FAZ plus ArtikelRassismus in Deutschland

Was die #MeTwo-Debatte über die Deutschen sagt

Von Bertram Eisenhauer
06.08.2018
, 14:35
„Wer will noch mal, wer hat noch nicht?“, nach einem #Özil-Tweet der extra 3-Redaktion des NDR.
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Wir leben in der freiheitlichsten Gesellschaft, die es jemals auf deutschem Boden gab – trotzdem können wir noch besser werden. Das führt die #MeTwo-Debatte gerade Nichtmigranten vor Augen. Eine Selbstbezichtigung.
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Vor einigen Monaten machte die Satire-Website „Der Postillon“ einen hinreißenden Witz, der, ohne dass die Autoren das damals natürlich hätten wissen können, direkt ins Herz der Debatte unserer Tage um Mesut Özil, Rassismus, Integration und alle benachbarten Reizthemen vorstößt. „Dönerverkäufer hält Deutsche für dumm, weil sie immer ,mit alles‘ oder ,mit scharf‘ bestellen“, lautete die Überschrift des gut gefälschten Zeitungsartikels; der dazugehörige Meldungstext führte dann einen gewissen Hassan Sayim aus Berlin ein, der sich angeblich nur wundern könne, wie wenige seiner deutschen Kunden sich in ihrer eigenen Muttersprache korrekt artikulieren könnten: „Dass die ,Lahmacun‘ nicht richtig aussprechen können – geschenkt. Aber wie schwer ist es denn bitte, ,einen Döner mit allem‘ zu bestellen? ,Mit allemmmmmm.‘ Nennt sich Dativ, vierte Klasse Grundschule.“

Noch schockierender, so der fiktive Hassan, sei die häufig gebrauchte Formulierung „mit scharf“: „Eine Präposition mit einem Adjektiv zu kombinieren. . . Das tut doch einfach nur weh.“ Als ein neuer fiktiver Kunde in Sayims Laden kommt, sagt er zu ihm: „Guten Tag, der Herr, was darf’s denn sein?“ Der Gast blickt ihn irritiert an: „Hä?“ Sayim verdreht die Augen und versucht es noch einmal: „Eine Döner? Mit alles? Hier esse oder mitnehme?“ Der Kunde entspannt sich sichtlich und entgegnet: „Jo, aber mit ohne scharf, ne? Und schnell. Ich muss gleich Bahnhof.“

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Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Eisenhauer, Bertram (bpe.)
Bertram Eisenhauer
Verantwortlich für das Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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