Studie über deutsche Jugend

Nicht so „grün“ wie gedacht

Von Johanna Christner
22.11.2021
, 16:13
Die Studie zeichne das Bild einer grundsätzlich politisch wachen und aktiven jungen Generation.
Die große Mehrheit der Jugendlichen in Deutschland ist nicht dazu bereit, ihr Konsumverhalten für den Klimaschutz zu verändern, wie eine Studie zeigt. Die Jugend erwartet Entscheidungshilfen durch die Politik.
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Zu den größten Sorgen junger Menschen in Deutschland gehören neben dem Klimawandel eine unsichere wirtschaftliche Zukunft sowie eine schwindende Aussicht auf Alterssicherung. Das ergab die am Montag in Berlin vorgestellte Studie „Jugend in Deutschland“. 56 Prozent der Befragten sorgen sich um den Klimawandel, mit 48 Prozent fürchtet nahezu die Hälfte einen Zusammenbruch des Rentensystems. Letzteres Thema hat laut den Autoren der Studie, Jugendforscher Simon Schnetzer und Bildungsforscher Klaus Hurrelmann, im Vergleich zur vergangenen Erhebung im Sommer einen höheren Stellenwert erlangt. Erhofft werde von den jungen Befragten eine Lösung seitens der Politik.

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Die Umfrage basiert den Forschern zufolge auf einer repräsentativen Online-Befragung von 1.014 deutschsprachigen Menschen im Alter von 14 bis 29 Jahren, durchgeführt wurde sie vom 14. bis 22. Oktober vom Kölner Marktforschungsinstut Respondi. Jugendforscher Simon Schnetzer sagte, die Studie zeichne das Bild einer grundsätzlich politisch wachen und aktiven jungen Generation.

„Die Pandemie hat sie allerdings in einer äußerst sensiblen Lebensphase getroffen“, so Schnetzer. Die Jugend erhole sich nur allmählich von den Auswirkungen. 40 Prozent der Jugendlichen berichteten demnach von Beeinträchtigungen ihrer psychischen Befindlichkeit. Benannt wurden hierzu Kontrollverlust bei der Alltagsgestaltung (37 Prozent), eine Verschlechterung der persönlichen Beziehungen (29 Prozent) sowie der Bildungs- und Berufslaufbahn (20 Prozent).

Rund ein Viertel will nicht mehr fliegen

Zudem ergab die Studie, dass die Jugend in Deutschland nicht so „grün“ ist, wie angesichts Bewegungen wie „Fridays for Future“ erwartet werden könnte. Rund 60 Prozent der Befragten nutzen demnach regelmäßig Autos, mehr als 80 Prozent können sich zudem kein Leben ohne Auto und ohne den Konsum tierischer Produkte vorstellen. Lediglich 18 Prozent der Jugendlichen wären dazu bereit, dauerhaft auf ein eigenes Auto zu verzichten. In puncto Flugreisen will mit 27 Prozent rund ein Viertel nicht mehr fliegen. Eindeutiger wird es bei der Vermeidung von Wegwerfprodukten aus Plastik, welche bei 65 Prozent der jungen Menschen auf Zustimmung trifft. 40 Prozent der Teilnehmenden können sich zudem den Kauf von gebrauchter statt neuer Ware vorstellen, der Kauf von fairen Produkten oder biologisch hergestellten Lebensmitteln wird von 36 Prozent befürwortet.

Mit 44 Prozent erprobt fast die Hälfte der Jugendlichen alternative Ernährungsformen, 26 Prozent sind dazu bereit, sich langfristig fleischlos zu ernähren. Für die vegane Ernährungsweise ohne jegliche tierische Produkte sind allerdings nur 16 Prozent zu begeistern. „Die große Mehrheit ist noch nicht bereit, die liebgewordenen Gewohnheiten in den Bereichen Konsum, Mobilität, Ernährung aufzugeben und wartet erst einmal auf Entscheidungshilfen durch die Politik“, sagt Mitautor der Studie Klaus Hurrelmann.

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Eine Mehrheit der Befragten der 14 bis 29 Jahre alten Befragten ist mit 69 Prozent vollständig geimpft. Nur 19 Prozent würden sich vor einer Infektion fürchten, allerdings würden sich die jungen Menschen nach Freiheiten für die Lebensgestaltung sehnen und sich daher impfen lassen. Ein knappes Fünftel der Befragten bezeichnet sich selbst als Impfverweigerer. Der Wert hierzu sei auf der gleichen Höhe verblieben wie in der zuvor von den Autoren im Sommer erhobenen Studie.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Christner, Johanna
Johanna Christner
Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.
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