Nach Amoklauf bei „Batman“-Premiere

Amerika trauert und rätselt

21.07.2012
, 19:18
Die Erschütterung in Aurora nach der Bluttat ist groß
Nach dem Amoklauf bei der Premiere des neuen „Batman“-Films trauert Amerika um die Opfer - und diskutiert über eine Verschärfung der Waffengesetze. Der Attentäter soll am Montag erstmals einem Richter vorgeführt werden.
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Der Todesschütze von Colorado hat seinen Amoklauf in einem Kino anscheinend sorgfältig geplant und kaltblütig ausgeführt. Nach Angaben der Polizei kaufte James Holmes sein tödliches Waffenarsenal über Tage verteilt in zwei Geschäften. Munition bestellte er massenhaft im Internet. Seine Wohnung spickte der 24-Jährige mit einer Menge Sprengfallen. Die Polizei schaltete die erste davon - eine entzündliche Vorrichtung samt Stolperdraht - am Samstagvormittag (Ortszeit) aus. „Der Draht sollte klar töten“, sagte eine Sprecherin.

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Unterdessen trauerte Amerika um die Opfer der Bluttat. An allen öffentlichen Gebäuden waren die Fahnen auf Halbmast gesetzt. Am Freitagabend versammelten sich zahlreiche Menschen zum stillen Gedenken vor dem Kino. Sie legten Blumen nieder und entzündeten Kerzen, viele lagen sich weinend in den Armen. Am Sonntagabend sollte es eine weitere Gebetsandacht in Aurora geben, wie örtliche Medien berichteten.

Dem Sender CNN zufolge wurden am Samstag noch 19 Menschen in Krankenhäusern behandelt - 58 Kinobesucher waren insgesamt verletzt worden. Der Zustand von zwei Patienten sei kritisch. Holmes sollte erstmals am Montag vor einem Richter erscheinen. Über sein Motiv herrschte auch am Samstag Rätselraten.

Gebete für die Opfer in Aurora
Gebete für die Opfer in Aurora Bild: AFP

Der Amoklauf hat in den Vereinigten Staaten auch eine Diskussion über die Waffengesetze ausgelöst. New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg appellierte an Präsident Barack Obama und dessen republikanischen Herausforderer, Mitt Romney, die Waffengesetze zu verschärfen.

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„Es gibt jeden Tag so viele Morde mit Pistolen. Das muss einfach aufhören“, sagte Bloomberg in einer Radiosendung. Auch mehrere Medien forderten eine Verschärfung in ihren Kommentaren. „Die andauernde Feigheit der Politiker beim Thema Waffenkontrolle kommt uns bekannt vor“, kommentierte der San Francisco Chronicle.

Die Waffen waren legal

Bei einer Premiere zum neuen „Batman“-Film waren in der Stadt Aurora bei Denver in der Nacht zum Freitag zwölf Menschen erschossen und fast 60 weitere verletzt worden. Als mutmaßlicher Täter wurde ein 24-jähriger Student festgenommen.

Er hatte seine Waffen offenbar auf legalem Weg bekommen. Waffen, massenhaft Munition und schusssichere Spezialkleidung, die er bei dem Blutbad mit 12 Toten nutzte, hatte er in den vergangenen Monaten ganz legal erworben, seine Wohnung in Aurora bei Denver mit Sprengfallen präpariert, bevor er in der Nacht zum Freitag in der Mitternachtspremiere des Batman-Film „The Dark Knight Rises“ wahllos das Feuer auf die Kinobesucher eröffnete.

Beten für die Opfer. Zwölf Menschen sind tot, elf schweben noch in Lebensgefahr.
Beten für die Opfer. Zwölf Menschen sind tot, elf schweben noch in Lebensgefahr. Bild: AFP

Allein 6000 Schuss Munition habe James H. im Internet gekauft, sagte Auroras Polizeichef Dan Oates laut dem Sender CNN. Während der Tat habe er eine Faustfeuerwaffe, ein halbautomatisches Sturmgewehr und ein Schrotgewehr benutzt, berichteten amerikanische Medien. Außerdem habe man in seinem Auto eine weitere Pistole gefunden.

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Ob die Politik die Debatte aufgreift, ist unklar

Dass die Debatte allerdings tatsächlich die wahlkämpfenden Präsidentschaftskandidaten erreicht, ist noch lange nicht sicher. „Die Debatte um Waffengesetze liegt dieser Tage auf Eis, vor allem weil die Demokraten - die das gefordert hatten - es für wenig erfolgversprechend halten“, resümierte der Nachrichtensender CNN. Mancher Beobachter verweist auch auf die starke Position der Waffenlobby.

Jedenfalls hätten auch andere Amokläufe in den vergangenen Jahren keine dauerhaften Debatten unter wichtigen Politikern ausgelöst, sagte die Politikprofessorin Kristin Goss von der Duke-University in einem Fernsehinterview.

Obama sagt nichts zur Debatte

Der amerikanische Präsident Obama versprach in seiner wöchentlichen Radioansprache den Opfern und ihren Angehörigen Gerechtigkeit, ging allerdings nicht direkt auf die Waffenrechts-Debatte ein. „Die Regierung ist bereit, alles zu tun, um diejenigen vor Gericht zu bringen, die für dieses abscheuliche Verbrechen verantwortlich sind“, sagte Obama. Seine Regierung werde zudem „alle möglichen Schritte ergreifen“, um die Sicherheit der US-Bürger zu garantieren.

Obama sprach von einer „bösen“ Tat, die sich einer rationalen Erklärung entziehe. Er schließe die überlebenden Opfer des Verbrechens in seine Gebete ein und bitte Gott, ihnen „Trost und Heilung zu spenden, in den harten Tagen, die vor ihnen liegen“.

Quelle: FAZ.NET
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