Herzblatt-Geschichten

Im Clinch mit dem Premierminister

Von Jörg Thomann
Aktualisiert am 02.08.2020
 - 11:28
Ins Glück getanzt: Christina Luft und Luca Hännizur Bildergalerie
Ein falsches Wort führt zur Schwangerschaft, ein falscher Letter zerstört das Liebes-Tattoo: Diese und mehr Fehlleistungen beleuchten die Herzblatt-Geschichten.

Immer wieder schön, vom Überschwang junger Liebe zu lesen. „,Bachelor‘-Siegerin Clea-Lacy Juhn (29) und Sky-Moderator Riccardo Basile (28) haben sich nur 16 Stunden nach ihrem ersten Date ein Liebes-Tattoo stechen lassen“, schreibt die Bild-Zeitung. „Nun prangt ein R auf ihrer und ein B auf seiner Hand. Clea zu Bild: ,Es hat einfach unglaublich gut gepasst. Und da sind wir auf die verrückte Idee gekommen.‘“ Verrückt, fürwahr, allerdings erscheint uns sein Tattoo noch etwas verrückter als ihres. Bestimmt sechs-, siebenmal nämlich haben wir jetzt den Namen Clea-Lacy Juhn durchbuchstabiert, jedoch noch immer kein B entdecken können, weder vorne noch irgendwo mittendrin.

Da wir uns beim besten Willen nicht vorstellen können, dass die Bild-Zeitung Fake News verbreitet, fragen wir uns nun, wofür das B auf Riccardos Hand stehen könnte: für „,Bachelor‘–Siegerin“? Für „Baby“? Für seinen eigenen Nachnamen Basile, der zugegebenermaßen etwas klangvoller ist als Juhn?

Durchtrainierter Jüngling

Hätte sich der ehemalige Gewichtheber Matthias Steiner einst den Namen seiner heutigen Frau Inge tätowieren lassen, so müsste man nun womöglich nach den zusammengeschrumpften Lettern suchen – von stattlichen 150 Kilo hat sich Steiner mittlerweile auf 105 Kilo heruntergearbeitet.

Für Inge Grund genug, in Gala stolz festzustellen: „Ich habe Matthias ja quasi zweimal geheiratet. Früher hatte ich einen stämmigen Mann, heute habe ich einen knackigen, durchtrainierten Jüngling an meiner Seite.“ So betrachtet, dürften nun zahlreiche andere Frauen feststellen, dass sie ihre Ehemänner ebenfalls zweimal geheiratet haben, nur dummerweise in umgekehrter Reihenfolge. Und manche, je nach Leibeszuwachs, sogar drei- oder viermal.

Von einer dramatischen Entwicklung im Leben einer Schlagersängerin weiß Das neue Blatt, welches über Anita Hofmann die Schlagzeile druckt: „Sie hat JA gesagt – und jetzt ein Baby“. Gerade jungen Frauen sollte das eine Warnung sein: Einmal nicht aufgepasst, ein unbedachtes Wort nur, und schon hat man die Bescherung und muss Windeln wechseln. Da möchte man mit Hofmanns Kollegen Roland Kaiser und Maite Kelly mahnen: „Warum hast du nicht nein gesagt?“

Filmreife Verlobung

Liest man freilich den Text zur Schlagzeile, so erfährt man Überraschendes: Anita Hofmann hat überhaupt noch kein Baby, könnte jedoch nach dem Heiratsantrag ihres Freundes laut Neuem Blatt „auch den nächsten Schritt wagen“. Ja gesagt hatte Hofmann übrigens schon „beim letzten Weihnachtsfest“, allerdings wollte Freund Christian „noch einmal eine filmreife Verlobung machen“, erklärt Das neue Blatt: „Deshalb überraschte er seine Traumfrau mit einem Ausflug auf die Blumeninsel Mainau im Bodensee und einem Besuch im Schloss. Dort ging er dann vor ihr auf die Knie und zog einen wunderschönen Ring aus Platin hervor. Die Schlagersängerin war völlig überwältigt.“ Wie überwältigt, das illustrieren die Fotos, die Christian im Schloss Mainau auf den Knien zeigen, denn Das neue Blatt war von der Sache offenbar gar nicht überrascht. Auch von der anschließenden kleinen Feier sehen wir Fotos, bei denen nur die jeweiligen Eltern dabei waren, „um kein unnötiges Gesundheits-Risiko einzugehen“, sowie natürlich eine Bildagentur; so viel Risiko muss dann schon sein.

Apropos: Die angebliche neue Freundin Boris Beckers, der sich laut Berichten von neuen Millionenschulden bedroht sieht, ist dem Echo der Frau zufolge „Risiko-Analystin mit zwei Studienabschlüssen“. Sie wird also wissen, worauf sie sich einlässt.

Balgen mit Mama

Kinder wiederum „müssen lernen, in welcher Situation welches Verhalten angemessen ist“, sagt die kanadische Sängerin Alanis Morissette zu Gala. „Mein großer Sohn zum Beispiel darf sich gern mit mir balgen. Trifft er dagegen bei einem Event unseren Premierminister Justin Trudeau, dann kann er mit ihm nicht in den Clinch gehen.“ Träfe Morissettes Sohn hingegen auf Leute wie Trump oder Bolsonaro, dann fänden wir einen Tritt gegen deren Schienbein ehrlich gesagt gar nicht mal so unangemessen; hinterher sollte der Kleine dann wieder schleunigst auf Sicherheitsabstand gehen.

Zwistigkeiten zwischen den Amigos, versichern die Sangesbrüder dem Echo der Frau, „regeln wir wie Männer“. Bedeutet: eins auf die Mütze? Keineswegs, so Bernd Ulrich: „Streiten bringt da nicht viel! Wir diskutieren das lieber aus wie vernünftige, erwachsene Männer!“ Der Grat zwischen Streiten und Diskutieren scheint uns indes recht schmal zu sein – und ein heftiger, aber kurzer Streit mitunter angenehmer als nächtelange Diskussionen.

Ein Freund klarer Worte scheint auch Sänger Luca Hänni zu sein, der Gala erzählt, wie sich seine Liebe zur Tänzerin Christina Luft entwickelte: „Wir haben uns kennengelernt, dann haben wir uns besser kennengelernt, und dann...“ Dann haben Sie sich noch besser kennengelernt? Nein, „dann wurde das mehr“. Zauberhaft. Und irgendwann, wenn sie sich noch viel, viel besser kennen, lassen sie sich vielleicht den Namen des jeweils anderen tätowieren. Natürlich mit Bedacht, Schritt für Schritt: Sie können ja beide mit dem B anfangen.

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Thomann, Jörg
Jörg Thomann
Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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