Nobelpreise verliehen

Proteste gegen Auszeichnung von Peter Handke

Aktualisiert am 10.12.2019
 - 22:37
Peter Handke und Olga Tukarczuk bei der Vergabe des Literaturnobelpreises in Stockholm.zur Bildergalerie
In Oslo nimmt Abiy Ahmed den Friedensnobelpreis entgegen. Und in Stockholm wird Peter Handke mit dem Literaturnobelpreis geehrt. Doch die Debatte um seine Auszeichnung reißt nicht ab – und sie wird sogar vom türkischen Präsidenten befeuert.

Der Literaturnobelpreis ist am frühen Dienstagabend in Stockholm an den umstrittenen Schriftsteller Peter Handke vergeben worden. Gegen die Nobelpreisvergabe an Handke, dessen Haltung zum Jugoslawien-Konflikt eine heftige Debatte ausgelöst hatte, protestieren am Abend parallel zum Nobelbankett in der Nähe der Veranstaltung nach Angaben der Polizei etwa 400 Menschen. Die Akademie hatte ihre Entscheidung für Handke dagegen vehement verteidigt. Man müsse zwischen der Person und ihrem literarischen Werk unterscheiden, hatte sie erklärt.

Handke hatte sich im Jugoslawien-Konflikt stark mit Serbien solidarisiert und nach Ansicht von Kritikern die von Serben begangenen Kriegsverbrechen bagatellisiert oder geleugnet. 2006 hielt er bei der Beerdigung des sechs Jahre zuvor gestürzten serbischen Führers Slobodan Milosevic eine Rede. Die Preisvergabe an ihn wurde deshalb vielfach kritisiert. Mehrere Länder, darunter das EU-Land Kroatien, Albanien und die Türkei, verzichteten aus Protest gegen Handke auf die Teilnahme ihrer Botschafter an der Preisverleihung. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte im türkischen Fernsehen, der Preis habe „keinen Wert“ und seine Verleihung an Handke bedeute, „Verletzungen von Menschenrechten zu belohnen“.

Neben Handke wurde auch die polnische Schriftstellerin Olga Tokarczuk mit dem Nobelpreis für Literatur geehrt. Der Preis wurde in diesem Jahr doppelt vergeben, weil die Auszeichnung nach einem Belästigungs- und Korruptionsskandal in der Jury 2018 entfiel.

Friedensnobelpreis in Oslo an Abiy Ahmed verliehen

Bereits am frühen Dienstagnachmittag wurde der Friedensnobelpreis in Oslo an den äthiopische Ministerpräsidenten Abiy Ahmed vergeben. Der 43 Jahre alte Regierungschef Äthiopiens bedankte sich beim norwegischen Nobelkomitee für die Auszeichnung und wies darauf hin, wie schwierig es sei, langfristigen Frieden zu sichern. „Ich glaube, dass Frieden eine Herzensangelegenheit ist. Frieden ist eine Arbeit der Liebe. Frieden zu erhalten, das ist harte Arbeit“, sagte er.

Er nehme den Preis nicht nur im Namen seiner Landsleute entgegen, sondern auch für die Menschen im benachbarten Eritrea. Er dankte dem eritreischen Präsidenten Isaias Afwerki, dessen guter Wille, Vertrauen und Einsatz wesentlich für die Beendigung des 20 Jahre währenden Konflikts zwischen den beiden Ländern gewesen seien. „Wir haben verstanden, dass unsere Nationen keine Feinde sind. Stattdessen waren wir Opfer des gemeinsamen Feindes namens Armut“, sagte Abiy.

Äthiopien und Eritrea hatten 2018 unter Abiys Ägide Frieden geschlossen - nach rund 20 Jahren Feindschaft. „Sie haben die Initiative ergriffen und waren der Hauptarchitekt hinter den Friedensverhandlungen, die erfolgreich mit Eritrea geführt wurden“, sagte die Vorsitzende des Nobelkomitees, Berit Reiss-Andersen. Über den Friedensprozess hinaus habe sich Abiy zudem intensiv um demokratische Fortschritte in Äthiopien bemüht und Beiträge zu Friedens- und Versöhnungsprozessen in Ostafrika geleistet, etwa im Sudan oder zwischen Dschibuti und Eritrea.

