Herzblatt-Geschichten

Eigentlich brauch’ ich keinen Porsche

Von Jörg Thomann
Aktualisiert am 27.09.2020
 - 11:54
Gestatten: Flomas Silberschalk. Oder doch Giovanni Zarrella?
Verpflichtet das ZDF Florian Silbereisens kompletten Freundeskreis? Und wieso ist Charlène von Monaco völlig fertig? Die neuen Herzblatt-Geschichten.

Kurz haben wir gedacht, in Sachen abgedrehter Kindernamen aus Hollywood wäre eine neue Eskalationsstufe erreicht. Vom Sohn der Schauspielerin Mandy Moore und ihres Ehemanns Taylor Goldsmith nämlich hat Moore als „Baby Boy Goldsmith“ gesprochen, und dieser Name wäre wirklich gewagt.

Man stelle sich vor, der Junge bekleidete dereinst ein respektables Amt wie UN-Generalsekretär oder amerikanischer Präsident und träte den Verhandlungspartnern als Baby Boy gegenüber. Dann haben wir genauer hingeschaut und gemerkt, dass Moores Kind noch ungeboren, der Name also nur ein Arbeitstitel ist. Im Übrigen wäre ein Präsident Baby Boy Goldsmith im Vergleich mit dem Riesenbaby, das nun im Weißen Haus wütet, eine klare Verbesserung.

Flomas und Thorian

Der Name klingt auch besser als jener, den sich die Bild-Zeitung für Giovanni Zarrella einfallen ließ: „Er ist der neue Flomas Silberschalk“, behauptet das Blatt und erklärt allen, die ein bisschen langsamer sind, dass dies „eine Kombination aus Florian Silbereisen und Thomas Gottschalk“ sei, zwei Vorgängern Zarrellas als Moderatoren von Samstagabendshows im ZDF. Glamouröser als Flomas Silberschalk klänge in unseren Ohren freilich Thomian Gotteisen.

Zarrellas Verpflichtung jedenfalls sei die Reaktion darauf, dass sein Kumpel Silbereisen zur ARD abgewandert sei; im Gespräch sei zudem noch ein Engagement des Sängers Jan Smit gewesen, eines weiteren Silbereisen-Buddys. Wenn das ZDF nun noch Silbereisens Bruder, seiner Tante und seinem Friseur eigene Shows gibt, kehrt der Vielumworbene am Ende vielleicht reumütig zurück, um Nachfolger seines Nachfolgers Giovanni Zarrella zu werden. Und damit dann gewissermaßen der neue Flovanni Silberella.

Charlène schwer gerädert

Mal wieder einen Versuch gemacht, sich neu zu erfinden, hat Charlène von Monaco. Der Erzählung nach ist sie, die es aus einem aktiven Leben als Leistungsschwimmerin in den Weiten Südafrikas in ein Land verschlug, welches kaum die Ausmaße eines Schwimmbeckens erreicht, mit ihrer Rolle unglücklich. Für Charity-Zwecke ist sie jetzt mit einem Waterbike von Korsika nach Monaco geradelt, und als sie nach 22 Stunden und 33 Minuten dort ankam und ihrem Gatten den Kopf an die Schulter lehnte, wirkte sie verständlicherweise – Pardon – schwer gerädert. Dumm nur, dass die Klatschpresse von Neuerfindungen nichts hält und das Foto jenes Moments für weitere Kapitel derselben alten Story nutzt.

Das neue Blatt etwa setzt das Foto der Fürstin in Alberts Armen auf den Titel und schreibt, was gar nicht mal direkt eine Lüge ist: „Charlène – Zusammenbruch! – Sie kann nicht mehr!“ Auch Die Aktuelle titelt mit dem Foto, hier lautet die Zeile: „Albert & Charlène – Tränen und bittere Vorwürfe – Aus der Traum?“ In dieser Lesart ist Charlène nur deshalb so fix und fertig, weil sie zurück im verhassten Monaco ist. Freizeitrevue schließlich nutzt die Nachricht, dass kurz vor dem Rennen ein Sportler, der mitradeln wollte, wegen des Vorwurfs der sexuellen Belästigung verhaftet wurde, für ihre Titelstory „Fürstin Charlène – Schreie in der Nacht – Das Drama – Der Polizei-Einsatz“. Selbstverständlich illustriert mit dem Foto der erschöpften Charlène. Wir sind sicher, dass es in den kommenden Jahren immer wieder für Titelgeschichten herhalten muss.

Ein langer Abend

Ausdauer braucht auch, wer mit Ralph Siegel in Füssen dessen 75.Geburtstag feiern möchte. „Da ich über 2000 Songs geschrieben habe, wird an diesem Abend außer ‚Happy Birthday‘ kein Song von einem anderen Komponisten gespielt werden“, erzählt Siegel Frau im Spiegel. Bei über 2000 Songs sollten sich die Gäste auf einen längeren Abend einstellen.

Seinen Sechzigsten feiert Patrick Lindner, der dem Goldenen Blatt offenbart: „Ich habe in meinem Leben alles gehabt, wovon ich dachte, dass man es haben müsste – einen Porsche zum Beispiel. Im Alter merkt man dann: Das brauche ich gar nicht zum Glücklichsein.“ Nun, wenn Sie, Herr Lindner, das Ding loswerden möchten: Melden Sie sich gern. Wir geben uns noch ein paar Jahre, um dessen Überflüssigkeit zu erkennen.

Seinen Kindern nichts vererben möchte Oliver Pocher. Er hat laut In gesagt, „wenn es bei mir mal zu Ende geht und ich eines natürlichen Todes sterben sollte, will ich genau mit plus/minus null rausgehen“. Doch werden wir das nicht alle? Mitnehmen kann man ja angeblich nichts, dafür ist man dann auf einen Schlag auch alle Schulden los. Sollte freilich im Himmel doch das eine oder andere Sparbuch oder Aktienpaket erlaubt sein, könnte man sich eine hübsche Harfe oder einen Platz auf einer höheren Wolke leisten. Oder, falls man aufgrund zu vieler Sünden oder schlechter Gags stattdessen beim Herrn ganz unten landet, eine ordentliche Klimaanlage.

Den Himmel auf Erden lebt das Königspaar der Niederlande. „Máxima & Willem-Alexander – Süßes Geheimnis gelüftet!“, freut sich Das Goldene Blatt. Nun ist die Königin weiterem Nachwuchs mit 49 allmählich entwachsen, gemeint ist aber auch etwas anderes – nämlich dass die beiden so tolle Eltern sind: „Bei Problemen sind sie sofort zur Stelle, gehen zu Elternsprechtagen in der Schule, lassen sich sogar die Hausaufgaben zeigen.“ Und wie es der Zufall will, hat auch unsere Gattin uns gerade ein überaus süßes Geheimnis offenbart: Donnerstag ist schon wieder Elternsprechtag.

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Thomann, Jörg
Jörg Thomann
Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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