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Jugend-Digitalstudie 2019

Jugendliche sind 58 Stunden pro Woche online

Von Sebastian Eder
 - 16:58
Nur am Zocken? Auf dem Smartphone kann man viel mehr machen – zum Beispiel lernen.

Eine 58-Stunden-Arbeitswoche wäre für die meisten Jugendlichen in Deutschland wohl ein Albtraum: An sechs Tagen in der Woche fast zehn Stunden im Büro auf einen Bildschirm starren, was wird da aus der Work-Life-Balance? In ihrer Freizeit ist der Jugend die Balance zwischen der Zeit mit und ohne Bildschirm dagegen weniger wichtig: Laut der am Dienstag in Bonn vorgestellten Jugend-Digitalstudie 2019 der Postbank sind Jugendliche in Deutschland im Schnitt 58 Stunden pro Woche im Internet unterwegs. „Außerhalb der Schul- oder Arbeitszeit vergeht kaum eine Stunde, in der sie nicht online sind“, sagt Thomas Brosch von der Postbank über die repräsentative Studie, für die im April und Mai 1004 Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren befragt wurden.

Meistens sind die Jugendlichen demnach auf ihren Smartphones online: im Schnitt knapp 36 Stunden pro Woche. 96 Prozent haben aber auch einen Laptop, Desktop-PC oder ein Tablet im Haushalt, die allerdings deutlich weniger genutzt werden. Vor Laptops oder Notebooks sitzt der Durchschnittsjugendliche etwas mehr als sieben Stunden pro Woche, vor dem PC noch einmal sieben Stunden. Tablets sind mit 4,4 Stunden in der Statistik zwar abgeschlagen, rangieren aber immer noch vor intelligenten Sprachassistenten und „Wearables“ wie Smartwatches (jeweils 1,7 Stunden).

Je jünger die Befragten sind, desto länger nutzen sie das Handy. Mit gut 38 Stunden wöchentlich verbringen die Sechzehnjährigen rund 3,5 Stunden mehr mit mobilen Geräten als die Älteren. Sobald das Internet für die Schule, das Studium oder die Ausbildung benötigt wird, werden die größeren Geräte interessanter. Allerdings bleibt das Smartphone mit 1,1 Stunden Nutzung pro Tag auch für Job, Studium oder Schule der wichtigste Zugangspunkt zum Netz. Der Laptop folgt mit 0,7 Stunden, der Desktop-PC mit 0,4 Stunden.

Dass im Internet auch gelernt wird, zeigt, dass man es sich zu einfach macht, wenn man die hohen Nutzungszahlen pauschal verdammt. Immerhin spielt sich ein Großteil des modernen Lebens mittlerweile im Netz ab. Man kann sich dort mit Freunden verabreden, politisch engagieren, die Steuerklärung machen oder Partner kennenlernen. Thomas Brosch von der Postbank sagt: „Die Jugendlichen tauschen sich per Messenger mit Freunden aus, schauen Youtube-Videos an oder streamen Musik über das Gerät.“ Der Berliner Psychiater Jan Kalbitzer, Autor des Buches „Digitale Paranoia“, sagt: „Solange Erwachsene sich nicht die Zeit nehmen, sich ganz individuell damit zu beschäftigen, was Jugendliche im Internet machen und wie es ihnen dabei geht, gilt die Frage nach der medizinischen Einschätzung vor allem den Orthopäden und Augenärzten.“

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Eder, Sebastian
Sebastian Eder
Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.
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