Tipps zur Badesaison

„Eltern müssen mit ins Wasser“

Von Jacqueline Sternheimer
17.06.2019
, 14:54
Tipp von Achim Wiese: Nach dem Sonnen erstmal langsam abkühlen und nicht direkt ins Wasser springen.
Mit dem Sommer hat auch die Badesaison begonnen. Einfach so ins Wasser springen sollte man aber nicht: Achim Wiese vom DLRG erklärt, worauf große und kleine Badegäste achten müssen und welches Gewässer am gefährlichsten ist.

Herr Wiese, die Badesasion hat begonnen. Für die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) gibt es also wieder viel zu tun. Was raten Sie als Erstes, wenn es um die Sicherheit beim Badespaß geht?

Als Erstes rate ich auf die Internetseite der DLRG zu gehen und sich die Baderegeln dort anzusehen. Die lehren wir schon die kleinen Kinder und sie gelten natürlich auch für Erwachsene. Eine ganz wichtige Regel ist, niemals alleine baden oder schwimmen zu gehen. Wenn ich alleine bin und trotzdem ins Wasser möchte, gucke ich, wo bereits Menschen sind und gehe zumindest in die Nähe der anderen, damit ich, falls ich in Not gerate, um Hilfe rufen kann.

Nach Angaben der Lebensretter sind etwa 80 Prozent aller tödlichen Badeunfälle vermeidbar. Wobei passieren die meisten Fehler?

Die meisten Unfälle entstehen durch Übermut, Leichtsinn, Überschätzung der eigenen Kräfte, Unterschätzung der Gefahren und zum Teil auch durch das Verdrängen von gesundheitlichen Vorbelastungen.

Gibt es eine bestimmte Gruppe, die dafür besonders anfällig ist?

Ja, oft sind es die älteren Menschen, weil sie ihre gesundheitlichen Vorbelastungen verdrängen oder gar nicht erst kennen. Eine ganz große Risikogruppe sind auch unsere Kinder. Viele können inzwischen nicht mehr sicher schwimmen, weil sie es nicht gut genug oder überhaupt nicht lernen. Flüchtlinge sind ebenfalls gefährdet: Ein großer Anteil von ihnen kann nicht schwimmen, weshalb es häufiger zu Fällen von Ertrinken kommt. Deshalb bieten wir auch spezielle Kurse für Flüchtlinge an – und auch die Baderegeln gibt es in bis zu 30 Sprachen. Die beste Lebensversicherung im Wasser heißt, sicher schwimmen können.

Achim Wiese, Jahrgang 1960, ist Pressesprecher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Zuvor war er Rettungsschwimmer sowie Ausbilder in der Schwimm- und
Rettungsschwimmausbildung der DLRG und Mitglied im Präsidium des Bundesverbandes.
Achim Wiese, Jahrgang 1960, ist Pressesprecher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Zuvor war er Rettungsschwimmer sowie Ausbilder in der Schwimm- und Rettungsschwimmausbildung der DLRG und Mitglied im Präsidium des Bundesverbandes. Bild: DLRG

Wenn wir bei dem Thema Schwimmunterricht sind: Reicht es, wenn Eltern ihren Kindern das Schwimmen beibringen oder muss da noch zusätzlicher Unterricht her?

Natürlich sind auch Eltern dazu in der Lage, ihren Kindern das Schwimmen beizubringen. Aber wenn Kinder mit ihren Eltern im Wasser sind, wollen sie oft lieber mit ihnen spielen als schwimmen zu lernen. Dadurch können Eltern ihren Kindern das Schwimmen nicht so beibringen, dass die Methodik nachhaltig ist. Beim Schwimmen muss man viele verschiedene Dinge gleichzeitig können: Die Atmung muss mit der Arm- und Beinbewegung abgepasst werden, der Körper soll dabei möglichst flach im Wasser liegen. Das sind alles Dinge, die man lernen muss und man muss auch lernen das zu lehren – das ist gar nicht so einfach. Wir raten deshalb Eltern davon ab, das bei ihren Kindern ganz alleine in die Hände zu nehmen und empfehlen die Hilfe von ausgebildeten Schwimmlehrern.

Worauf muss ich achten, wenn ich mit einem Kind zum Baden an offene Gewässer gehe?

Auf mein Kind. Wenn ich weiß, dass mein Kind nicht schwimmen kann, oder nur das Seepferdchen hat, das ja kein Schwimmzeugnis ist, dann habe ich als Elternteil oder Aufsichtsführender so nah bei diesem Kind zu sein, dass ich im Notfall jederzeit zugreifen kann. In dieser Situation habe ich nichts am Strand zu suchen, sondern muss mit ins Wasser. Wenn mein Kind den Freischwimmer hat, also das Bronze- und Jugendschwimmabzeichen, dann kann ich sicher sein, dass es ein sicherer Schwimmer ist und auch mal am Strand sitzen bleiben. Im Auge sollte ich es trotzdem behalten.

