Senta Berger im Fragebogen

„Mein Ehering ist wohl der schönste Schmuck“

Von Peter-Philipp Schmitt
08.05.2021
, 09:45
Senta Berger in einer Suite des Bayerischen Hofs in München.
Am 13. Mai wird die Schauspielerin Senta Berger 80 Jahre alt. Im Fragebogen spricht sie über ihr größtes Talent, Krautfleckerln und Wiener Schnitzel und ob der Saturn Schuld an einer Pechsträhne sein kann.

Ihre erste kleine Rolle hatte Senta Berger 1950 im Film „Das doppelte Lottchen“. Danach ging es für die gebürtige Wienerin steil bergauf: vom Max-Reinhardt-Seminar über das Theater in der Josefstadt zu Regisseuren wie Bernhard Wicki und weiter nach Hollywood. Dort drehte sie mit Kirk Douglas, Frank Sinatra und John Wayne, kehrte 1969 trotzdem nach Europa zurück und wurde hier zur vielbeschäftigten Charakterdarstellerin. Eine ihrer besten Rollen war die Polizeirätin Dr. Eva Maria Prohacek in der langjährigen ZDF-Reihe „Unter Verdacht“. Am 13. Mai wird Senta Berger 80 Jahre alt. Aus diesem Anlass zeigt das ZDF schon am Montag um 20.15 Uhr den Film „An seiner Seite“ mit ihr und Peter Simonischek in den Hauptrollen.

Was essen Sie zum Frühstück?

Ich trinke eine Schale schwarzen Kaffee, esse gerne ein weiches Ei, ein Knäckebrot oder eine hellblonde Semmel.

Wo kaufen Sie Ihre Kleidung ein?

Ganz unterschiedlich und ganz zufällig – wo ich gerade bin und was ich gerade sehe. Für feine Gelegenheiten lasse ich mir gerne von Nana Müllerschön in München Einzelstücke schneidern.

Was ist das älteste Kleidungsstück in Ihrem Schrank?

Bevor die Kärntner Straße in Wien zur Fußgängerzone wurde, war sie eine vornehme Einkaufsstraße mit Geschäften, an deren Auslagen ich mir nur die Nase platt drücken konnte. Nachdem ich dann zwei amerikanische Filme gemacht hatte, 1962/63, hatte ich plötzlich Geld und ging verlegen in eines der exquisiten Modegeschäfte. Der Modezar damals war Adlmüller, er machte mir ein grünes Spitzenkleid mit tailliertem Mantel darüber. Es hängt auf dem Dachboden und passt noch. Also fast.

Wann haben Sie zuletzt handschriftlich einen Brief verfasst?

Gestern. Zum 90. Geburtstag eines Freundes.

Welches Buch hat Sie in Ihrem Leben am meisten beeindruckt?

Natürlich in jeder Lebensphase ein anderes: mit sieben Jahren „Das doppelte Lottchen“ von Erich Kästner, mit 27 die Erzählung „Fräulein Else“ von Arthur Schnitzler... Ich mag diese „am meisten“-Fragen nicht.

Wie informieren Sie sich über das Weltgeschehen?

Ich fürchte, ich bin überinformiert. Das kann auch ermüdend sein. Durch die schrecklichen Jahre mit Trump habe ich viel CNN gesehen, BBC und online „New York Times“. Online lese ich die F.A.Z., abonniert haben wir die „SZ“, und ich sehe „Tagesschau“ und „Tagesthemen“.

Was ist Ihr bestes Smalltalk-Thema?

Das ergibt sich aus meinen Fragen. Ich frage gerne, und fast immer kann Smalltalk dadurch überwunden werden. Es gibt ja nichts Öderes als den klassischen Smalltalk, der sinnlos und deshalb so anstrengend ist.

Bei welchem Film haben Sie zuletzt geweint?

Bei einem Dokumentarfilm über die Flüchtlingslager in Griechenland. Kinder erzählen, nach was sie sich sehnen. Ganz einfache Wünsche: Wasser, das man trinken kann, ein Bett für sich alleine. Das tut weh.

