Hilfsgelder für Verkehrswende

Mit der Tram an die Playa de Palma

Von Hans-Christian Rößler, Madrid
27.01.2021
, 19:52
Eine Straßenbahnlinie soll von der Innenstadt von Palma über den Flughafen bis nach El Arenal führen – mit einem Stopp am „Ballermann“-Strand. Bisher nutzten Millionen Fahrgäste jedes Jahr Busse für die Strecke.

Mallorca ist im Lockdown. Für die Einheimischen hat der Stillstand wenigstens einen positiven Nebeneffekt: Der Verkehr rollt. Denn wenn die Touristen kommen, geht auf den Straßen oft nichts mehr. Mallorca hat in der Hochsaison eine ähnlich hohe Fahrzeugdichte wie Hongkong. Das liegt vor allem an den Zehntausenden Leihwagen, die im Sommer unterwegs sind auf den Balearischen Inseln, die von der Pandemie so hart getroffen sind wie wenige andere spanische Regionen.

Jetzt könnten bald EU-Hilfsgelder die seit langem geforderte Verkehrswende beschleunigen. Spanien wird aus Brüssel rund 140 Milliarden Euro für den Wiederaufbau bekommen, gut die Hälfte davon als Zuschüsse, die andere als rückzahlbares Darlehen. Die Balearen rechnen mit mehr als 300 Millionen Euro in den kommenden zwei Jahren. Auf Mallorca will man damit endlich ein Projekt in Angriff nehmen, das die letzte Linksregierung schon vor einem Jahrzehnt vorbereitet hatte, das aber von ihren konservativen Nachfolgern gestoppt worden war: Eine Straßenbahnlinie soll von der Innenstadt von Palma über den Flughafen bis nach El Arenal führen – mit einem Stopp am „Ballermann“-Strand, der bei deutschen Urlaubern besonders beliebt ist. Knapp 500 Millionen Euro könnte nach einer Schätzung der Regionalregierung das gesamte Vorhaben kosten, zu dem auch die Regierung in Madrid einen Teil beitragen wird.

Bisher sind auf diesen Strecken nur Busse unterwegs. Bis zu 13 Millionen Fahrgäste nutzen sie jedes Jahr für die Fahrt zum Flughafen und an die Playa de Palma. Sonst bleiben den Urlaubern nur Taxis oder Mietwagen. In einem ersten Schritt soll die Tram von der Plaça d’Espanya zum Krankenhaus Son Espases führen. Das soll zum Teil auf der bestehenden Strecke des „Roten Blitzes“, des Bummelzugs nach Sóller, geschehen. Auf den Ausbau der Metrolinie wird verzichtet.

Verkehrsminister Marc Pons hatte im vergangenen Dezember in Aussicht gestellt, dass wegen der fortgeschrittenen Planungen die Bauarbeiten in zwei Jahren beginnen könnten. Umweltschützer traten bisher vergeblich dafür ein, noch stärker auf den Bahnverkehr zu setzen. Die „Plataforma por el Tren de Llevant“ will schon seit dem Ende der neunziger Jahre die alte Zugstrecke von Palma nach Artà wieder beleben und sie möglicherweise bis nach Cala Ratjada verlängern. Die Verbindung war im Jahr 1977 stillgelegt worden, momentan fährt der Zug nur bis Manacor.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Rößler, Hans-Christian
Hans-Christian Rößler
Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot