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Hilfetelefon für Frauen

„Man weiß nie, was passiert, wenn es das nächste Mal klingelt“

Von Sabrina Leretz
 - 08:23

Frau Söchting, wie kann das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ den Anruferinnen helfen?

Die Frauen melden sich bei uns aus unterschiedlichen Situationen heraus. Unsere 70 Beraterinnen unterstützen die Anruferinnen je nach Situation so gut wie möglich. Letztlich ist es uns wichtig, gemeinsam mit den Ratsuchenden nach Ressourcen zu suchen: Wir möchten ihnen Mut machen und sie bestärken, weitere Schritte zu gehen und ihr Schweigen zum Beispiel zum Thema häusliche Gewalt, das sie häufig lange mit sich herumtragen, zu brechen. Seitens des Hilfetelefons wird niemals über den Kopf der Hilfesuchenden hinweg entschieden. Was auch immer für sie in ihrer Situation das Richtige ist, entscheidet sie selbst. Der Kontakt zum Hilfetelefon ist vertraulich und anonym. Wer auch immer sich bei uns meldet, muss seinen Namen oder die Stadt nicht nennen. Uns werden die Telefonnummern nicht angezeigt. Wir können die Anrufe nicht zurückverfolgen. Jede Anruferin entscheidet selbst, wie viel sie über sich preisgibt.

Welche Möglichkeiten stehen Ihnen zur Verfügung, um den Anruferinnen zu helfen?

Wir leisten eine Erstberatung, bei Bedarf eine Krisenintervention, geben Informationen weiter und vermitteln Ratsuchende bei Bedarf weiter an Unterstützungseinrichtungen vor Ort. Wichtig ist, dass sich die Beraterinnen Zeit nehmen und zuhören. Sie arbeiten nicht nach bestimmten Standards, sondern ermitteln in jedem einzelnen Fall gemeinsam mit der Betroffenen, wie ihr am besten weitergeholfen werden kann. Je nach Situation können die nächsten Schritte sehr unterschiedlich sein. Melden sich Frauen aus konkreten Notsituationen heraus, geht es häufig um die Frage, ob die Betroffenen damit einverstanden sind, die Polizei einzuschalten. Manche Frauen, denen sexualisierte oder häusliche Gewalt angetan wurde, möchten nicht zur Polizei gehen. Dann können die Beraterinnen Hinweise zum Thema anonyme Spurensicherung geben, damit die Frauen das, was ihnen passiert ist, zumindest schon einmal dokumentieren lassen.

Welche Qualifikation haben die Beraterinnen?

Alle Beraterinnen sind Fachkräfte im Bereich psychosozialer Beratung für gewaltbetroffene Frauen. Alle haben ein Studium in psychosozialen Arbeitsfeldern absolviert. Sie sind Sozialarbeiterinnen, Pädagoginnen, Psychologinnen. Sie werden zunächst einen Monat lang eingearbeitet. Auch während der laufenden Tätigkeit nehmen sie immer wieder an Fortbildungen und Fallbesprechungen teil. Es ist sehr wichtig, dass man die Arbeit mit einer professionellen Beratungshaltung macht und einen fachlichen Hintergrund hat. Es ist natürlich eine herausfordernde Arbeit, nie zu wissen, was passiert, wenn das Telefon das nächste Mal klingelt und welche Geschichte einen erwartet. Deshalb ist es wichtig, dass die Beraterinnen sich mit Kolleginnen und Fachbereichsleiterinnen austauschen können und auch an Supervisionen teilnehmen. In manchen Fällen ist es sicherlich nicht leicht, das Gehörte nicht mit nach Hause zu nehmen, einfach die Bürotür zu schließen und die Beratungen hinter sich zu lassen. Wichtig ist, dass es Möglichkeiten gibt, darüber zu sprechen.

Mit welchen Fällen von Gewalt wenden sich die Ratsuchenden am häufigsten an Sie?

Bei uns gehen Anrufe zu allen möglichen Formen von Gewalt gegen Frauen ein. Von Anfang an riefen die meisten Betroffenen – rund 60 Prozent – zum Thema häuslicher Gewalt bzw. Gewalt innerhalb von Partnerschaften und in Trennungssituationen an. Ein weiteres großes Thema ist sexualisierte Gewalt. Aber wir beraten auch zu Themen wie Mobbing, Stalking, Menschenhandel oder auch Gewalt im Kontext von Prostitution. Zu all diesen Themen melden sich nicht nur betroffene Frauen an uns, sondern auch Personen aus dem Umfeld der Frauen: Arbeitskollegen, Nachbarn, Verwandte. Wir richten uns mit unserem Angebot auch an Fachkräfte: zum Beispiel die Lehrerin, die Rat sucht, weil ihre Schülerin in den Sommerferien verheiratet werden soll. Oder die Kita-Mitarbeiterin, die mitbekommt, dass ein Kind in der Gruppe erzählt, dass zuhause der Papa die Mama schlägt.

Wie hat sich Ihre Arbeit innerhalb der fünf Jahre Ihres Bestehens entwickelt?

Bei Bedarf können wir inzwischen in 17 Sprachen eine Dolmetscherin zuschalten. Wir haben ab dem Jahr 2015 zum Schutz von geflüchteten Frauen vor Gewalt große Anstrengungen unternommen, um das mehrsprachige Angebot bekannt zu machen. Wir merken jetzt, dass das auch tatsächlich ankommt und die Nachfrage größer wird. Auch unsere Onlineberatung im Sofortchat wird zunehmend in Anspruch genommen. Von Anfang an konstant geblieben ist, dass rund 40 Prozent der Beratungskontakte zwischen 18 Uhr abends und 8 Uhr morgens zu verzeichnen sind, wenn andere Beratungsangebote nicht mehr erreichbar sind. Das macht deutlich, dass es einen Bedarf für das Rund-um-die-Uhr-Angebot gibt und das Hilfetelefon damit eine Lücke im bundesweiten Unterstützungssystem für gewaltbetroffene Frauen schließt.

Das Hilfetelefon

Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist ein bundesweites Beratungsangebot für gewaltbetroffene Frauen. Unter der Telefonnummer 08000 116 016 sowie per Online-Beratung auf www.hilfetelefon.de unterstützen qualifizierte Beraterinnen Betroffene zu allen Fragen rund um das Thema „Gewalt gegen Frauen“ – kostenlos, anonym, rund um die Uhr, in 17 Fremdsprachen sowie in Leichter Sprache und in Deutscher Gebärdensprache. Auch Menschen aus dem sozialen Umfeld Betroffener sowie Fachkräfte finden beim Hilfetelefon Rat und Unterstützung.

Quelle: FAZ.NET
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