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Sängerin Joy Villa

Marktlücke Trump-Fan

Von Johanna Dürrholz
 - 10:16
Joy Villa bei den 61. Grammy Awards im Februar 2019zur Bildergalerie

Schon im Wahlkampf hatte Donald Trump Probleme mit Musikern: Sie wollten ihm ihre Songs einfach nicht zur Verfügung stellen. Der spätere Bernie-Sanders-Unterstützer Neil Young untersagte Donald Trump schon 2015 die weitere Nutzung von „Rockin' In The Free World“ (woraufhin sich die beiden, in guter alter Trump-Manier, noch einen Schlagabtausch auf Twitter lieferten), Axl Rose von Guns 'n' Roses ärgerte sich in diversen Tweets über Trump (und ärgert sich bis heute), und Rihanna wehrte sich gegen die Verwendung ihres Hits „Don't Stop The Music“ auf Twitter – und erklärte, sie oder ihre Musik werde nie wieder im Umfeld von Trump auftauchen.

Doch auch als Donald Trump die Wahl für sich entscheiden konnte, knickten die Künstler nicht ein. So war es für Trump fast unmöglich, prominente Musiker zu finden, die auf der Feier zu seiner Amtseinführung singen würden. Schließlich traten hauptsächlich Künstler auf, die entweder weitgehend unbekannt sind (etwa DJ Ravidrums, der vorher mal „persönlicher DJ“ von Hugh Hefner gewesen sein soll), oder die ihre besten Zeiten lange hinter sich haben – so etwa die Band 3 Doors Down, die zuletzt 2009 den Hit „Here Without You“ landeten. Dazu dann noch der Country-Rocker Toby Keith, der unter anderem mit dem Song „Courtesy Of The Red, White And Blue (The Angry American)“ (2002) Erfolge feierte. Bei Obama sangen übrigens Beyoncé und Aretha Franklin.

Noch immer kämpfen Musiker dagegen an, dass der amtierende Präsident ihre Musik auf Veranstaltungen benutzt. Superstar Pharrell Williams schaltete 2018 einen Anwalt ein, weil sein Lied „Happy“ auf einer politischen Veranstaltung Trumps in Indiana lief – und das nur Stunden, nachdem elf Menschen bei einer Terrorattacke in einer Synagoge in Pittsburgh umgekommen waren. „An dem Tag, an dem elf Menschen von einem geisteskranken ‚Nationalisten' ermordet wurden, haben Sie den Song ‚Happy' bei einer politischen Versammlung in Indiana gespielt. Nichts war ‚fröhlich' an der Tragödie, die unser Land am Samstag heimsuchte. Und es gab keine Erlaubnis, dass Sie das Lied verwenden durften“, hieß es damals im Anwaltsschreiben.

Dass Trump all das nicht sonderlich schert, höchstens weiter bestätigt, zeigt auch der unbekümmerte Umgang mit weiterer Musik. So mahnte der Aerosmith-Sänger Steven Taylor Trump bereits 2015 ab, weil in dessen Wahlkampf das Lied „Dream On“ verwendet worden war. Ungerührt ließ Trumps Team 2018 bei einer Kundgebung dann „Living On The Edge“ von Aerosmith ertönen. Taylor und sein Management verlangten draufhin von Trump, nie wieder Musik der Band zu verwenden.

Was dem amerikanischen Präsidenten nun vielleicht mühsam ist, höchstens ärgerlich, ist für andere Künstler eine Sternstunde der Selbstvermarktung. Immerhin gibt es in den Vereinigten Staaten nicht wenige Trump-Fans, die ja auch alle irgendwie Musik hören wollen – und beim höchsten aller Kunstgenüsse womöglich nicht mit unerwünschten politischen Meinungen konfrontiert werden wollen. Da kommen Trump natürlich Künstler wie Toby Keith, dessen Genre auch als „American Patriotic Music“ bezeichnet wird, gelegen, die schon lange in die „Ich bin ein Redneck und stolz darauf“-Kerbe schlagen. Doch auch neue Künstler rücken nach, die Fans des Präsidenten und dessen politische Visionen musikalisch untermalen.

