Offiziersmütze auf dem Sarg

So läuft die Beerdigung von Prinz Philip ab

Von Jochen Buchsteiner, London
16.04.2021
, 19:54
Viele Aspekte seiner Beerdigung hatte Prinz Philip selbst festgelegt – mit bemerkenswerter Detailliebe. Nur ein bisschen mehr Volk hätte er sich wahrscheinlich gewünscht.

Gemessen an der großen Anteilnahme, mit der die Briten den Tod Prinz Philips begleiten, droht die Trauerfeier an diesem Samstag fast ein bisschen verloren zu wirken. Die Menschen wurden aufgefordert, nicht vor Schloss Windsor zu ziehen, um ihre Trauer zu bekunden; es werde „nichts zu sehen“ geben, hieß es etwas barsch. Die coronabedingt eingeschränkte Zeremonie wird sich vollständig hinter den Mauern des Schlossgeländes abspielen, eine Art Kammerspiel mit Kamera.

Die Königsfamilie, stets besorgt um ihren Ruf, verzichtete auf Corona-Ausnahmeregelungen, die ihr wohl nicht verwehrt worden wären. Die Trauergemeinde will die gesetzlich vorgeschriebenen Auflagen penibel einhalten: Nicht mehr als 30 Personen werden an der Feier teilnehmen, Maskenpflicht und Abstandsgebot sollen sogar für die Königin gelten, die in der kommenden Woche immerhin 95 Jahre alt wird.

Der Herzog von Edinburgh, dessen Leichnam am Samstagmorgen mit einem Geleitzug in die St George’s Chapel am Rande des Schlosses gebracht werden soll, war nie ein Freund des großen Aufhebens gewesen – „no fuss“, lautete sein Motto. Aber ein bisschen mehr Volk und Unmittelbarkeit hätte er sich vermutlich schon gewünscht.

Generalstabsmäßige Präzision

Viele Aspekte der Zeremonie hatte der „Duke“ selbst festgelegt, zum Teil mit generalstabsmäßiger Präzision und bemerkenswerter Detailliebe. So wird sein Leichnam auf einem militärgrünen Spezialfahrzeug der Marke Land Rover Defender dahingleiten. Philip war die Traditionsmarke bis zur Abgabe seines Führerscheins vor zwei Jahren gerne gefahren und hatte vor seinem Tod eigene Ideen für das nun verwendete Sondermodell entwickelt. Selbst den Farbton des Wagens ließ er verändern, so dass er mehr dem Grün ähnelte, das er aus den fünfziger Jahren kannte. Auf seinem Sarg wünschte er sich seine Offiziersmütze und weitere Insignien seiner langen Militärkarriere.

Auf dem Altar der Kapelle werden – auf samtene Kissen genäht – einige der Auszeichnungen ausgestellt, die ihm besonders am Herzen lagen. Darunter ist der Order of Merit, der von König Edward VII. gestiftete Verdienstorden, den zur selben Zeit nur 24 Menschen tragen dürfen, und eine Reihe von Militärabzeichen, die er sich überwiegend in den fünfziger Jahren erworben hatte. Weitere Orden reflektieren Philips Wirken im Commonwealth und seine Herkunft als Prinz von Griechenland (Erlöserorden) und Dänemark (Elefantenorden). Das Prunkstück auf dem Altar ist der Order of the Garter, der älteste britische Ritterorden, der auf das Jahr 1348 zurückgeht.

Bis zu 700 Soldaten werden Teil der Zeremonie sein, darunter die Dudelsackspieler der Royal Navy. Aber der leidenschaftliche Offizier wäre wohl bekümmert gewesen, zu erfahren, dass die eigene Familie entgegen der Traditionen in ziviler Trauerkleidung und nicht in Uniform von ihm Abschied nehmen wird. Die Entscheidung traf die Queen, um die Zerwürfnisse in der Familie nicht allzu sichtbar zu machen. Prinz Harry, Philips Enkel, wurden seine militärischen Ehrentitel aberkannt, nachdem er sich im Februar endgültig aus dem Familienbetrieb zurückgezogen hatte, und so wäre er das einzige enge Familienmitglied im schwarzen Anzug gewesen.

Ein weiteres Problem stellte sich der Monarchin in Gestalt ihres Sohnes Andrew, der angeblich darauf bestanden hatte, in Admiralsuniform aufzutreten. Zu seinem 60. Geburtstag war er vom Vize-Admiral zum Admiral befördert worden, hatte die Beförderung aber einstweilen ruhen lassen, weil auch er sich – in seinem Fall wegen eines noch nicht aufgeklärten Missbrauchsskandals – als „arbeitendes Mitglied“ der Royals zurückgezogen hatte. Es gehört zu den Ironien der kleinen Uniformaffäre, dass Harry und Andrew die einzigen engen Familienmitglieder sind, die (neben dem Toten selbst) die Härten des Soldatenlebens kennengelernt und in Kriegen gedient haben – der eine in Afghanistan, der andere auf den Falkland-Inseln.

Puffer zwischen Harry und William

Friede über die Gräber signalisiert immerhin die Gästeliste. Der von der deutsch-britischen Prinzessin Alice von Battenberg geborene Philip hatte im Zweiten Weltkrieg – kurz nach seiner Einbürgerung – auf Seiten der Briten gekämpft. Als er 1947 die damalige Prinzessin Elisabeth heiratete, durfte er seine Schwestern nicht zur Hochzeit einladen – alle vier Prinzessinnen hatten sich mit deutschen Aristokraten verheiratet. Jetzt vertreten immerhin drei der 30 Gäste die deutsche Verwandtschaft: Philips Großneffen Philipp Prinz zu Hohenlohe-Langenburg, Enkel seiner Schwester Margarita, und Bernhard Erbprinz von Baden, Enkel seiner Schwester Theodora, sowie Prinz Donatus Prinz Landgraf von Hessen, ein Großneffe seiner jüngsten Schwester Sophie.

Das Hauptaugenmerk der Boulevardpresse wird gleichwohl auf der engsten Familie liegen, und hier insbesondere auf den beiden Enkeln des „Dukes“. Wie tief der Graben zwischen Harry und William geworden ist, den beiden Söhnen des Kronprinzen Charles, offenbarten schon die beiden getrennt publizierten Gedenkerklärungen der Brüder. Kurz vor der Trauerfeier wurde bekannt, dass sie am Samstag nicht einmal nebeneinander laufen werden, wenn sie den Großvater auf seinem letzten Weg begleiten. Peter Phillips, der erste Sohn von Prinzessin Anne, ältester Enkel des Herzogs, soll als Puffer zwischen den beiden dienen.

Nach der Trauerfeier soll der Herzog im Familiengrab unter dem Schloss beigesetzt werden. Im engsten Kreis wird sein Sarg auf eine Marmorplatte gelegt und von einem elektrischen Motor in die Tiefe gesenkt. In dem zu Anfang des 19. Jahrhunderts geschaffenen Grab liegen drei Könige begraben, zum Teil mit Familie: George III., George IV., und William IV., die dort in einer Spanne von nur 17 Jahren, zwischen 1820 und 1837, beigesetzt wurden. Für den Herzog von Edinburgh ist das Familiengrab eine Zwischenstation. Seine letzte Ruhestätte wird er in der nahe gelegenen King-George-VI.-Gedächtniskapelle erhalten, in der die Eltern und die Schwester der Königin bestattet wurden. Dort soll er dereinst mit seiner Frau wieder zusammenfinden.

Quelle: F.A.Z.
Jochen Buchsteiner - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Jochen Buchsteiner
Politischer Korrespondent in London.
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