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Scheich mit Ski-Unfall

Neun Jets für ein gebrochenes Bein

Von Florian Siebeck
 - 12:20
Verunglückt: Hamad bin Chalifa Al Thani, bis 2013 Emir von Qatar.

Die Flugzeuge der qatarischen Königsfamilie sind keine unbekannten auf dem Züricher Flughafen. Die Scheichs kaufen sich mit Milliarden in Schweizer Banken und Unternehmen ein, sie pflegen enge Bande zu Politik und Wirtschaft und halten prestigeträchtige Immobilien, darunter das jüngst eröffnete Hotel Atlantis am Fuß des Uetlibergs.

Aufsehen erregte es dann aber doch, als am letzten Weihnachtsfeiertag gleich neun Flugzeuge der Qataris auf dem Flughafen Zürich-Kloten landeten, drei davon mitten in der Nacht. Im Gegensatz zu anderen großen Verkehrsflughäfen in Europa herrscht in Zürich eine strikte Nachtflugsperre von 23.30 Uhr bis 6 Uhr morgens, für die eine Ausnahme nur vom Bundesamt für Zivilluftfahrt bewilligt werden kann. Eine Sprecherin des Amtes sagte dem Schweizer „Tagesanzeiger“, die Genehmigung sei „aufgrund eines medizinischen Notfalls“ erteilt worden. In diesem Jahr, sagte Flughafensprecherin Raffaela Stelzer dem SRF, habe es 21 Fälle gegeben, bei denen die Nachtflugsperre für Polizei-, Militär- und Regierungsflüge aufgehoben worden sei.

Bein im Ski-Urlaub gebrochen

Das erste Flugzeug der qatarisch-königlichen Flotte, ein Langstreckenflugzeug vom Typ Airbus A340, landete am Samstag um 0.30 Uhr. Es kam nicht aus Doha, sondern aus Marrakesch: Staatsoberhaupt Scheich Tamim bin Hamad Al Thani, 35, der an Stelle seines kranken Vaters seit zwei Jahren die Regierungsgeschäfte führt, besitzt im marokkanischen Skigebiet Ifrane, das selbst wie ein Schweizer Bergdorf aussieht, ein zehn Hektar umfassendes Anwesen inmitten des Atlas-Gebirges, in dem er mit seinem Gefolge häufiger den Urlaub verbringt.

Am Dienstagmorgen teilte ein Regierungssprecher in Qatar mit, dass Hamad bin Chalifa Al Thani, Vater von Tamim bin Hamad Al Thani, dort während des Ski-Urlaubs eine Fraktur im Bein erlitten habe. Der 63 Jahre alte Scheich sei in die Schweiz geflogen worden und dort operiert worden. Mittlerweile sei er auf dem Wege der Besserung und werde physiotherapeutisch betreut. Offenbar war er an Bord des Airbus 340, der am Freitagabend in Marrakesch etwa eine Stunde früher gestartet als die Flugzeuge aus Doha

Um 5 Uhr und 5.15 Uhr kamen zwei weitere Flugzeuge, diesmal aus Doha: ein Airbus A319 und ein A330 mit integrierter Intensivstation. Über das Wochenende hinweg landeten neun der 13 Flugzeuge umfassenden Flotte der königlichen Fluggesellschaft Qatar Amiri Flight, darunter ein Jumbojet und ein Dreamliner. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten bestätigte nur, dass sich die qatarische Königsfamilie in der Schweiz aufhalte.

Unklar ist weiter, wo Hamad bin Chalifa Al Thani behandelt wird. In Frage kämen, so der „Tagesanzeiger“, die Klinik Hirslanden, in deren oberstem Stock sich vier Zimmer zu einer „Suite“ mit Blick auf See und Berge zusammenführen ließen, aber auch das Zürcher Universitätskrankenhaus. Der Vater des Verunglückten, Scheich Khalifa Bin Hamad Al-Thani, der seit einem Putsch vor 20 Jahren in der Schweiz lebt, hatte dem Krankenhaus zum Dank für vorangegangene Operationen im August mehr als elf Millionen Franken geschenkt.

Entgegen der Berichte meldete sich die Schweizer Schulthess Klinik am Dienstagnachmittag „im Auftrag des Patienten“, dass Hamad bin Khalifa Al Thani am 26. Dezember an der linken Hüfte operiert worden sei. Von einem gebrochenen Bein will Sprecherin Martina Bürgi-Hawel nichts wissen: „Das war ein chirurgischer Eingriff an der linken Hüfte, und sonst nichts“, sagte sie der F.A.Z.

Quelle: F.A.Z.
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