermählung am Dienstag  Fragen der Journalisten.
In Japan hat Prinzessin Mako ihren Studienfreund geheiratet – die Hochzeit war zuvor in Medien und in der Bevölkerung auch kritisiert worden. Bei der Braut haben die Vorwürfe Spuren hinterlassen. Wie konnte es dazu kommen?
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Die japanische Hauptstadt hat die Schrecken der Corona-Pandemie vorerst hinter sich gelassen. Zögerlich beginnt das öffentliche Leben wieder und die Straßen füllen sich. Die Bars dürfen abends und die ganze Nacht lang wieder Alkohol ausschenken. Doch das Spektakel, das die kaiserliche Familie am Dienstag den Japanern bot, wirkte wie eine traurige Inszenierung aus den tiefsten Pandemiezeiten, als sich nur wenige Japaner auf die Straße getraut hatten.

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Nach vier Jahren erzwungener Wartezeit heiratete Prinzessin Mako, die Nichte von Kaiser Naruhito, ihren Studienfreund Kei Komuro – ohne Zeremonien und ohne Gelegenheit für die Japaner, die Prinzessin an einem Tag mit Sonne und strahlend blauem Himmel würdevoll zu verabschieden. Wie anders war das noch 2005, als das zuvor letzte Mal die Schwester eines künftigen Kaisers heiratete. Damals säumten Tausende die Straßen, um Prinzessin Sayako Glück zu wünschen. Doch am Dienstag glänzte wenig, außer der Perlenkette der Braut in der Viertelstunde in einem Hotel mit Journalisten. Da war die Prinzessin mit der Heirat schon formal aus der kaiserlichen Familie ausgeschieden und sprach nur noch als Frau Mako Komuro.

Am Vormittag hatte ein Beamter des kaiserlichen Hofamts die Vermählung der beiden im zuständigen Stadtbüro registriert. Dann erlaubte das Hofamt Bilder vom Abschied der Prinzessin aus dem Elternhaus auf dem kaiserlichen Akasaka-Anwesen mitten in Tokio. Mit mehreren Verbeugungen verabschiedete Mako sich von ihren Eltern, Kronprinz Akishino und Frau Kiko. Ihre jüngere Schwester Kako umarmte Mako in einer Geste, die man in Japan nur sehr selten in der Öffentlichkeit sieht.

„Ich liebe dich, Mako“

Der zweite emotionale und ungewöhnliche Höhepunkt des Tages kam, als der Bräutigam in der Begegnung mit Journalisten als erstes sagte: „Ich liebe dich, Mako. Ich möchte den Rest meines Lebens mit der Person verbringen, die ich liebe.“ Strahlend, erleichtert und zufrieden sah der 30 Jahre alte Komuro aus, auch wenn das Fernsehen ihn so unglücklich ausgeleuchtet hatte, dass er blass und fiebrig schien.

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Die japanischen Medien, vor allem die Magazine, und größere Teil der Bevölkerung tun sich schwer mit der Hochzeit der beiden Gleichaltrigen, die sich an der Universität kennengelernt hatten. Der finanzielle Streit der Mutter des Bräutigams mit ihrem früheren Verlobten um 4 Millionen Yen (31.000 Euro) war der Ausgangspunkt. Dann ging es Schlag auf Schlag gegen die informell Verlobten, seine Mutter und indirekt auch gegen die Familie des Kronprinzen, dem eine zu liberale Erziehung vorgehalten wurde. Mako stelle ihr persönliches Glück vor ihre öffentlichen Pflichten, hieß es. Komuro wurde unterstellt, dass er seinen Studienplatz in New York nur erlangt habe, weil er sich angeblich als Verlobter der Prinzessin ausgegeben habe.

Immerhin 35 Prozent der Japaner haben nach einer Umfrage Vorbehalte gegen die Hochzeit, nur 38 Prozent sind positiv gestimmt. Mehrere Dutzend Japaner fanden sich in den vergangenen Tagen und auch am Hochzeitstag in der Hauptstadt gar zusammen, um gegen die Hochzeit und für die Rückkehr zu einem anständigen und ehrwürdigen Kaiserhaus zu demonstrieren. Doch wie bizarr die Kontroverse um die Hochzeit ist, zeigt sich daran, dass im Krach über 31.000 Euro Mako die staatliche und stattliche Mitgift von rund 1,2 Millionen Euro ausgeschlagen hat.

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Wie konnte es dazu kommen? Einige japanische Kommentatoren vermuten, konservative Kräfte im kaiserlichen Hofamt hätten gegen die Hochzeit opponiert. Andere werfen dem Hofamt vor, durch eine missglückte oder fehlende Kommunikation die Verliebten im Stich gelassen zu haben. Dritte sehen die Schuld im Verhalten von Komuro und – oder – Mako, die zu selbstbewusst ihren eigenen Weg gingen und damit für den japanischen Geschmack nicht angepasst genug seien. Noch andere führen das Wehklagen über den Bräutigam auf die Sorgen zurück, dass dem Kaiserhaus die männlichen Erben ausgehen. Irgendwann könnten Makos Kinder vielleicht doch in die Erblinie hineinrutschen.

Bei der Braut haben solche Vorwürfe Spuren hinterlassen. Bei ihr wurden posttraumatische Belastungsstörungen diagnostiziert und am Dienstag gestand sie vor den Journalisten ein, dass es ihr nicht gut gehe. Artig bedankte Mako sich in einer kleinen Ansprache bei all den Menschen in Japan, die ihr während der Prinzessinnenjahre und auch zuletzt zur Seite gestanden hätten. Fragen der Journalisten, die wie immer im Kaiserhaus vorab schriftlich eingereicht werden mussten, beantworteten die beiden Komuros nur schriftlich, um sich Unannehmlichkeiten zu ersparen.

Mako und ihr Mann dementierten einige Behauptungen der japanischen Medien. Sie seien „erschrocken, verängstigt und traurig“, dass falsche Informationen als Tatsachen verbreitet worden sein. Das war, gemessen an japanischen und imperialen Maßstäben, eine Ohrfeige für die Journalisten. Mit all dem hofft die ehemalige Prinzessin abzuschließen, wenn sie mit ihrem Ehemann in Kürze nach New York umzieht. Sie erwäge derzeit nicht, Interviews zu geben, erklärte Mako: „Ich würde gerne ein friedliches Leben in meiner neuen Umgebung führen.“

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Welter, Patrick
Patrick Welter
Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.
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