Eine derartige Künstlerin ist Joy Villa, sofern man das seelenlose Rumgesäusele der nicht sonderlich begabten Vokalistin überhaupt als Kunst bezeichnen möchte. Darum erschloss sich Villa erstmalig auch nicht durch ihre Musik ein größeres Publikum, sondern durch ihr provokantes Outfit. So erschien sie 2017 bei der 59. Grammy-Verleihung zunächst in einem weißen Gewand – dessen sie sich dann mit viel Trara und unter großer Aufregung entledigte, nur um ein jeansblaues Kleid mit dem Trump-Slogan „Make America Great Again“, in riesigen Lettern darauf gestickt, zu enthüllen. Diesem denkwürdigen Auftritt folgte dann ein gewisser Popularitätsaufstieg der Joy Villa, deren Verkaufszahlen verhältnismäßig in die Höhe schossen. „Skyrocket“, schrieb zumindest „Fox News“. Immerhin eroberte Villas Album den siebten Platz der iTunes-Album-Charts und den ersten Platz der Amazon-Digital-Charts. „Ich bin eine hundertprozentige Trump-Unterstützerin“, sagte Villa „Fox News“ 2017. „Ich glaube an seine Botschaft, ich glaube daran, dass er dieses Land so führen wird wie sein eigenes Leben – erfolgreich.“

Ein Jahr später lief es offenbar schon nicht mehr so gut mit Villas musikalischer Karriere, trotz der Veröffentlichung ihres Songs, der einfallsreicherweise auch „Make America Great Again“ hieß. Nicht einmal 300.000 Mal wurde er auf Youtube angeschaut, und aus musikalischer Perspektive ist er einfach nur absurd schlecht, Villa singt sogar in Aufnahmen schief. Also musste ein neuer Skandaldress her. Kein Problem für Villa, die bei den Grammys 2018 (immerhin war sie eingeladen!) in einem Anti-Abtreibungs-Kleid erschien, das sie zwar wieder nicht in den Olymp der ernst genommenen – und vielleicht sogar mal nominierten – Künstler schoss, aber immerhin auf die Titelseiten der Boulevardpresse. Auf ihrer Handtasche war „Choose Life“ zu lesen, auf ihrem Kleid war in Regenbogenfarben ein Fötus abgebildet. Und das ausgerechnet bei der Grammy-Verleihung, die im Zeichen von MeToo und Frauenrechten stand.

Und dann 2019: Joy Villa ist inzwischen womöglich aus dem musikalischen Gedächtnis sämtlicher Trump-Fans verschwunden, zuletzt erschien 2016 ein Song von ihr. Das hielt sie nicht davon ab, bei den Grammys zu erscheinen. Und natürlich wieder mal in einem Outfit, das wenig Interpretationsfläche und viel Raum für Ärger bot: „Build the wall“ stand in roter Schrift auf dem weißen Kleid Villas, auf das eine Mauer gezeichnet war. Darüber trug sie eine silberne Robe, die sie, in Kombination mit einer Art Zacken-Diadem, zu einer vermenschlichten Freiheitsstatue des Grauens machte. Die obligatorische „Make America Great Again“-Tasche hatte Villa ebenfalls dabei, und fertig war das Skandal-Kleid.

Nun kann und darf jeder solche Ansichten vertreten, so plump sie auch manch einem erscheinen mögen. Ihr offensichtlicher Versuch, sich die Marktlücke „Trump-Fan“ für ihre musikalische Karriere zu erschließen, kommt aber mindestens ebenso plump daher. Ganz in alter Fernsehmanier heißt es da „Möglichst viel auffallen, möglichst stark provozieren“ – davon kann Trump, der mit seinem Ausspruch „You’re Fired“ einst selbst im Fernsehen brillierte, sowieso ein Lied singen.

Außerdem ist Joy Villa eine woman of colour, begegnet also den Trump-Vorwürfen von Ausgrenzung und Rassismus mit dem verdrehten Narrativ „Wenn doch aber eine schwarze Frau ihn wählt…“ Dass es Joy Villa ausschließlich um Presse und Aufmerksamkeit, um Selbstvermarktung und Kalkül geht, zeigen wiederum ihre Kleider, die sie trug, bevor sie ihre Begeisterung für Donald Trump entdeckte: Schon 2015 und 2016 nämlich fiel sie bei den Grammys auf, durch Outfits, die ebenso nach kurzweiliger Aufmerksamkeit schrien wie jedes Bekenntnis zum Präsidenten: Sie fielen meist dadurch auf, dass Villa quasi nackt war mit nur einigen Gestellen, Teilen, Fäden vor den entsprechenden Stellen. Eine Vermutung, die sich daraus erschließt, jenseits der Sensationsgeilheit dieser Person: dass Joy Villa nur wegen ihrer Outfits überhaupt jedes Jahr zu den Grammys eingeladen wird.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Duerrholz, Johanna
Johanna Dürrholz
Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET
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