Wegen Corona

Polizei-Gewerkschafter und Politiker für Böllerverbot

19.11.2020
, 08:58
Köln am 01.01.2019 – wird der Jahreswechsel in diesem Jahr weniger bunt?
Zum Feuerwerk gesellten sich rasch Alkohol und größere Personengruppen, so ein Gewerkschafter der Polizei, und das sei derzeit nicht angesagt. Auch NRW-Innenminister Herbert Reul sprach sich für einen ruhigen Jahreswechsel aus.

Wegen der Coronavirus-Pandemie fordern Innenpolitiker und Polizei-Gewerkschafter ein Böller-Verbot an Silvester. Zum Feuerwerk gesellten sich rasch Alkohol, Personengruppen und Partystimmung – und das sei nicht angesagt, sagte der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, der „Bild“-Zeitung (Donnerstag). Auch der CSU-Bundestagsabgeordnete Michael Kuffer plädierte bei der „Bild“ dafür, Böllerei und Feuerwerk dieses Jahr zu verbieten.

Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) sprach sich ebenfalls gegen Böller und Raketen aus. „Am Halloween-Wochenende war es in unseren Party-Hochburgen ganz ruhig“, sagte Reul der „Bild“-Zeitung. „Ich wünsche mir, dass das auch Silvester wieder so sein wird.“ Entscheiden müssten aber die Kommunen.

In Berlin hatten die Grünen mit Blick auf die Infektionslage gefordert, an Silvester neben großen Partys auch das Feuerwerk zu verbieten. Deutschland solle damit dem Vorbild der Niederlande folgen, hieß es. Die Berliner Verwaltung müsse „mit engmaschiger Kontrolle Böllerei und Silvesterfeuerwerk im Berliner Innenstadtbereich vollständig unterbinden“, schloss sich auch Berlins CDU-Fraktionschef Burkard Dregger an.

„Feuerwerk muss Silvester trotz Corona möglich sein“

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hält hingegen nichts von einem Verbot.„Feuerwerk muss Silvester trotz Corona möglich sein. Aber auch hier gilt ganz klar: Die Hygieneregeln mit Abstand und Maske müssen eingehalten werden. Und dazu wird es auch Kontrollen geben“, sagte der Minister der „Bild“.

Auch der Deutsche Städte- und Gemeindebund spricht sich gegen ein generelles Verbot von Böllern und Feuerwerk in der Corona-Pandemie aus. „Die Leute haben doch Frust ohne Ende. Alles wird verboten, nirgends kann man hin“, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. „Natürlich wird das kein Silvester geben mit riesen Partys und riesen Feuerwerken.“ Für die einzelnen Haushalte sehe er aber keinen Anlass für ein großes Verbot.

Die klassischen, großen Feuerwerke mit Tausenden Zuschauern werde es wohl nicht geben, wenn es bei der aktuellen Infektionslage bleibe, so Landsberg. Dabei könne der nötige Abstand nicht eingehalten werden, auch mit Masken sehe es schwierig aus.

Seit einigen Jahren wird um den Jahreswechsel herum debattiert, ob privates Silvesterfeuerwerk in Deutschland verboten werden sollte. Von den Gegnern werden vor allem Umwelt- und Tierschutzgründe, aber auch Verletzungen durch den sorglosen Gebrauch der Knallkörper angeführt. Befürworter verweisen auf Tradition und die bestehenden gesetzlichen Vorgaben, die den Verkauf bereits ausreichend einschränken würden. In deutschen Großstädten werden an Silvester zudem meist Böllerverbotszonen in bestimmten Straßen erlassen, etwa in der Nähe von Krankenhäusern und Zoos.

Quelle: dpa/jant.
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