Todesursache des dänischen Astronomen

Carl Zeiss war schneller bei Tycho Brahe

Von Karl-Peter Schwarz, Wien
21.11.2012
, 13:30
Sollte Licht ins Dunkel bringen: Schon 2010 wurde Tycho Brahes Grab zu Untersuchungszwecken geöffnet.
Der deutsche Wissenschaftler Heiner Jaksch hat schon vor einem Monat nachgewiesen, dass Tycho Brahe nicht an einer Quecksilbervergiftung gestorben ist – dazu musste er nicht einmal das Skelett untersuchen.
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Einem deutschen Wissenschaftler gelang anhand eines Barthaares des 1601 verstorbenen Astronomen Tycho Brahe, wozu ein dänisches Forscherteam das ganze Skelett brauchte – und das auch noch ein paar Wochen früher. Schon im Oktober, also einen guten Monat bevor die Dänen das Ergebnis ihrer Untersuchungen über den Tod ihres großen Landsmannes bekanntgaben, teilte die Carl Zeiss AG mit, dass einer ihrer Forscher in Zusammenarbeit mit Pathologen der Universität Rostock um Professor Rudolf Wegener eine Vergiftung Brahes durch Quecksilber ausschließen konnten.

Das von Heiner Jaksch geleitete Team hatte das Barthaar untersucht, das 1901 bei der Öffnung des Brahe-Grabes in der Prager Teyn-Kirche entnommen worden war. Dazu wurde ein Rasterelektronenmikroskop von Carl Zeiss verwendet, das wesentlich präzisere Daten lieferte als die 1991 schon einmal durchgeführte Analyse. Die Rostocker Untersuchung bestätigte zwar, dass sich in dem Haar neben Blei und Antimon auch Quecksilberspuren befinden, konnten aber nachweisen, dass der Astronom das Quecksilber nicht eingenommen hatte, sondern dass es, wie es in der Aussendung der Carl Zeiss AG heißt, „von außen auf ihn eingewirkt hat“, vielleicht weil er für seine alchemistischen Experimente Quecksilber benutzt oder weil er eine quecksilberhaltige Salbe aufgetragen hatte. Unter anderem sei damals Syphilis mit Quecksilberpräparaten behandelt worden.

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Quelle: F.A.Z.
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