Herzblatt-Geschichten

Haben Meghan und Harry 16 oder 19 Bäder?

Von Jörg Thomann
Aktualisiert am 23.08.2020
 - 13:16
Wollen ganz normal luxuriös leben: Meghan und Harry
Überprüfen die „Cobra 11“-Cops künftig Masken? Auf welcher Grundlage berichtet die Boulevardpresse über das Schlafzimmer der Kanzlerin? Und was können uns Frauen im Mantel lehren? Die Herzblatt-Geschichten.

Da die Schlagzeilen auf den Titelblättern der Klatschhefte ja einen Verkaufsanreiz darstellen sollen, fragen wir uns jetzt, wer sich wohl Die Aktuelle gekauft hat wegen der Schlagzeile „Angela Merkel – Böse Überraschung im Schlafzimmer!“. Wer erhofft sich ausgerechnet von der Aktuellen Einblicke ins Schlafgemach der Kanzlerin, und wer will solche Einblicke überhaupt bekommen?

Herzblatt-erfahrene Menschen wissen ohnehin, dass sich die Story hinter einer solchen Zeile stets harmloser liest als insinuiert: Vielleicht hatte Merkel ja beim Gewitter ihr Fenster nicht geschlossen, und es hat reingeregnet. Oder eine Motte ist hereingeflogen. Doch woher sollte Die Aktuelle das wissen?

Pikante Überraschungen

Wir, die wir Die Aktuelle – bitte nicht weitererzählen – abonniert haben, kennen jedenfalls die Auflösung. Angeblich nämlich ist um das Haus, in dem sich Merkels Berliner Wohnung befindet, ein Gerüst aufgestellt worden, und angeblich können nun alle Bauarbeiter „der Bundeskanzlerin und ihrem Ehemann Joachim Sauer, 71, ins Schlafzimmer gucken. Hilfe! Da könnte es pikante Überraschungen geben.“ An dieser Stelle möchten wir gern aussteigen und unsere Überzeugung ausdrücken, dass Merkel vor solchen Bloßstellungen durch modernste Sicherheitstechnik gewiss geschützt ist. Zum Beispiel durch Jalousien.

Harry und Meghan müssen sich da bestimmt keine Sorgen machen: Ihr neues Heim im kalifornischen Montecito verfügt – wir berichteten – über neun Schlafzimmer, ein Kino sowie einen eigenen Spielplatz für Klein-Archie. Mysteriös bleibt allein der Sanitärbereich; Frau im Spiegel kommt auf 16, Gala auf 18, Bunte gar auf 19 Badezimmer. Hier jedenfalls, zitiert Frau im Spiegel einen anonymen „Freund des Paares“, „wollen sie Archie großziehen und hoffen, dass er ein möglichst normales Leben führen kann“. Mit 16 bis 19 Badezimmern und privatem Spielplatz? Solch ein normales Leben würden wir auch gern mal führen.

Einen weiteren Vorteil des Anwesens nennt Bunte: „Mit dem Helikopter braucht man nur eine halbe Stunde bis nach Hollywood.“ Phantastisch, doch muss man dazu den unpraktischen Helikopter nehmen? Von uns daheim bis zur Arbeit würden wir mit dem Hubschrauber keine fünf Minuten benötigen, wir müssten aber noch ewig lang nach einem gescheiten Landeplatz fahnden.

Alarm in der U-Bahn

Auch ein wenig aus der Zeit gefallen ist die Autobahnpolizei-Serie „Alarm für Cobra 11“, die seit 72 Jahren auf RTL läuft. „Niemand weiß, wie es weitergeht“, sagt Urgestein Erdogan Atalay dem Echo der Frau, das weiß: „All die Explosionen und zerstörten Autos haben ihren Preis.“ Da würden wir den Cobra-11-Leuten empfehlen, umzusteigen aufs Fahrrad, das entspricht dem Zeitgeist, und zerstörte Räder sind nicht ganz so teuer; können E-Bikes eigentlich auch explodieren? Wenn Atalay und Kollegen nach einer wirklichen Herausforderung suchen, könnten sie aber auch U-Bahn fahren und dort kontrollieren, ob alle Masken korrekt sitzen. Mehr Drama ist momentan in Deutschland kaum denkbar.

Und noch eine „Kult-Serie“ (Das goldene Blatt) kehrt zurück – mit überraschender Besetzung: „Heinz Hoenig (68) wird in der Neuauflage ,Verbotene Liebe – Next Generation‘ für viel Spannung und Unterhaltung sorgen.“ Das hätte sich der gute Hoenig wohl auch nicht träumen lassen, dass er noch einmal zu einer „Next Generation“ gezählt würde. Bei einem neuerlichen Generationswechsel der „Verbotenen Liebe“ übernehmen dann vermutlich Ruth Maria Kubitschek (89) und Peter Weck (90) die Hauptrollen.

Buche auf Wanderschaft

Ihre Kollegin Uschi Glas macht sich derweil im Neuen Blatt Gedanken über eine Wiedergeburt: „Vielleicht komme ich ja nächstes Mal als Buche und stehe dann irgendwo. Aber bislang ist keiner zurückgekommen und hat gesagt, was wirklich passiert.“ Logisch, weil Buchen bekanntlich nicht sprechen können. „Wäre Ihnen das nicht zu langweilig, nur herumzustehen?“, hakt Das neue Blatt nach, und Glas meint: „Vielleicht würde diese Buche die Wurzeln herausziehen und um die Welt wandern.“ Und zwar dorthin, wo es kühler ist und weniger Dürre gibt? Nähmen sich die anderen Buchen daran ein Beispiel, würde dieser Massen-Exodus dem geplagten deutschen Wald den Rest geben.

Als Naturfreund zeigt sich in Bunte der Komponist Harold Faltermayer: „Bienen haben mich immer fasziniert, wir können von ihnen lernen. Der Sozialstaat Bienenvolk müsste ein Vorbild für uns sein.“ Erstaunlich, diese Sätze gerade von einem Mann zu hören: Weiß Faltermayer denn nicht, wie es den armen Drohnen ergeht, die nach der Paarung sterben oder irgendwann nicht mehr zurück in den Stock gelassen werden, worauf sie verhungern? Dann doch lieber Hartz IV.

Korbinian „Bini“ Arendt schließlich, Sänger der Band voXXclub, antwortet auf die Bunte-Frage, ob man es lernen könne, nein zu sagen, dies sei ihm anfangs schwergefallen: „Da stand nach einem Konzert einmal eine Schönheit im Mantel vor meiner Tür, und als sie den öffnete, war da nicht mehr viel Stoff drunter.“ Da er gemerkt habe, „wie kräftezehrend und oberflächlich solche Begegnungen“ seien, habe er aber „schnell gelernt, nein zu sagen“. Gut für ihn; allen anderen, die damit noch Probleme haben, bleibt nur die Hoffnung, dass auch bei ihnen irgendwann einmal eine Schönheit im Mantel auftaucht.

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Thomann, Jörg
Jörg Thomann
Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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