FAZ plus ArtikelNach Flugzeugabsturz

Mentorin auch fürs Trauern

Von Roland Lindner, New York
17.07.2021
, 15:56
In der Mitte: Bianca Snow
Vor 25 Jahren verlor Heidi Snow ihren Verlobten bei einem Flugzeugabsturz. Heute hilft sie mit einer Selbsthilfegruppe Menschen, die ein ähnliches Schicksal haben – und lehrt andere den richtigen Umgang mit Trauernden.

Als Heidi Snow zum letzten Mal die Stimme ihres Verlobten Michel Breistroff hörte, stand er an einem Münztelefon am New Yorker Flughafen John F. Kennedy. Es war am 17. Juli 1996, und der gebürtige Franzose war kurz davor, in ein Flugzeug nach Paris einzusteigen, wo ein neuer Job als Spieler in einem Eishockey-Team auf ihn wartete. Snow hatte noch ein Examen hinter sich zu bringen und plante, einige Tage später nachzukommen und ihren Verlobten in Paris zu treffen. Am Telefon sprachen die beiden über ihre bevorstehende Hochzeit, Snow legte in Erwartung eines baldigen Wiedersehens auf. Eine Stunde später rief ihre Mutter an und sagte mit Panik in der Stimme: „Bitte sag mir, Michel ist nicht nach Paris geflogen.“

Sie machte den Fernseher an und sah Flugzeugtrümmer auf dem Meer. TWA 800, das Flugzeug nach Paris, war kurz nach dem Start abgestürzt. Es begannen Stunden, in denen Snow sich an jede Hoffnung klammerte, um sich einzureden, dass ihr Verlobter wohlauf sein muss: „Er ist doch so jung und stark, bestimmt konnte er ans Ufer schwimmen!“ Oder: „Vielleicht war er ja gar nicht im Flugzeug!“ Aber dann gegen zwei Uhr nachts, gut fünf Stunden nach dem Absturz, kam die Bestätigung: Michel Breistroff war auf der offiziellen Passagierliste. Snow begann die grausame Realität zu begreifen. Und am Tag danach fand sie sich im Hotel Ramada Plaza am JFK-Flughafen in einem eilig eingerichteten Trauerzentrum wieder, zusammen mit den Angehörigen anderer Passagiere.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenportät / Lindner, Roland
Roland Lindner
Wirtschaftskorrespondent in New York.
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