FAZ plus ArtikelRoman über Migranten

Zwischen den Welten

23.10.2020
, 20:58
Die junge Deutschtürkin Cigdem Toprak hat für ein Buch über die Migrantenerfahrung hierzulande viele aus ihrer Community interviewt – und ein neues Lebensgefühl gefunden. Ein Vorabdruck.

Wenn wir als Kinder die Tür unserer Wohnung hinter uns schlossen und auf die Straße gingen, standen wir in einer anderen Welt. Die Regeln, die wir von unserem türkischen Zuhause kannten, verloren dort ihre Gültigkeit. In unseren vier Wänden gehorchten wir den Eltern, wir mussten ohne Wenn und Aber akzeptieren, dass traditionelle Vorstellungen darüber bestimmten, wie unser Leben aussehen sollte. Es waren dieselben Vorstellungen, nach denen schon unsere Eltern aufgewachsen waren.

Die deutsche Realität wiederum passte nicht in unsere türkischen Wohnzimmer. Stand bei uns die Familie an erster Stelle, war es in der Welt draußen die Leistung. In der Schule empfanden wir den antiautoritären Erziehungsstil der Lehrer als Schwäche, anders als zu Hause wurden wir hier nach unserer Meinung gefragt und sollten uns eigene Gedanken über unsere Zukunft machen.

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Mensch und Buch

Der Großvater von Cigdem Toprak kam 1966 als Gastarbeiter aus einem anatolischen Dorf nach Deutschland; als er 1971 seine Familie nachholte, war ihr zukünftiger Vater 15.

Sie selbst wurde 1987 geboren und arbeitet heute als Journalistin; das Bild zeigt sie in der U-Bahn in Frankfurt am Main.

Ihr Buch „Das ist auch unser Land! Warum Deutschsein mehr als deutsch sein ist“, dem der Text auf dieser Seite entstammt, ist gerade beim Ch. Links Verlag erschienen; 256 Seiten, 18 Euro.

Quelle: F.A.S.
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