FAZ plus ArtikelMachtmissbrauch an der Uni

Wie Doktoranden von ihren Professoren ausgebeutet werden

Von Katrin Hummel
06.06.2022
, 09:53
Die extreme Abhängigkeit deutscher Nachwuchswissenschaftler von ihren Doktorvätern und -müttern begünstigt Ausbeutung und Übergriffe.
Ein Bericht deckt auf: An deutschen Unis kommt es erschreckend oft zu Fehlverhalten und Machtmissbrauch. Zwei Doktorandinnen berichten.
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Nachdem Colette Nesemann ihre erste wissenschaftliche Fachpublikation geschrieben hatte, passierte etwas, das sie bis dahin für unvorstellbar gehalten hatte. Es geschah, als die Doktorandin im Fach Psychologie mit ihrer Doktormutter über die Arbeit sprach. „Und die sagte: Das können Sie so nicht veröffentlichen“, erinnert sich Nesemann. Der Grund: Das Ergebnis der Untersuchung, auf der das „Paper“ basierte, war nicht gerade überraschend. Und jetzt? „Die Doktormutter schlug mir vor, ich solle eine von mir untersuchte Gruppe von Menschen einfach weglassen, damit das Ergebnis interessanter würde.“ Nesemann weigerte sich. Daraufhin jedoch, erzählt sie, habe ihre Doktormutter gesagt, wenn sie weiter am Lehrstuhl arbeiten wolle, lege sie ihr nahe, „das so zu machen, wie sie vorgeschlagen hatte – also wissenschaftlich unsauber“. Doch dazu war Nesemann nicht bereit, und danach habe sich ihre Position in der Abteilung verschlechtert: „Ich durfte nicht mehr zu Konferenzen reisen, bekam keine Forschungsgelder mehr und musste machen, was sonst niemand tun wollte.“

Wissenschaftliches Fehlverhalten und Machtmissbrauch von Professorinnen und Professoren gibt es erschreckend oft. Das hat kürzlich auch eine Umfrage des Ombudsgremiums der Deutschen Ge­sell­schaft für Psychologie ergeben, an der sich mehr als 1300 wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Fachbereich Psychologie beteiligten. „Ich wusste, dass es ein Problem ist, aber dass es so häufig vorkommt, hätte ich nicht gedacht“, sagt Jutta Stahl, Professorin für Psychologie an der Universität Köln, die Mitglied des Ombudsgremiums ist. Laut Studie hat fast die Hälfte der Befragten so etwas schon mal selbst erlebt.

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Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Hummel Katrin
Katrin Hummel
Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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