Reisen

Kreuzfahrten zum Schleuderpreis

Von Katharina Sekareva
10.03.2009
, 17:02
Viele Schiffe, wenig Nachfrage: Reiseveranstalter müssen die Preise für Kreuzfahrten senken
Trotz Wirtschaftskrise ist den Deutschen die Lust aufs Reisen nicht vergangen. Einen Tag vor Eröffnung der Internationalen Tourismus-Börse berichtet die Branche von einer Belebung der Geschäfte. Das freilich trifft nicht auf Kreuzfahrten zu. Die gibt es inzwischen zum Schleuderpreis.
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Es ist noch gar nicht so lange her, da haben die Kreuzfahrtveranstalter den Normalverbraucher für sich entdeckt. War diese Art von Urlaub vorher nur den betuchten Rentnern und den Topverdienern vorbehalten, wurde sie nun auch für junge Paare und Familien erschwinglich. Denn ständig liefen neue Riesenschiffe vom Stapel, und die mussten gefüllt werden.

In diesem Jahr sind Kreuzfahrtreisen besonders günstig zu haben. Denn es gibt mittlerweile zu viele Schiffe, der Kampf um den Kunden ist hart und drückt die Preise. Die Finanzkrise macht es für die Reedereien nicht einfacher. Da die Menschen um ihre Jobs Angst haben, halten sie sich mit Buchungen zurück. Das senkt die Preise noch zusätzlich.

Reisebranche kämpft mit schwacher Nachfrage

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In Europa haben vor allem die Reedereien Costa und MSC viele Schiffe. Von Überkapazitäten wollen die Unternehmen zwar nichts hören. Dennoch gibt Costa-Sprecher Werner Claasen zu: „Die Konkurrenz ist stark. Wenn sie die Preise senkt, müssen wir mitziehen. In diesem Jahr sind die Nachlässe besonders hoch.“

Lange Zeit waren Kreuzfahrten betuchten Rentnern und Topverdienern vorbehalten: die Lobby des Luxusliners Queen Victoria
Lange Zeit waren Kreuzfahrten betuchten Rentnern und Topverdienern vorbehalten: die Lobby des Luxusliners Queen Victoria Bild: AP

Der Druck kommt nicht nur von anderen Reedereien. Die ganze Reisebranche, die sich in der kommenden Woche zur Touristikmesse ITB in Berlin versammelt, kämpft mit der schwachen Nachfrage. So sinken auch die Preise für Flugpauschalreisen von TUI, Thomas Cook & Co.

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Die stärksten Rabatte gibt es für Kreuzfahrten der mittleren Preisklasse im Mittelmeer und der Karibik, wo das ganze Jahr über mehrere Schiffe Woche für Woche zur gleichen Tour aufbrechen. Vereinzelt finden sich auch günstige Angebote für Reisen in der Nord- und Ostsee.

Schnäppchenreisen überall

Die Schweizer Reederei Costa bietet beispielsweise Ende Oktober eine zweiwöchige Tour durch Südostasien an. Der aktuelle Preis für eine Innenkabine liegt bei 930 Euro, im Herbst waren es noch 1230 Euro. In diesem Fall würde es sich für Kunden, die bereits gebucht haben, sogar lohnen, die Reise zu stornieren und zum neuen Preis noch mal zu buchen. Sie müssten zwar eine Stornogebühr von 40 Schweizer Franken (circa 27 Euro) bezahlen, würden aber trotzdem insgesamt billiger wegkommen. Allerdings sollten Urlauber bei einem solchen Trick aufpassen: Je näher die Reise rückt, umso höher wird die Stornogebühr.

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Auch der Veranstalter MSC hat die Preise gesenkt. So kostet zum Beispiel eine einwöchige Kreuzfahrt von Italien nach Griechenland und Kroatien im Sommer jetzt 929 Euro pro Person inklusive Flug. Wer den im Katalog ausgewiesenen Frühbucherrabatt genutzt hat, musste 1118 Euro bezahlen und mit dem Bus anreisen. Konkurrent Aida Cruises hat für einige Reisen, die im April beginnen, den Frühbucherrabatt von bis zu 200 Euro bis Reisebeginn verlängert.

Die Reedereien wollen die Preise zwar nicht ins Unendliche senken, um sich den Markt nicht selbst kaputtzumachen. So vermeiden sie auch Ärger auf dem Schiff, wenn ein Kunde, der lange im Voraus gebucht hat, erfährt, dass ein anderer später gebucht und weniger gezahlt hat. Doch die Veranstalter haben andere Möglichkeiten gefunden, ihre Reisen günstiger zu machen. So rechnete die amerikanische Reederei Celebrity Cruises noch im September auf die Katalogpreise einen Treibstoffzuschlag drauf, für eine zweiwöchige Reise im Pazifik zum Beispiel 180 Euro. Die wurden jetzt gestrichen. Manche Reedereien bieten Urlaubern auch Bordguthaben an, das sie beispielsweise für die sonst kostenpflichtigen Getränke oder Landausflüge nutzen können.

Kreuzfahrt und Flug kombinieren

Da Kreuzfahrten meist lange im Voraus gebucht werden, haben die Anbieter jetzt schon die Preise für Reisen gesenkt, die erst in zwei bis sechs Monaten beginnen. Heinz Wirth, der mit seinem Reisebüro in Frankfurt am Main Kreuzfahrten vertreibt, kann sich vorstellen, dass die Preise noch weiter fallen. Das gelte zwar nicht für die Hochsaison im Sommer oder in den Herbst- und Weihnachtsferien. Aber für die restliche Zeit ist er optimistisch: „Es kann gut sein, dass Fahrten in der Nebensaison noch günstiger werden.“ Das heißt aber nicht, dass Reisende auf jeden Fall mit dem Buchen warten sollten. Eine Kreuzfahrt in der Karibik kann dann wieder teuer werden. „Die Reise ist dann zwar günstig, aber der kurzfristig gebuchte Flug ist teuer“, sagt Wirth. Besser sind daher Angebote, die Kreuzfahrt und Flug kombinieren. Auch sie werden billiger.

Pech haben hingegen die Liebhaber von Kreuzfahrten mit deutschen Reedereien. Die locken nämlich nur selten mit hohen Preisnachlässen. Denn sie haben kleinere Schiffe und eine ältere Stammkundschaft, die für eine gediegene Atmosphäre an Bord bereit ist, mehr zu bezahlen.

Quelle: F.A.S.
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