Rover landet auf dem Mars

Ein chinesischer Abdruck

Von Hendrik Ankenbrand, Shanghai
16.05.2021
, 16:53
Die chinesischen Forscher sind stolz darauf, dass ihnen die Mission in relativ kurzer Zeit gelungen ist.
Die Umkreisung sowie die Landung auf dem Mars fanden in einer einzigen Mission statt: Chinas Forscher sind stolz auf die Landung eines Rovers auf dem Mars.

Als das Landemodul mit dem Rover am Samstagmorgen auf der Marsoberfläche aufsetzte, gab es Beifall in der Kontrollstation in Peking und ein kurzes Umarmen. Frenetischer Jubel bliebt aus – zu konzentriert waren die Wissenschaftler der China National Space Administration (CNSA), um den geplanten Aufstieg des Landes zu einer der „führenden Nationen in der interplanetaren Erkundung“ erfolgreich zu vollenden. Mit diesen Worten feierte Chinas Staatspräsident Xi Jinping den bisher größten Erfolg der Volksrepublik in der Raumfahrt.

Zwar hatte die amerikanische Behörde NASA bereits 1976 ein Landemodul auf der Marsoberfläche aufgesetzt. 1997 schafften es die Amerikaner, einen kleinen Rover in der Größe eines Computers auf dem Mars zu landen, der Hunderte Bilder von dem Roten Planeten schoss. Doch Chinas Forscher sind stolz, dass sie das, wofür die Vereinigten Staaten Jahrzehnte brauchten, in relativ kurzer Zeit vollbracht haben – und die Umkreisung sowie die Landung auf dem Mars in einer einzigen Mission stattfanden.

Gestartet worden war die Sonde Tianwen-1 am 23. Juli des vergangenen Jahres mit der Trägerrakete Langer Marsch 5 und hatte die Umlaufbahn des Mars am 10. Februar erreicht. Der Name Tianwen stammt aus einem Gedicht aus der Zeit der Streitenden Reiche (475 bis 221 vor Christus) und bedeutet „Fragen an den Himmel“. Der Rover Zhurong, genannt nach einem Feuergott, soll nun Antworten liefern – vielleicht auch darauf, ob auf dem Mars Leben möglich ist. Denn eine Bevölkerung des einst der Erde so ähnlichen Planeten will die Führung des Milliardenvolks China nicht NASA und dem amerikanischen Mars-Abenteurer und Tesla-Milliardär Elon Musk überlassen. Zunächst soll die Marslandung dem Land jedoch in der Welt Ansehen verschaffen. Wie ernst es China ist, in die Erforschung des Planeten zu investieren, wurde spätestens 2019 überdeutlich, als in der chinesischen Provinz Qinghai eine für 150 Millionen Yuan (19 Millionen Euro) gebaute Stätte eröffnet wurde, die die Oberfläche des Mars simulieren soll.

Die geglückte Landung soll nun für den Anspruch stehen, mit den Amerikanern in der Raumfahrt gleichzuziehen. Diese habe einen „chinesischen Abdruck“ auf dem Planeten hinterlassen, sagte Xi Jinping am Samstag. In die Kontrollstation hatte der Präsident die Vizeministerpräsidenten Han Zheng und Liu He entsandt. Der Rover Zhurong soll nun Bilder von der Marsoberfläche und Tests an der eigenen Technologie machen und nach etwa 90 Marstagen (die knapp 40 Minuten länger sind als auf der Erde) wieder abheben.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Ankenbrand, Hendrik
Hendrik Ankenbrand
Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.
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