FAZ plus ArtikelSchule in der Natur

Was kann Lernen unter freiem Himmel Kindern bringen?

Von Anke Schipp
26.10.2021
, 08:49
Gruppenarbeit im Park: Schüler beim Unterricht in Schweinfurt
Natur kann die Entwicklung von Kindern fördern, auch in der Schule. Das beweist ein Lehrer in Bayern mit Unterricht fernab des Klassenzimmers.
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Durchschnittlich sechs bis acht Schulstunden am Tag sitzen viele Schüler in einem Raum mit ge­schlossenem Fenster und Neonlicht. Es ist das traditionelle Lernumfeld seit mehr als 200 Jahren, das von niemandem infrage gestellt wird. Lange Zeit auch von Oliver Kunkel nicht – bis er vor fünf Jahren anfing, sich mit Neurowissenschaften zu beschäftigen und das Konzept der Draußenschule entwickelte.

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Bei kleineren Kindern weiß man längst, wie wichtig die Ressource Natur für die Entwicklung ist. Es gibt Waldkindergärten oder den regelmäßigen Waldtag in einer normalen Kita, doch schon in der Grundschule gerät das Thema in den Hintergrund. Vielleicht gibt es zweimal im Jahr einen Wandertag und, wenn es gut läuft, eine zusätzliche Bewegungsstunde in der Woche. Dabei ist offensichtlich, dass nicht nur Stadtkinder tendenziell immer weniger Zeit in der freien Natur verbringen, weil sie verplant sind, am Smartphone daddeln oder vor der Glotze hängen, kombiniert mit chronischem Bewegungsmangel. Sämtliche neurowissenschaftlichen Studien aber weisen darauf hin, dass Bewegung in der freien Natur das Gehirn positiv beeinflusst, das Lernen begünstigt und den Geist beflügelt.

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Erlebnis Natur

Barfuß laufen: Viele Kinder sind es nicht mehr gewohnt, barfuß durch matschiges oder unebenes Gelände zu gehen. Dabei ist es ein besonderes Erlebnis, das die Sinne aktiviert. Das kann man auch mit verbundenen Augen tun. Ein Tipp für den Herbst: Durch einen eiskalten Bach waten, das erfrischt und macht munter.

Spazieren gehen: Klingt natürlich etwas langweilig, aber bei Kindern mit ADHS hat sich gezeigt, dass sie nach regelmäßigen, kurzen Spaziergängen im Wald ausgeglichener und fokussierter werden. Man kann sie dazu animieren, Dinge zu sammeln oder Spiele zu spielen, aber um die eigene Selbstwirksamkeit zu entdecken ist es noch besser, wenn die Kinder eigene Beschäftigungen im Wald finden.

Akustische Landschaft: Die Kinder setzen sich irgendwo mitten in den Wald, vor sich eine Schreibunterlage und ein leeres Blatt. Die Aufgabe besteht nun darin, die Geräusche und Stimmen der Umgebung räumlich auf dem Blatt anzuordnen. Für die wahrgenommenen Geräusche und Stimmen werden Symbole oder Anfangsbuchstaben auf das Blatt gemalt und anschließend besprochen. Für eine bessere Wahrnehmung hilft es, die Augen zu schließen. Weitere Spiele für draußen gibt es beim Naturschutzbund Deutschland unter www.nabu.de.

Draußen schlafen: Das kann aufregend sein, deshalb sollten Kinder erst mal im eigenen Garten oder auf dem Balkon eine Nacht verbringen. Unter www.1nitetent.com findet man zudem Leute, die für eine Nacht ihren Garten, eine Wiese oder ein Stück Wald zur Übernachtung zum Zelten anbieten.

Die Nacht zum Tag machen: Nachts in den Wald zu gehen ist ein besonderes Erlebnis. Am besten eignet sich die Zeit um den Vollmond herum. Ist der Himmel wolkenlos, kann man fast ohne Lampe laufen. Aber auch ohne das natürliche Licht des Mondes können Kinder versuchen, zeitweise ohne künstliches Licht zu laufen. Das menschliche Auge erreicht seine volle Sehleistung im Dunkeln nach etwa einer Stunde. Um die Geräusche im Wald wahrzunehmen oder ein Käuzchen zu hören, das in der kalten Jahreszeit sein Revier abgrenzt, sollte man Steh- und Sitzpausen machen. Unbedingt warm anziehen, denn kalte Füße machen ungeduldig!

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Schipp, Anke
Anke Schipp
Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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