Obdachlosenhilfe

Warm und sicher in der alten Sport-Arena

Von Theresa Weiss
08.01.2021
, 15:26
Caritativer Zweck statt Kaufhaus: Wegen der Corona-Pandemie werden Obdachlose während der Winteraktion der Katharinenkirche auch in der ehemaligen Sport-Arena von Karstadt in Frankfurt empfangen.

Als die Katharinenkirche vor 34 Jahren zum ersten Mal ihre Pforte für die Ärmsten öffnete, tat das bitter Not. Kurz zuvor war wieder einmal ein Obdachloser erfroren. Im Jahr darauf ging ein Obdachlosenmörder durch die Stadt und erschlug Menschen. Es brauchte einen sicheren, warmen Ort für sie. „In den vergangenen Jahrzehnten gab es in Frankfurt keine Kältetoten mehr“, sagt Daniela Birkenfeld (CDU), Sozialdezernentin der Stadt. Trotzdem brauchen die Ärmsten Hilfe: Durch die Corona-Pandemie ist die Besuchszeit in vielen Hilfseinrichtungen auf eine Viertelstunde begrenzt.

Bei der Winteraktion der Katharinenkirche ist das anders: Die Bedürftigen bekommen am Tisch ein warmes Essen serviert, das der Caterer „Martha’s finest“ zubereitet; zudem gibt es Knabbereien, die von der Frankfurter Tafel gespendet wurden. Die Bedürftigen können sich auf einer Liege ausruhen und dürfen so lange bleiben, wie sie wollen.

Mietfrei zur Verfügung

Damit das in diesem Jahr klappt, hat Pfarrer Olaf Lewerenz sich mit Tobias Sauerbier von Signa Real Estate zusammengetan. Das Unternehmen stellt das Gebäude der ehemaligen „Karstadt Sport-Arena“ für die Aktion mietfrei zur Verfügung, die seit der Schließung im Oktober leersteht. Unter den Schildern, die noch den Weg zu den Abteilungen Golf und Schwimmen weisen, stehen jetzt Bierbänke, an denen zwei Menschen mit gehörigem Abstand Platz nehmen können. In der Kirche, die durch die Fensterfront zu sehen ist, wäre zu wenig Platz, um dauerhaft 50 Menschen einen warmen Ort zum Verweilen zu bieten und einen Wegeplan umzusetzen, der den Corona-Bestimmungen entspricht.

Das Angebot nehmen nach Worten von Birkenfeld nicht nur Obdachlose an. Sie berichtet von einer Rentnerin, die sie im vergangenen Jahr einmal in der Katharinenkirche bei der Essensausgabe getroffen habe, wo die Aktion normalerweise zwischen den Kirchenbänken stattfindet. Sie habe ihr Enkelkind dabeigehabt und mit ihrer mageren Rente keine andere Möglichkeit, das Kind anderswo zu einer warmen Mahlzeit einzuladen.

Rauchertourismus absehbar

In diesem Jahr müssen die Besucher unten durch eine Sicherheitskontrolle. „Nicht, weil wir Angst vor den Klienten haben“, sagt Pfarrer Lewerenz. Sondern, weil überprüft werden muss, dass nicht zu viele Menschen im Gebäude sind. Lewerenz stellt sich allerdings auf eine gewisse Fluktuation ein: Da im Gebäude nicht geraucht werden darf, würden die Besucher sicher immer wieder vor die Tür gehen und Platz für Neuankömmlinge machen. Den Service übernehmen Ehrenamtliche. Dieses Mal sind viele neue Helfer dabei, weil einige Unterstützer wegen der Pandemie abgesagt haben. Es sind trotzdem genug Helfer zusammengekommen, viele sind Mitglieder der Frankfurter Eintracht. Von Montag an machen sie den warmen und sicheren Ort möglich.

Quelle: F.A.Z.
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