FAZ plus ArtikelFörderschüler im Corona-Jahr

Wie ein Schüler im Lockdown fast vergessen wurde

14.04.2021
, 14:50
Cem ist 13 Jahre alt und Förderschüler. Wenn die Schule zu hat, macht er – nichts. Dabei kann man im Lockdown sogar lesen lernen. Weil aber Eltern und Lehrer sich nicht zuständig fühlten, hat unsere Autorin das in die Hand genommen.

Das Kind hat vor meinen Augen einen Schnurrbart bekommen. Weicher dunkler Flaum über einer zarten Oberlippe. Ich würde gerne mal drüberstreichen, um zu sehen, wie sich das anfühlt, in diesem noch so kindlichen dreizehnjährigen Gesicht. Aber das Kind hockt in seinem unaufgeräumten Kinderzimmer, und ich sitze zu Hause an meinem Schreibtisch. Seit Monaten sehen wir uns ausschließlich per Facetime.

Im Juli ist es sechs Jahre her, dass Cem und ich uns kennengelernt haben. Bis Mitte März vergangenen Jahres trafen wir uns regelmäßig. Fast jeden Freitag holte ich Cem, der eigentlich anders heißt, von der Schule ab. „Wer ist das denn?“, hatten seine Mitschüler anfangs neugierig gefragt. Und Cem antwortete: „Meine Mentorin!“ Auf die Frage, was das denn sei, meinte er: „Wir machen coole Sachen, gehen ins Kino, ins Museum, fahren Fahrrad oder gehen schwimmen. So was eben.“

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Quelle: F.A.S.
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