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Wer darf dazugehören?

Wieder Streit über Musikfest in Sanremo

Von Matthias Rüb, Rom
Aktualisiert am 09.01.2020
 - 09:23
Antonello Venditti wird auf jeden Fall beim 69. Musikwettbewerb von Sanremo auftreten. Wie hoch er in der Gunst der Italiener steht, entscheidet sich im Februar.
Der Schlagerwettbewerb im italienischen Sanremo hat Tradition. Umso mehr wurde zuletzt darüber gestritten, wer etwas zum italienischen Liedgut beisteuern darf und wer nicht. Nun kommen auch noch Zensurvorwürfe dazu.

Das Schlagerfest von Sanremo gibt es seit 1951. Dieses Jahr findet das „Festival della Canzone Italiana“, der älteste Popmusikwettbewerb Europas, vom 4. bis 8.Februar statt. Seit nun schon sieben Jahrzehnten versammelt sich die Nation an fünf Abenden im Februar vor den Bildschirmen und lauscht dem neuesten italienischen Liedgut.

Doch die nationale Lagerfeuerstimmung mit Fernseh-Gesang wird immer öfter durch schrille Misstöne gestört. Vergangenes Jahr gewann den Wettbewerb in der ligurischen Hafenstadt zum Beispiel der Sänger Mahmood mit seinem Hit „Soldi“ (Moneten), in dem auch ein paar arabische Worte gerappt werden. Der in Mailand geborene Sohn eines ägyptischen Vaters und einer sardischen Mutter verdankte seinen Triumph den Stimmen der Musikjournalisten und der Ehrenjury im Ariston-Theater von Sanremo. Beim Zuschauervotum, das zu 50 Prozent gewichtet wird, war Mahmood nur auf den dritten Platz gekommen. Ganz vorn in der „Volksgunst“ der Fernsehzuschauer hatte der Sänger Ultimo gelegen, der aus Rom stammt und „ganz“ Italiener ist. Ultimo sei vom „radikal-schicken Salon“ in Sanremo um den verdienten Sieg gebracht worden, ereiferte sich der damalige Innenminister Matteo Salvini von der rechtsnationalistischen Partei Lega seinerzeit.

Dieses Jahr gibt es schon wieder Streit, und zwar um die vom künstlerischen Leiter Amadeo Sebastiani als Ko-Moderatorin vorgeschlagene Rula Jebreal. Die 46 Jahre alte Journalistin und Publizistin ist arabischer Herkunft und wuchs als Halbwaise in Haifa und Jerusalem auf. Mit 19 Jahren kam sie nach Bologna, wo sie dank eines Stipendiums der Regierung in Rom eine Ausbildung als Physiotherapeutin absolvieren konnte. Jebreal hat neben dem israelischen Pass auch einen italienischen, sie bezeichnet sich selbst als „säkulare Muslimin“.

Jebreal reüssierte als Buchautorin und Fernsehmoderatorin nicht nur in Italien, sondern auch in den Vereinigten Staaten, wo sie einige Jahre lebte. Dort war sie zuletzt mit dem Vorwurf angeeckt, amerikanische Nachrichtensender würden in ihrer Berichterstattung zum Nahost-Konflikt stets Israel in den Vordergrund stellen und den Standpunkt der Palästinenser vernachlässigen.

Anfang dieser Woche hieß es, die Direktion des öffentlich-rechtlichen Senders Rai, der den Wettbewerb live im Fernsehen überträgt, habe sich gegen Rula Jebreal als Ko-Moderatorin am ersten Festivalabend ausgesprochen. Jebreal schalt die Entscheidung „Zensur“: Offenbar habe man bei dem Sender „Angst vor jenem inklusiven und toleranten Italien, das ich repräsentiere“. Letzter Stand beim jüngsten Sanremo-Streit: Jebreal soll nun doch moderieren dürfen, sich aber auf das Thema „Kampf gegen die Gewalt gegen Frauen“ beschränken.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Rüb, Matthias (rüb)
Matthias Rüb
Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.
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