Sind Sie abergläubisch?

Nein. Doch, halt! Als zuletzt innerhalb einer Woche Waschmaschine, Geschirrspüler und Heizung zusammengebrochen sind, habe ich meine Kusine in Wien angerufen, die sich damit auskennt, und gefragt, ob
vielleicht der Saturn schuld ist. Und meine Glückszahl ist die 13. Heißt das jetzt, dass ich abergläubisch bin?

Worüber können Sie lachen?

Über jüdische Witze. Ich kann sie nicht erzählen, ich kann überhaupt keine Witze erzählen, aber ich finde jüdischen Witz zum Lachen und auch zum Weinen. Witz aus Schmerz geboren, aus dem Schlamassel.

Ihre Lieblingsvornamen?

Therese. Michael. Simon. Luca.

Machen Sie eine Mittagspause?

Fast nie. Es deprimiert mich, mitten am Tag zu schlafen. Ich weiß, es ist gesund, aber so gesund muss ich nicht sein.

In welchem Land würden Sie am liebsten leben?

Ich lebe gerne in Deutschland und in Österreich. Meine Heimat ist Mitteleuropa. Nach Italien habe ich eine immerwährende Sehnsucht. Zehn Jahre habe ich in Rom gelebt, in den sechziger, siebziger Jahren. Dieses Rom gibt es nicht mehr, das vertieft meine Sehnsucht umso mehr.

Was fehlt nie in Ihrem Kühlschrank?

Irgendwas, um schnell eine Pasta zu machen. Ein Stück Käse, ein wenig Salami, eine Flasche Weißwein.

Fühlen Sie sich mit oder ohne Auto freier?

Schon mit Auto. Es ging viele Jahrzehnte auch nicht anders: der Beruf, die Kinder. Nun fahre ich ein E-Auto. Aber es gibt kaum Schnellladestationen. Warum nicht?

Was ist Ihr größtes Talent?

Geschichten erzählen zu können.

Was tun Sie, obwohl es unvernünftig ist?

Soll ich philosophisch antworten? Ich glaube an das Gute im Menschen. Nein, das ist zu hoch gegriffen. Unvernünftig ist sicher meine Ernährung, die sich trotz gutgemeinter Ratschläge meiner Söhne immer noch zwischen Krautfleckerln und Wiener Schnitzel bewegt.

Welche historische Person würden Sie gerne treffen?

Ich habe kürzlich eine wunderbare Biographie über Maria Theresia gelesen, die Königin von Österreich. Kaiserin war sie ja nicht. Das durfte sie als Frau nicht werden. Also wurde ihr Mann Kaiser und sie Kaisersgattin. Sie ist wie
ich an einem 13. Mai geboren. Ich möchte gerne hören, wie sie spricht: Italienisch, Französisch, Wienerisch.

Tragen Sie Schmuck? Und eine Uhr?

Ja, gerne! Mein Ehering ist wohl der schönste Schmuck. An meine Uhr bin ich gewöhnt. Ich trage sie seit den Achtzigern. Wir haben so viel miteinander erlebt.

Haben Sie einen Lieblingsduft?

Verveine.

Was war Ihr schönstes Ferienerlebnis?

Ach, Gott. Wie süß! Das sind wir in der Schule immer gefragt worden. Wir haben gelogen, dass sich die Balken bogen. Das könnte ich jetzt auch tun. Tue es aber nicht. Das sind wieder diese „am meisten“- und „am schönsten“- Fragen, die ich nicht zu beantworten weiß.

Auf welchem Konzert waren Sie zuletzt?

Das war eine Performance von Marina Abramović in der Staatsoper in München im Herbst.

Was fehlt Ihnen zum Glück?
Es gibt eine schöne Auslegung von Frank Wedekind: „Glück ist, seinen Anlagen gemäß gebraucht zu werden.“ Es fehlt mir nichts.

Was trinken Sie zum Abendessen?

Veltliner.

Quelle: F.A.Z. Magazin
Autorenporträt / Schmitt, Peter-Philip
Peter-Philipp Schmitt
Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.
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