Südafrika

Inhaftierter Oscar Pistorius trifft Eltern seiner ermordeten Freundin

Von Claudia Bröll, Kapstadt
03.07.2022
, 17:26
Vor neun Jahren erschoss Oscar Pistorius seine Freundin Reeva Steenkamp und wurde dafür des Mordes für schuldig befunden.
Der wegen Mordes an Reeva Steenkamp zu 13 Jahre Haft verurteilte ehemalige Paralympics-Star sprach im Rahmen eines Rehabilitierungsprogramms mit deren Eltern. Pistorius könnte demnächst auf Bewährung entlassen werden.
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Es ist sicherlich ein schwieriges Treffen für alle Beteiligten gewesen: Wie jetzt bekannt wurde, hat Oscar Pistorius vor gut einer Woche Barry Steenkamp getroffen – den Vater seiner Freundin Reeva, die er vor neun Jahren getötet hatte. Das bestätigte die Anwältin der Steenkamp­Familie. Details wurden mit Rücksicht auf die Privatsphäre ihrer Mandanten nicht bekannt. Die Reeva-Rebecca- Steenkamp-Stiftung dankte auf Facebook dem Ministerium für den Strafvollzug, „insbesondere den Mitarbeitern des St.-Albans-Gefängnisses“. Sie haben den Prozess auf „einfühlsame und professionelle Weise“ erleichtert.

Das Treffen war Teil eines so­genannten Opfer-Täter-Dialogs. Er gehört in Südafrika zum Rehabilitationsverfahren, um über einen Antrag auf vorzeitige Entlassung zu entscheiden. Pistorius wurde dafür im November vergangenen Jahres in das St.-Albans-Gefängnis in Gqeberha verlegt, dem früheren Port Elizabeth im Ostkap, in die Nähe des Wohnorts der Steenkamps. Der Dialog soll helfen, Opfer oder die Hinterbliebenen zu stärken und Rückfälle zu verhindern. Die Hinterbliebenen können ein Gespräch auch ablehnen. Für die Entscheidung werden auch Berichte von Psychologen und Sozialarbeitern berücksichtigt.

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„Oscar hat uns noch viel zu sagen“

Ende 2021 hatte Barry Steenkamp im britischen Fernsehen gesagt, er wünsche „wenn möglich“ ein Ge­spräch. „Eines Tages will ich mit Oscar von Mann zu Mann sprechen. Wir haben das Gefühl, dass es noch viel zu sagen gibt in dieser Geschichte, und wir hoffen, dass Oscar uns die Wahrheit erzählt.“ Die Mutter von Reeva Steenkamp, June, sagte, Pistorius habe bisher keine Reue gezeigt. „Ich glaube, er wird erst Reue zeigen, wenn es ihm hilft, aus dem Gefängnis zu kommen.“ Sie habe ihm wegen ihres Glaubens vergeben, aber das bedeute nicht, dass er nicht dafür bezahlen müsse. Aus ihrer Sicht müsse er die komplette Haft verbüßen, die Entscheidung liege jedoch bei der Justiz. Pistorius’ Anwalt indes be­schrieb ihn im November als „Schatten seiner selbst“. Er werde bis zu seinem Lebensende von seiner Tat verfolgt werden.

Pistorius hatte seine Freundin Reeva am Valentinstag 2013 in seinem Haus mit vier Schüssen durch eine geschlossene Toilettentür erschossen. Er sprach von einer Verwechslung mit einem Einbrecher. Ein Gericht hatte ihn 2016 wegen Totschlags zu sechs Jahren Haft verurteilt. Das Oberste Berufungsgericht bezeichnete die Strafe im Jahr danach als „schockierend milde“ und verurteilte ihn wegen Mordes zu 13 Jahren und fünf Monaten. Verurteilte in Südafrika können einen Antrag auf vorzeitige Entlassung nach der Hälfte ihrer Haftzeit stellen.

Der heute 35 Jahre alte Pistorius war in Südafrika ein Nationalheld und ein international gefeierter Sportstar gewesen. Im Alter von elf Monaten mussten ihm wegen einer Fehlbildung beide Unterschenkel amputiert werden. Er wurde als „schnellster Mann ohne Beine“ bekannt, errang sechs Goldmedaillen in Paralympischen Spielen und trat 2012 mit Karbonprothesen als erster beinamputierter Sportler in den Olympischen Spielen an. Nach Angaben der Strafvollzugs­behörde ist er inzwischen in das Atteridgeville-Gefängnis in Pretoria zurückgekehrt.

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Quelle: F.A.Z.
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Claudia Bröll
Politische Korrespondentin für Afrika mit Sitz in Kapstadt.
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