FAZ plus ArtikelTipps für Eltern

Wie man mit Wutanfällen bei Kindern umgeht

Von Anke Schipp
15.01.2021
, 13:23
Wenn Kinder plötzlich ausflippen, fühlen Eltern sich oft hilflos und schuldig. Dabei ist das ganz normal. Eine Psychologin gibt Tipps, wie Eltern mit den Wutanfällen ihres Nachwuchses umgehen können.

Von den vielen unterschiedlichen Gefühlen, die man als Mensch hat, von Freude über die Angst bis hin zur Traurigkeit, hat die Wut das schlechteste Image. Niemand ist stolz, wenn aus einem ganz normalen Streit ein Vulkanausbruch wird, bei dem man mit wutverzerrtem Gesicht sein Gegenüber anbrüllt. Noch schlimmer als die eigene Wut finden wir, wenn unsere Kinder ausrasten, aggressiv werden oder trotzig reagieren. Geschockt blicken wir in ihre Gesichter und fragen uns: Was hat denn unser kleiner Goldengel?

Ein Grund, warum wir die Wut bei einem Kind so schwer ertragen, ist unser Schuldgefühl. Schließlich wünschen wir uns als Früchte unserer Erziehung, dass das Kind immer nett und freundlich ist, friedlich vor sich hin spielt und brav seine Hausaufgaben macht. Wir können es nicht glauben, dass es ausflippt, wenn es den Schokoriegel nicht bekommt, etwas für die Schule machen muss, die Medienzeit beendet ist – im Lockdown gibt es viele Situationen, in denen Kinder an ihre Grenzen geraten. Und wenn unser Kind manchmal scheinbar grundlos ausflippt, tun wir es zumindest innerlich deshalb auch.

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Das hilft Kindern bei Wut
  • Seiten aus einem Telefonbuch oder einer Zeitung reißen, zerknüllen und in die Ecke pfeffern.
  • Mit einem Bein Treppen hochhüpfen und dabei erfundene Schimpfwörter vor sich hin fluchen.
  • Eine Wuthaube basteln: Bemale dazu einen großen Pappkarton auf allen vier Seiten mit deinen unterschiedlichen Gefühlsgesichtern, so kannst du sie auch in anderen Situationen verwenden. Wuthaube über den Kopf stülpen, tief und ruhig atmen: Zähle langsam 21 bis 23 beim Einatmen und 24 bis 26 beim Ausatmen – die Wut verschwindet schneller, als du denkst.
  • Gewöhne dir an, „Ich würde gerne“ statt „Ich will“ zu sagen. Wenn dann mal was nicht klappt oder du etwas nicht darfst, bist du lange nicht so enttäuscht. Funktioniert tatsächlich!
  • Stell dich vor einen Spiegel und singe hinein, was dich ärgert – siehst du, schon allein bei der Vorstellung musst du grinsen.
  • Wenn dich etwas oder jemand anfängt, richtig zu nerven, geh einfach mal kurz weg, das bringt den Ärger zum Schrumpfen; vielleicht aufs Klo, auch wenn du gar nicht musst.
  • Wenn sich in deinem Kopf die Gedanken immer weiter um dein Wutgefühl drehen, dann stell dir vor, dass es sich um die Tentakel des Brüllgeheuers handelt: Sie wollen dich einfangen und nicht wieder loslassen. Sag laut „Stopp!“ oder „Verzieh dich, du mistiges Ungeheuer!“ Das tut es dann auch.

Die Tipps sind dem Buch „Was fühlst du? Was fühle ich? Kinder-Gefühle gemeinsam erkunden und verstehen“ von Andrea Schütze (mvg-Verlag, München, 16,99 Euro) entnommen.

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Schipp, Anke
Anke Schipp
Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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