Letzter Medal-of-Honor-Veteran

Ein außergewöhnlicher Held

Von Majid Sattar, Washington
30.06.2022
, 17:37
Hershel Woodrow Williams salutiert während der Nationalhymne bei der Grundsteinlegung für das National Medal of Honor Museum vor der Flagge. Im Alter von 98 Jahren ist er nun gestorben.
Hershel „Woody“ Williams war der letzte Träger der Medal of Honor für Verdienste im Zweiten Weltkrieg. Nun ist er im Alter von 98 Jahren gestorben.
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Am Morgen des 23. Februar 1945 lag der Stabsgefreite Hershel Williams auf seinem Bauch in der schwarzen Vulkanasche auf Iwojima, als er den Jubel seiner Kameraden vernahm. Plötzlich haben die Marineinfanteristen um ihn herum angefangen herumzuhüpfen und in die Luft zu schießen, erzählte er einst. Sein Kopf sei noch im Sand vergraben gewesen. Als er aufschaute, habe er „Old Glory“ am Berg Suribachi gesehen.

Das Hissen der amerikanischen Flagge auf der kleinen Insel, 1200 Kilometer südlich von Tokio, wurde später noch einmal mit einer größeren Version der „Stars and Stripes“ wiederholt und vom Fotografen Joe Rosenthal festgehalten. Das Bild wurde zu einer der berühmtesten Kriegsfotografien, ikonographisch für den Pazifikkrieg gegen Japan. Hershel Williams, der letzte Träger der Medal of Honor für Verdienste im Zweiten Weltkrieg, ist am Mittwoch im Alter von 98 Jahren in Huntington (West Virginia) gestorben. Das Veteranenhospital, in dem er verstarb, war schon zu Lebzeiten nach ihm benannt worden.

Der damalige Präsident Harry Truman beglückwünscht Hershel „Woody“ Williams, einen Reservisten der Marine und Überlebenden der Schlacht von Iwo Jima, zur Verleihung der Ehrenmedaille für seine Taten während der Schlacht von Iwo Jima im Zweiten Weltkrieg am 5. Oktober 1945 im Weißen Haus in Washington.
Der damalige Präsident Harry Truman beglückwünscht Hershel „Woody“ Williams, einen Reservisten der Marine und Überlebenden der Schlacht von Iwo Jima, zur Verleihung der Ehrenmedaille für seine Taten während der Schlacht von Iwo Jima im Zweiten Weltkrieg am 5. Oktober 1945 im Weißen Haus in Washington. Bild: Mauritius

Die Einnahme der nur 24 Quadratkilometer großen Insel durch eine amphibische Landeoperation ist eine der bekanntesten Schlachten des Zweiten Weltkriegs. Die Rollfelder der Insel wurden für die Luftangriffe auf Tokio benötigt. Die Operation war verlustreich – die Japaner hatten sich in einem komplexen Graben- und Tunnelsystem verschanzt. Nahezu 7000 amerikanische Soldaten und etwa 20.000 Japaner wurden in der Schlacht getötet. 27 amerikanische ­Soldaten wurden später für ihren Einsatz mit der Medal of Honor geehrt, der höchsten Tapferkeitsauszeichnung der Vereinigten Staaten.

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Der seinerzeit 21 Jahre alte Marineinfanterist Williams hatte an jenem Tag in der Schlacht um Iwojima sieben Bunker mit seinem Flammenwerfer zerstört und damit das Vorrücken der Panzer ermöglicht. Er huschte dabei von einem Bunker zum nächsten und entkam dem Maschinengewehrfeuer der Japaner. In dem vier Stunden dauernden Einsatz war er fünfmal zum Hauptquartier zurückgekehrt, um neue Flammenwerfer zu holen. Als Präsident Harry S. Truman ihm im Oktober 1945 die Auszeichnung verlieh, hob er Williams „unnachgiebige Entschlossenheit“ und sein „außergewöhnliches Heldentum“ hervor.

Empfänger der Ehrenmedaille des Zweiten Weltkriegs, Hershel „Woody“ Williams (zweiter von links), und andere ehemalige Empfänger verneigen sich während der Grundsteinlegung für das National Medal of Honor Museum in Arlington, Texas, am 25. März 2022, im Gebet.
Empfänger der Ehrenmedaille des Zweiten Weltkriegs, Hershel „Woody“ Williams (zweiter von links), und andere ehemalige Empfänger verneigen sich während der Grundsteinlegung für das National Medal of Honor Museum in Arlington, Texas, am 25. März 2022, im Gebet. Bild: AP

Hershel Woodrow Williams, genannt „Woody“, war 1923 in einem kleinen Örtchen namens Quiet Dell in West Virginia geboren worden. Er war das jüngste von elf Kindern. Seine Eltern führten einen kleinen Milchviehbetrieb. Sechs seiner Geschwister waren in den Jahren der Spanischen Grippe gestorben. Als Woody elf war, starb sein Vater. Der Junge ging bald darauf von der Schule ab, half auf dem Bauernhof und verdiente während der Großen Depression ein wenig Geld in einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme in Montana.

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Schon mit 17 Jahren wollte Williams sich den „Marines“ anschließen, seine Mutter verweigerte aber die Zustimmung. Im Mai 1943 wurde er dann in das „United States Marine Corps“ aufgenommen – die Mindestgröße von 1,68 Meter erreichte er so gerade.

Polizeibeamte führen eine Prozession für Hershel W. „Woody“ Williams an, den letzten noch lebenden Träger der Ehrenmedaille aus dem Zweiten Weltkrieg.
Polizeibeamte führen eine Prozession für Hershel W. „Woody“ Williams an, den letzten noch lebenden Träger der Ehrenmedaille aus dem Zweiten Weltkrieg. Bild: AP

Seine erste Kampferfahrung machte er auf der Pazifikinsel Guam. Dann ging es weiter nach Iwojima. Über seinen Einsatz in der Schlacht hat er später häufig gesprochen. Als Flammenwerfer habe man sich den Bunkern bis auf 20 Meter nähern müssen. Einmal seien japanische Soldaten mit ihren Gewehren und Bajonetten herausgestürmt und auf ihn zu gerannt. Sie seien so direkt in die Flammen gelaufen und wie in Zeitlupe um­gefallen. Williams wurde elf Tage nach diesem Einsatz am Bein verletzt, blieb jedoch bis Ende März, als die Schlacht vorbei war, auf der Insel.

Im November 1945, einen Monat nach seiner Auszeichnung, schied er aus dem aktiven Dienst aus und arbeitete für die Veteranenverwaltung. Williams gründete eine Stiftung, die Stipendien für Kinder vergibt, deren Eltern im Krieg gefallen sind. Im Frühjahr 2020 nahm er in ­Norfolk (Virginia) an einer Zeremonie teil, bei der ein Kriegsschiff nach ihm benannt wurde.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Sattar, Majid (sat.)
Majid Sattar
Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.
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