„Bin kein Corona-Leugner“

Der Wendler will zurück nach Deutschland

03.11.2020
, 15:23
Nach seinem folgenreichen Video zu Corona meldet sich Schlagersänger Michael Wendler nun mit einer Art Verteidigungsrede zurück. Er entschuldigt sich bei seinem früheren Haussender RTL.

Rund drei Wochen nach seinem Video mit bizarren Äußerungen zur Corona-Krise hat Schlagersänger Michael Wendler eine Rückkehr nach Deutschland angekündigt. In einer langen Erklärung, die auf seinem Instagram-Kanal veröffentlicht wurde, bestritt der Achtundvierzigjährige vehement, ein Verschwörungstheoretiker oder Corona-Leugner zu sein. Das alles treffe überhaupt nicht zu. Auch sei er nicht auf der Flucht, erklärte Wendler. „Ich komme natürlich zurück nach Deutschland.“ Vielleicht sei das schon in diesem Jahr der Fall oder Anfang 2021. „So Gott will, wird es dann auch wieder Konzerte geben.“

Der Sänger von Tanz-Schlagern („Egal“), der in Florida lebt und sich „Der Wendler“ nennt, hatte Anfang Oktober an gleicher Stelle verkündet, sich von seinem Jury-Job in der RTL-Show „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) zurückzuziehen. Für einen Knall sorgte die Begründung: Er werfe der Bundesregierung in der Corona-Krise „grobe und schwere Verstöße gegen die Verfassung und das Grundgesetz“ vor. Darüber hinaus beschuldigte Wendler die Fernsehsender – darunter RTL – „gleichgeschaltet“ zu sein. Sein bisheriger Haussender und andere Partner gingen umgehend auf Distanz. Die Karriere des Sängers liegt seitdem in Trümmern.

„Ich bin überhaupt gar kein Verschwörungstheoretiker“

Nun rudert Wendler, im Video in ein feuerrotes Hemd gekleidet, zurück. „Ich bin überhaupt gar kein Verschwörungstheoretiker oder Corona-Leugner“, bekräftigte er. Es gebe das Coronavirus, das werde er mit Sicherheit nicht leugnen und habe es auch nicht getan. Dass ihn das Thema nicht loslässt, wird in den Aufnahmen allerdings auch deutlich. Die Bezeichnungen, die er für sich selbst wählt, lauten „Corona-Realist“ und „Pandemie-Maßnahmen-Skeptiker“. Auch zeigt er sich begeistert von Präsident Donald Trump, „der in vielen seinen Reden angekündigt hat, die Pandemie nach seinem Wahlsieg für beendet zu erklären“.

Einen großen Teil widmete der Sänger seinen Beschuldigungen an das Fernsehen und im Speziellen RTL. „Ich habe mich geäußert zu den Medien und habe Gleichschaltung vorgeworfen“, erklärte er. Das müsse er „ein bisschen revidieren“. Bei RTL entschuldige er sich. „Denn ich habe da wahrscheinlich RTL ziemlich Unrecht getan.“ Der Sender habe sich um ein Interview mit ihm bemüht, „um klarzustellen, warum ich so denke, wie ich denke“. Das Gespräch habe er selbst abgelehnt – das sei eigentlich ein großer Fehler gewesen.

Lässt sich seine Karriere noch retten?

RTL selbst reagierte recht kühl auf Wendlers Annäherungsversuche. „Wer in der Öffentlichkeit steht und sie für seine Botschaften aktiv nutzt, sollte doppelt gut nachdenken, bevor er sich äußert“, sagte ein Sprecher. „Wir haben das aktuelle Statement von Michael Wendler wahrgenommen, ohne dessen Gehalt beurteilen zu können oder zu wollen.“

Ob sich die Karriere des zum Schlagerstar aufgestiegenen Speditionskaufmanns aus dem rheinischen Dinslaken retten lässt, ist damit offen. Sein Manager Markus Krampe hatte in einer Sondersendung mit Moderator Oliver Pocher vor drei Wochen gesagt, für ihn habe sich Wendler am Telefon angehört wie jemand, „der zum letzten Mal jemand anruft und sagt: Pass’ auf, ich beende jetzt meine Karriere, ich komme nie wieder nach Deutschland“. Zumindest das scheint nicht der Fall zu sein.

Wendlers Erfolg beschränkte sich in den vergangenen Jahren allerdings weniger auf seine Musik als auf seine Auftritte in Shows. Zudem ist der Achtundvierzigjährige mit der Influencerin Laura Müller (20) verheiratet. In seinem neuen Video verteidigte er seine Frau: Es sei nicht korrekt, wenn sie wegen seiner – also Wendlers – Aussagen ihre Geschäftspartner als Influencer verliere. „Sie ist eine junge Frau, die völlig unpolitisch ist.“

Quelle: dpa
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot