Praktikum an der Uni Leipzig

Inder beklagt sich über rassistische Absage

Von Michael Radunski, Delhi
09.03.2015
, 22:40
Das Hauptgebäude der Uni Leipzig
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Eine Biochemie-Professorin an der Universität Leipzig hat einem Inder einen Praktikumsplatz verweigert. Als Grund nannte sie angeblich zu viele Vergewaltigungen in seiner Heimat. Die Professorin weist die Vorwürfe zurück.
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Was als Bewerbung um ein Praktikum begann, ist innerhalb weniger Stunden zu einer hitzigen Debatte über Frauen und Männer in Indien eskaliert, über Vergewaltigungen und allzu einfache Sichtweisen auf ein Problem. Selbst der deutsche Botschafter in Delhi sah sich gezwungen, scharf in die Diskussion einzugreifen.

Dabei hatte alles ganz harmlos begonnen: Ein junger Inder wollte in Deutschland ein Praktikum machen und Einblicke in ein Biochemie-Labor an der Universität Leipzig gewinnen. Doch die Professorin sagte ihm per E-Mail ab. Ihr Labor sei schon besetzt, hieß es in einer Pressemitteilung der Universität.

Nur wenige Stunden später kursierten im Internet und auf Twitter vermeintliche Kopien der Absage. Empört trugen Moderatoren im indischen Fernsehen die angeblichen Ausführungen vor, zusammengefasst unter dem Motto: #IndiaInsulted - Indien ist beleidigt worden. Dort wird die Leipziger Professorin mit den Worten zitiert, sie akzeptiere indische Männer nicht. Man höre „sehr viel über das Vergewaltigungsproblem in Indien. Ich habe viele Studentinnen in meiner Gruppe, ich kann diese Einstellung nicht unterstützen.“ Viele Professorinnen in Deutschland hätten sich ebenfalls dazu entschlossen, männliche Studierende aus Indien nicht mehr anzunehmen, berichtete das Fernsehen.

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Botschafter kritisiert Professorin scharf

In Indien riefen die Zitate so große Aufregung hervor, dass sich der deutsche Botschafter zu Wort meldete. In einem offenen Brief ging Michael Steiner die Professorin scharf an. Er wirft ihr eine simple Sichtweise auf Indien vor. Vergewaltigung sei ein ernstes Thema in Indien, wie auch in anderen Ländern einschließlich Deutschlands. Doch: „Indien ist kein Land von Vergewaltigern.“

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Die Professorin hat sich inzwischen per Pressemitteilung entschuldigt. Der junge Mann habe ihre Absage nicht akzeptiert und sie in eine Diskussion über die gesellschaftlichen Verhältnisse in Deutschland und Indien verwickelt. In diesem Zusammenhang habe sie auch das Problem der Vergewaltigungen in Indien angesprochen. Es sei aber nie ihre Absicht gewesen, Indien zu beleidigen. Sie entschuldige sich für die Missverständnisse. Aber sie habe die E-Mail ohnehin so nicht geschrieben. Sie sei vielmehr nachträglich zusammengestückelt worden.

Quelle: F.A.Z.
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