Nobelpreis für Medizin für Kampf gegen den Krebs

Bei den wissenschaftlichen Nobelpreisen für Physik, Chemie und Medizin gibt es je drei Preisträger pro Kategorie. In Stockholm wurden die Amerikaner Gregg Semenza, William Kaelin und der Brite Peter Ratcliffe in der Kategorie Medizin ausgezeichnet. Die Zellforscher erhielten den Preis für ihre Entdeckungen zu der Frage, wie Zellen unterschiedliche Sauerstoffmengen messen und sich daran anpassen können. Die Entdeckungen der Forscher helfen unter anderem im Kampf gegen Krebs, weil unter anderem das Wachstum von Tumoren von der Sauerstoffversorgung des Bluts abhängt. Die Jury begründete: Mit ihrer Forschung machten die drei Wissenschaftler den Weg frei für „vielversprechende neue Strategien zur Bekämpfung von Anämie, Krebs und vielen anderen Krankheiten“.

Nobelpreis für Physik geht an Kosmologen

Der Nobelpreis für Physik ging an Michel Mayor, Didier Queloz und James Peebles. Die drei Erforscher des Universums wurden für bahnbrechende Beiträge zum Verständnis des Kosmos geehrt. Der kanadisch-amerikanische Peebles bekommt die Hälfte des Preises für Entdeckungen in der physikalischen Kosmologie. Der als Albert-Einstein-Professor an der amerikanischen Universität Princeton tätige 84-jährige Peebles schuf der Jury zufolge mit seinen Forschungen zum Kosmos den „theoretischen Rahmen“, der die Grundlage für das moderne Verständnis der Geschichte des Universums vom Urknall bis zu Gegenwart bildete. Die schweizer Exoplaneten-Entdecker Mayor und Queloz entdeckten 1995 den ersten Planeten außerhalb unseres Sonnensystems, der einen sonnenähnlichen Stern umkreist.

Nobelpreis für Chemie geht an Batterie-Entwickler

Für die Entwicklung der Lithium-Ionen-Batterie haben die Wissenschaftler John Goodenough aus Amerika, Stanley Whittingham aus Großbritannien und Akira Yoshino aus Japan den diesjährigen Chemie-Nobelpreis erhalten. Der in Jena geborene Physiker Goodenough ist mit 97 Jahren der bisher älteste Nobel-Laureat. Die Batterien hätten „unser Leben revolutioniert, seit sie 1991 erstmals auf den Markt kamen“, erklärte die Königliche Akademie der Wissenschaften im Oktober zur Begründung. Sie seien damit „von größtem Nutzen für die Menschheit“.

Die „leichten, wiederaufladbaren Akkus“ würden heute in allen Bereichen des Alltags eingesetzt, von Smartphones über Laptops bis zu Elektroautos. Sie könnten zudem „erhebliche Mengen an Energie aus Sonnen- und Windkraft speichern“ und machten damit in Zeiten des Klimawandels den Weg frei für eine „Gesellschaft ohne fossile Brennstoffe“.

Den Grundstein für die Lithium-Ionen-Akkus legte der heute 77-jährige Chemiker und Materialforscher Whittingham während der Ölkrise in den 70er Jahren. Auf der Suche nach einer alternativen Energiequelle entdeckte er einen Weg, die potenzielle Energie des Alkalimetalls Lithium zu nutzen. Doch seine Batterie erwies sich als zu instabil. Goodenough und Yoshino bauten mit ihrer Forschung und Entwicklung auf Whittinghams Prototyp auf.

Nobelpreis für Wirtschaft zeichnet Kampf gegen Armut aus

Der Wirtschaftsnobelpreis, der nicht zu den traditionellen, auf den Dynamit-Erfinder Alfred Nobel zurückgehenden Preisen zählt, geht an Esther Duflo, ihren Ehemann Abhijit Banerjee sowie Michael Kremer. Ausgezeichnet wurden sie für ihren „experimentellen Ansatz“ zur weltweiten Armutsbekämpfung. Alle drei Forscher lehren an amerikanischen Universitäten. Zu den Ergebnissen ihrer Forschung zählen Verbesserungen für mehr als fünf Millionen indische Schulkinder sowie Fortschritte in der Gesundheitsversorgung in vielen Ländern, hieß es von der Jury. Ihre Arbeit sei umso bedeutsamer angesichts der Tatsache, dass „mehr als 700 Millionen Menschen immer noch auf extrem geringe Einkommen angewiesen sind“ und dass rund fünf Millionen Kinder unter fünf Jahren jedes Jahr an vermeidbaren oder heilbaren Krankheiten sterben.

Quelle: fris./dpa/afp
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