Dem Badespaß kommt schnell mal ein Sommergewitter in die Quere. Worauf ist dann zu achten?

Wenn es Gewitter gibt, dann raus aus dem Wasser – das ist eine unserer Baderegeln auf unserer Webseite. Die Regeln sind übrigens auch sehr schön bildlich dargestellt – mit Enten, aber die gelten trotz kindgerechter Aufarbeitung in gleichem Maße für Erwachsene. Das wird gerne von den über 15-Jährigen vergessen.

Hat das Wetter außerhalb von Gewittern noch Auswirkungen auf meinen Tag am Badestrand?

Wenn die Sonne den ganzen Tag scheint und ich am Strand liege, dann lasse ich mir ja die Sonne „ordentlich auf den Pelz bruzeln“. Ich sollte dann nicht direkt ins Wasser springen, sondern mich erst entsprechend abkühlen. Hierfür kann man sich mit ein bisschen Wasser abspritzen – die Brust, die Arme, einmal langsam eintauchen – und wenn ich das getan habe, kann ich anschließend ganz ins Wasser springen. Auch wenn die anderen einen dann belächeln: Ich meide so mitunter lebensbedrohliche Gefahren.

Was ist am gefährlichsten: Das Baden im Meer, in Flüssen, oder Seen?

Flüsse! Ein Fluss ist in der Regel ein Schifffahrtsweg. Sie gehen ja auch nicht mit Ihren Kindern auf der A2 spielen. Durch die Bewegung der Schiffe kann ich in das Fahrwasser geraten. Eine zweite Gefahr stellt die Strömung dar. Die kann so stark sein, dass selbst geübte Sportler Schwierigkeiten bekommen, wieder herauszukommen. Dann gibt es noch eine weitere Gefahr: Strudel, die häufig bei Brücken beziehungsweise Brückenpfeilern auftreten. Es ist zwar modern, von Brücken ins Wasser zu springen, aber gerade an diesen Pfeilern entstehen Strudel. Die können klein sein, aber eben auch ziemlich groß. Wenn man in ihre Nähe kommt, sind sie wie ein Staubsauger, der einen nach unten zieht. In der Regel gilt in Deutschland sowieso ein Badeverbot in den Flüssen, zumindest da, wo Schiffsverkehr ist. Aber wie die Menschen halt so sind – so ein Schild ist auch geduldig.

Immer schön zusammen bleiben: Das Baden in Seen hält so seine Tücken bereit.
Immer schön zusammen bleiben: Das Baden in Seen hält so seine Tücken bereit. Bild: dpa

Inwieweit darf ich als Nichtschwimmer ins Wasser und worauf sollte ich achten?

Auch als Nichtschwimmer soll man natürlich ins Wasser können. Wir wollen auch als DLRG, dass die Menschen den Erlebnisraum Wasser kennenlernen und Spaß haben. Gerade Kinder lieben das Wasser und man muss ihnen auch die Angst davor nehmen. Erwachsene Nicht-Schwimmer sollten maximal bis zur Brust ins Wasser eintauchen. Bei Baggerseen oder generell bei Seen muss man natürlich aufpassen, weil die Tiefe hier oft täuscht: Auch wenn ich teilweise bis zu zehn Meter weit in den See laufen kann, ist der Untergrund oft seicht. Mit einem Schritt kann es plötzlich viel tiefer gehen. Deshalb sollte man sich vorsichtig vortasten und im Blick behalten, ob andere Menschen in der Nähe sind, die mir helfen könnten.

Angenommen ich selbst bin als Erste Zeugin eines Unglücks im Wasser und es ist nicht unmittelbar eine Rettungskraft in Sicht: Was kann und was sollte ich tun?

Wenn ich mich auch im Wasser befinde, sollte ich als Erstes überlegen, ob ich den in Not geratenen Menschen über Wasser halten kann. Habe ich da Zweifel, lasse ich es, bevor ich mich selbst in Gefahr begebe. Aber ich rufe in diesem Fall andere zur Hilfe – das kriegt jeder hin. Befinde ich mich bereits an Land, kann ich zunächst zum Handy greifen und die 112 wählen, damit die Rettungskette in Gang gesetzt wird. Und dann stelle ich mir die Frage: Kann ich da selbst reinspringen oder reinlaufen? Wenn ich die Frage mit einem klaren „Ja“ beantworten kann, mache ich das. Habe ich jedoch Zweifel, ob ich mir das zutraue, lasse ich es. Dann sollte ich mich umsehen, was zur Rettung ins Wasser geworfen werden kann – zum Beispiel ein Rettungsring, eine Luftmatratze oder eine Schwimmnudel.

Quelle: FAZ.NET
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