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#MeToo an Chinas Universitäten

Drohungen statt Aufklärung

Von Friederike Böge, Peking
24.04.2018
, 17:19
Studenten der Universität Funda in Shanghai formen das Symbol der Kommunistischen Partei Chinas, einen Hammer und eine Sichel. (Archivbild) Bild: Reuters
Die chinesische Studentin Yue Xin ist seit Wochen mit Schikanen ihrer Universität konfrontiert. Ihr Wunsch nach Akteneinsicht in den Fall eines Missbrauchsopfers wurde als politischer Aktivismus eingestuft.
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Es ist noch nicht lange her, da hatte die Peking-Universität vollmundig angekündigt, Studentinnen besser gegen sexuelle Übergriffe und Belästigung durch Professoren schützen zu wollen. Doch was nun der Studentin Yue Xin widerfuhr, lässt Zweifel daran aufkommen, dass die Verantwortlichen bereit sind, eben jene Kultur des Schweigens zu durchbrechen, die dem Missbrauch Vorschub leistet. Yue Xin wurde von Mitarbeitern der Universität massiv unter Druck gesetzt, nachdem sie Aufklärung über den 20 Jahre zurückliegenden Selbstmord einer anderen Studentin gefordert hatte.

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Der Fall hatte Chinas Hochschullandschaft vor drei Wochen aufgewühlt, nachdem eine Freundin der Verstorbenen Gao Yan und deren Eltern vor drei Wochen schwere Vorwürfe gegen einen Literaturprofessor erhoben hatten, der die Studentin seinerzeit betreut hatte. Von mehrfacher Vergewaltigung und Psychoterror war die Rede. Die Freundin, die inzwischen in den Vereinigten Staaten lebt, hatte sich durch die internationale Me-Too-Kampagne ermutigt gefühlt, in sozialen Netzwerken an das Schicksal Gao Yans zu erinnern. Ihre Initiative erfuhr viel Aufmerksamkeit, weil zuvor schon eine Reihe aktuellerer Missbrauchsfälle eine Debatte über sexuelle Übergriffe an chinesischen Universitäten ausgelöst hatte. Der Professor wurde entlassen.

Doch zurück zu Yue Xin: Sie hatte gemeinsam mit sieben weiteren Studenten bei der Universitätsleitung einen Antrag auf Akteneinsicht gestellt. Doch statt Informationen erhielt sie nach eigenen Angaben Drohungen von Mitarbeitern des Amts für Studentenangelegenheiten. Dieses ist zuständig für ideologische Erziehung und die Einhaltung von „Verhaltensnormen“, wie es auf der Internetseite der Peking-Universität heißt.

In einem offenen Brief, der am Montag und Dienstag in sozialen Netzwerken weite Verbreitung fand, schrieb Yue Xin, dass sie seit zwei Wochen permanent zu Gesprächen einbestellt worden sei. „Zweimal bis ein oder zwei Uhr morgens“. Dabei sei mehrfach infrage gestellt worden, ob sie einen Abschluss der Universität erhalten werde. Yue Xin, die sich schon in der Vergangenheit für Frauenrechte stark gemacht hatte, ist gerade dabei, ihre Abschlussarbeit zu schreiben.

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Eltern der Studentin ebenfalls bedroht

Am Sonntag sei sie in ihrem Studentenheim um ein Uhr nachts geweckt worden. Man habe von ihr verlangt, dass sie alle Informationen im Zusammenhang mit ihrem Antrag auf Akteneinsicht von ihrem Computer löschen müsse. Zudem musste sie schriftlich versichern, dass sie die Sache nicht weiter verfolgen werde. Das Amt für Studentenangelegenheiten wirkte auch auf ihre Eltern ein. Ihre Mutter sei in einer Weise eingeschüchtert worden, dass sie mit Selbstmord gedroht habe, wenn ihre Tochter sie nicht nach Hause begleite.

Yue Xins Wunsch nach Aufklärung wurde von den Behörden offenbar als politischer Aktivismus eingestuft. Am Dienstag machte eine Warnung in den Chat-Gruppen der Peking-Universität die Runde: „Manche Studenten konspirieren miteinander und mit externen Kräften“, hieß es. Die Zensoren bemühten sich, alle Hinweise auf den offenen Brief der Studentin zu löschen, während zahlreiche Internetnutzer das Schreiben seitenverkehrt verschickten, um die Sperren zu unterlaufen. Auf dem Campus der Universität tauchten offenbar sogar handgeschrieben Poster zur Unterstützung Yues auf.

Xi Yue ist kein Einzelfall: Schon bei früheren Missbrauchsfällen waren Angehörige oder Unterstützer der Opfer unter Druck gesetzt worden, nachdem sie Aufklärung gefordert hatten. Das Klima der Angst spielt den Tätern in die Hände.

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Quelle: F.A.Z.
Friederike Böge
Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.
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