Parlamentswahlen in Italien

Filmdiva Gina Lollobrigida kandidiert für Senat

Von Matthias Rüb, Rom
15.08.2022
, 13:58
Will in die Politik: Filmdiva Gina Lollobrigida, hier 2013 in ihrem Haus in Rom
Die linke italienische Partei „Italia sovrana e popolare“ hat eine prominente Kandidatin für die Parlamentswahlen aufgestellt. Die 95 Jahre alte Filmdiva Gina Lollobrigida wird für das Bündnis antreten.
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Die 95 Jahre alte Filmdiva Gina Lollobrigida will sich bei den vorgezogenen Parlamentswahlen am 25. September um einen Sitz im Senat bewerben. Die Partei „Italia sovrana e popolare“ (Souveränes und völkisches Italien), zu der Kommunisten, Sozialisten und andere linkspopulistische Europaskeptiker gehören, stellte die Ikone des italienischen Kinos im Einzelwahlkreis Latina südlich von Rom auf.

Ob die neue Partei die Drei-Prozent-Hürde zum Einzug ins Parlament überwinden kann, ist jedoch fraglich. Senator Emanuele Dessì von der Kommunistischen Partei bestätigte die Kandidatur Lollobrigidas und zeigte sich stolz, „eine Frau bei uns zu haben, die in den letzten 60 Jahren die Geschichte des italienischen Kinos geschrieben hat“.

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Die Diva will auch Wahlkampf machen

Auf die Frage der Mailänder Zeitung „Corriere della Sera“, ob sie denn „verrückt geworden“ sei, antwortete Lollobrigida nach Angaben des Blattes zunächst mit einem Lachen, ehe sie erwiderte: „Aber nein. Ich habe es nur satt, Politiker streiten zu hören, ohne dass sie Resultate erreichen.“ Im Falle ihrer Wahl für eine Amtsperiode von fünf Jahren werde sie „dafür kämpfen, dass das Volk entscheiden kann – von der Gesundheitspolitik bis zur Justiz“. Das Land befinde sich „in einem schlechten Zustand“, und sie wolle „etwas Gutes und Positives“ beitragen, so lange sie noch die Kraft dazu habe, sagte Lollobrigida in dem am Montag veröffentlichten Interview.

Zur Kandidatur habe sie sich nach Gesprächen mit ihrem Rechtsanwalt Antonio Ingroia, einem ehemaligen Anti-Mafia-Staatsanwalt mit eigener politischer Erfahrung entschlossen. Sollte es die Partei für notwendig erachten, werde sie sich in den kommenden Wochen auch an der Wahlkampagne beteiligen. Die Diva hatte sich schon 1999 um ein Mandat im EU-Parlament für das Mitte-links-Bündnis des damaligen Ministerpräsidenten und späteren EU-Kommissionschefs Romano Prodi beworben, verpasste aber mit einem Anteil von 10.000 Stimmen den Sprung ins Straßburger Parlament.

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Neben Sophia Loren, Claudia Cardinale und der im Februar verstorbenen Monica Vitti erlangte „La Lollo nazionale“ in den Nachkriegsjahrzehnten weltweiten Ruhm. Sie stand mit den größten Filmstars aus Europa und aus Hollywood vor der Kamera, nach ihrer Filmkarriere versuchte sie sich als Fotografin und Bildhauerin. In den vergangenen Jahren geriet Lollobrigida vor allem wegen Familienstreitigkeiten und dubiosen Verbindungen mit deutlich jüngeren Männern in die Schlagzeilen.

Seit Oktober darf sie nach einem Gerichtsurteil nicht mehr über ihr Vermögen verfügen, nachdem Lollobrigidas Sohn Andrea Milko Skofic den 34 Jahre alten Assistenten seiner Mutter, Andrea Piazzolla, verklagt hatte. Die Gerichte sahen es als erwiesen an, dass Piazzolla die nur noch bedingt zurechnungsfähige Filmdiva emotional und zumal finanziell ausgenutzt habe. Über einen Vermittler soll Piazzolla rund 350 Gegenstände aus Lollobrigidas Besitz bei Auktionshäusern zur Versteigerung angeboten. Auch habe er drei ihrer Wohnungen in Rom sowie jüngst einen Jaguar verkauft. Nach Angaben der Familie ist Lollobrigida dabei ein Schaden in Höhe von rund sieben Millionen Euro entstanden. Nach Schätzungen soll sich das Vermögen der nun für eine kommunistisch dominierte Partei antretenden Lollobrigida noch immer auf mehr als 200 Millionen Euro belaufen.

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Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Rüb, Matthias (rüb)
Matthias Rüb
Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.
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