Sturm auf das Kapitol

Gitarristen und Olympiasieger im Kongress

Von Christiane Heil, Los Angeles
Aktualisiert am 13.01.2021
 - 16:57
Mann in Blau: Jon Schaffer.
Neben dem „Bison Man“ stürmten auch mehr oder weniger prominente Bürger das Kapitol: Neben dem Indie-Sänger Ariel Pink und dem Gitarristen Jon Schaffer soll auch ein amerikanischer Olympiasieger dabei gewesen sein.

„Bison Man“ Jake Angeli wurde das bekannteste Gesicht der Ausschreitungen im Kapitol – das garantierte schon sein Outfit. Als der 32 Jahre alte Gelegenheitsschauspieler aus Arizona in der vergangenen Woche mit Hunderten Trump-Anhängern den Sitz des Kongresses in Washington stürmte, trug er eine gehörnte Fellmütze, eine amerikanische Flagge und jede Menge Tattoos auf dem nackten Oberkörper. Das Kostüm, das Angeli in der Vergangenheit schon bei Demonstrationen mit anderen Verschwörungstheoretikern von Gruppen wie Qanon anlegte, half den amerikanischen Justizbehörden auch, den „Bison Man“ zu identifizieren und zu verhaften. In einem Gefängnis in Phoenix wartet er nun auf den Prozess.

Derweil geht die Suche nach Angelis Mittätern weiter – und hat in den vergangenen Tagen auch mehr oder weniger prominente Namen mit den Ausschreitungen in Verbindung gebracht. Ein Selfie in sozialen Medien zeigt Jason Allen Alexander, früher Ehemann von Popsängerin Britney Spears, heute selbsternannter „Erforscher von Verschwörungstheorien“. Ob Alexander am 6. Januar nur an Kundgebungen in Washington teilnahm oder später auch das Kapitol stürmte, blieb vorerst offen.

Auf Fotos der Ausschreitungen glaubten Fans zudem den kalifornischen Musiker Ariel Pink („Tears On Fire“) zu erkennen. Das Label Mexican Summer beendete daraufhin die Zusammenarbeit mit dem Indie-Sänger. Auch Pinks Musikerkollege, der promovierte Politikwissenschaftler John Maus, der mit ihm nach Washington gekommen war, soll an „Protesten“ teilgenommen haben. Bilder der Nachrichtenagentur AFP zeigten zudem, wie Jon Schaffer, Gründer und Gitarrist der Heavy Metal-Gruppe Iced Earth, sich an Polizeibeamten vorbei den Weg in das Kapitol bahnte. „Wir möchten klarstellen, dass wir die Ausschreitungen und Gewaltakte nicht gutheißen“, teilten die übrigen Mitglieder der Band anschließend mit.

Bei den Ausschreitungen waren fünf Menschen, unter ihnen ein Polizist und eine unbewaffnete Trump-Anhängerin, tödlich verletzt worden. Auch dem amerikanischen Schwimmer Klete Keller droht unter Umständen ein Strafverfahren. Wie die Website Swim Swam meldete, sollen mehrere Bekannte den Olympiasieger auf Fotos erkannt haben – in den Räumen des Kapitols, bekleidet mit einer Jacke der amerikanischen Olympiamannschaft.

Quelle: F.A.Z.
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