Stars für Biden und Harris

Hollywood kehrt zurück ins Weiße Haus

Von Christiane Heil, Los Angeles
19.01.2021
, 06:48
Es ist kein Geheimnis, dass sie von der Unterhaltungsbranche unterstützt werden: Joe Biden und Kamala Harris setzen auf die großen Stars. Nach vier Jahren ohne großen Glamour stehen die Zeichen im Weißen Haus wieder auf Hollywood.

Zehn Bälle wie bei Barack Obamas Inauguration 2009 wird es nicht geben, aber Glanz fehlt trotzdem nicht. Wenn Joe Biden am Mittwoch den Amtseid als 46. Präsident der Vereinigten Staaten ablegt, singt Lady Gaga vor dem Kapitol in Washington die Nationalhymne. Jennifer Lopez steht auf dem Programm. Weitere Prominente wie Bruce Springsteen, John Legend und die Foo Fighters werden ebenfalls erwartet – wegen Corona aber nur per Video. Am Abend tritt Tom Hanks vor die Kameras, um Biden und dessen Stellvertreterin Kamala Harris mit Stars wie Jon Bon Jovi, Demi Lovato und Justin Timberlake in der Sendung „Celebrating America“ zu feiern. Nach vier Jahren ohne viel Star Power im Weißen Haus stehen die Zeichen wieder auf Hollywood.

Ganz unerwartet kommt das Zusammenspiel von Biden und der Unterhaltungsindustrie nicht. Schon die demokratischen Vorgänger des Achtundsiebzigjährigen pflegten ein enges Verhältnis zu Musikern, Schauspielern und Produzenten. Bill Clinton revanchierte sich bei prominenten Spendern mit Stippvisiten im Weißen Haus. Unter anderen ließ er Barbra Streisand, Steven Spielberg und Richard Dreyfuss im berühmten Lincoln Bedroom übernachten. Obama setzte die Tradition fort. Während seiner Präsidentschaft empfing er Stars wie Rihanna und Bradley Cooper sowie Beyoncé und Ehemann Jay-Z, die zu den engsten Freunden des früheren Präsidenten und dessen Frau Michelle gehören. „Wie die Obamas hat auch das Team von Biden-Harris verstanden, dass man die Leute da ansprechen muss, wo man sie erreichen kann. Nicht jeder sieht sich Nachrichten im Fernsehen an. Aber alle sehen Netflix, Youtube oder Sendungen wie ,Ellen‘ und ,Red Table‘. Um seine Botschaft zu verbreiten, muss man da präsent sein, wo die Leute zusehen“, sagte Tina Tchen, Leiterin der Organisation Time’s Up und früher Stabschefin bei Michelle Obama, dem Branchenblatt „Variety“.

Alles andere als Hollywood Newcomer

Biden ist für Hollywood alles andere als ein Newcomer. Als Senator unterstützte er jahrelang die Versuche der amerikanischen Filmindustrie, in China Fuß zu fassen. Als Vizepräsident suchte er bei Themen wie Klimaschutz, Sexismus und der Darstellung von Gewalt in Film und Fernsehen immer wieder die Nähe der Branche. Bei den Oscars 2016 hielt es Charlize Theron, Matt Damon und Kate Winslet nicht mehr auf den Sitzen, als Biden bei der Anmoderation von Lady Gagas Titel „Til It Happens To You“, der Musik aus der Dokumentation „The Hunting Ground“, ankündigte, sexuellen Missbrauch an Universitäten entschlossener zu verfolgen.

Auch Harris, die als erste Frau und Nichtweiße den Amtseid als Vizepräsidentin ablegen wird, ist in Hollywood keine Unbekannte. Ihren Ehemann, den Medienjuristen Douglas Emhoff, lernte die frühere kalifornische Justizministerin vor sieben Jahren bei einem Blind Date kennen, das Chrisette Hudlin, Ehefrau des Filmproduzenten Reginald Hudlin, arrangiert hatte. Im Herbst halfen Reese Witherspoon, Mindy Kaling und Produzentin Shonda Rhimes, eine Spendengala für Harris und die Demokraten zu organisieren. Obwohl die Tickets bis zu 100.000 Dollar kosteten, blieb kein Tisch leer.

Beim Nominierungsparteitag der Demokraten im August hatten sich Biden und Harris virtuell zwar von Prominenten wie Connie Britton, Kerry Washington und Eva Longoria unterstützen lassen. Im Vergleich zu Obama, der bei der Democratic National Convention zwölf Jahre zuvor ausgelassen von Stevie Wonder, Sheryl Crow und Fergie gefeiert wurde, blieben die Stars aber im Hintergrund.

Auch in den kommenden Monaten setzen Biden und seine Stellvertreterin Harris voraussichtlich eher auf kleine Dosen Hollywood. „Es ist kein Geheimnis, dass sie von der Unterhaltungsbranche unterstützt werden. Die Zuneigung beruht auf Gegenseitigkeit“, sagt Alan Horn, Leiter der Kreativabteilung bei Disney. „In jedem Fall wird die Beziehung zwischen Weißem Haus und Hollywood besser als in den vergangenen vier Jahren sein.“

Quelle: F.A.Z.
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