Herzblatt-Geschichten

Herr Pinguin und seine Prinzessin

Von Jörg Thomann
Aktualisiert am 07.06.2020
 - 12:11
Fehlt nur noch der Frack: Pinguin Franjo und seine Prinzessin Verona Poothzur Bildergalerie
Verona Pooth demonstriert überraschende Expertise in Sachen Pinguine, Stefan Mross und Anna-Carina Woitschack wollen ihr Glück teilen, und Christian Drosten war in Schulzeiten wohl ein eher moderner oder postmoderner Streber.

Das gibt es selten, dass an einem Abend gleichzeitig zwei Sendungen ausgestrahlt werden, die ohne jeden Zweifel zu den Höhepunkten bundesrepublikanischen Fernsehschaffens zählen werden. Während wir diese Zeilen schreiben, zerreißt es uns schier ob der Frage, welche wir uns ansehen sollten: „Schlag den Star“ auf Pro Sieben, wo Sylvie Meis und Lilly Becker gegeneinander antreten werden? Oder im Ersten Florian Silbereisens „Schlagerlovestory 2020“, wo Stefan Mross und Anna-Carina Woitschack gegeneinander antreten, ach Quatsch, einander endlich das coronabedingt verschobene Jawort geben möchten? Ihnen, die Sie diese Zeilen lesen, ist die schwere Entscheidung vermutlich erspart geblieben: Wahrscheinlich haben Sie beide Shows verpasst.

Von Bunte nach ihren Chancen gegen Meis befragt, sagt Lilly Becker: „Sie denkt, ehe sie handelt – das könnte ein Vorteil für sie sein.“ Spontan hätten wir gesagt, ach was, doch wenn wir länger drüber nachdenken, kommen wir zum Schluss: Da könnte was dran sein. Sylvie Meis wiederum erzählt, dass sie sich beziehungstechnisch weiterentwickelt habe: „Früher musste ich immer über mich lesen: Sylvie kann die Männer nicht halten. Dabei ist das total falsch: Die Männer konnten mich nicht halten!“ Eine gesunde Weltsicht, die sich auch auf andere Lebensfelder übertragen ließe. Statt uns zu ärgern, dass der tolle neue Job an jemand anderen ging, sollten wir uns sagen: Der tolle Job hat uns nicht bekommen.

Drosten war „kein klassischer Streber“

Die Frage, warum Mross und Woitschack unbedingt live im Fernsehen heiraten müssen, beantwortet Bunte so: „Glück ist das Einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt. Deshalb wollen Stefan Mross, 44, und Anna-Carina Woitschack, 27, ihre Hochzeit mit Millionen Fernsehzuschauern feiern.“ Mathematische Frage: Müsste sich beider Glück dann nicht vermillionenfachen? Und gilt das Gleiche eigentlich auch fürs Unglück, sprich: Sollten sich die beiden eines Tages scheiden lassen, wären dann auch die Zuschauer der Hochzeitsfeier allesamt schlechter Laune? Wir werden dann vorsichtshalber wohl besser „Schlag den Star“ schauen.

Was uns auch interessieren würde, das wäre eine „Schlag den Star“-Ausgabe, in der sich zwei Vertreter der zu höchstem Ruhm gelangten Virologenzunft duellieren, einander mit Statistiken befeuern oder mit Erregerkulturen zur Weißglut treiben. Die Apotheose des Christian Drosten wird fortgesetzt durch Bunte, die sich die Abizeitung seines Jahrgangs besorgt und eine ehemalige Mitschülerin befragt hat, die sagt, der junge Drosten sei „einer der cooleren Jungs gewesen und „kein klassischer Streber“, also wohl eher ein moderner oder postmoderner Streber.

Cool findet Bunte es auch, dass sich Drosten fürs Abiblatt in einem Pissoir fotografieren ließ; schon damals muss sein Interesse an Viren enorm gewesen sein. Dem Bild-Chef und Drosten-Gegner Julian Reichelt dürfte das keine Ruhe lassen, er hat seine Bluthündchen sicher längst in besagte Toilette geschickt, um zu prüfen, ob Drosten die Klotür mit fehlerhaften Formeln bekritzelt hat. Reichelt wird es auch wurmen, dass Drosten nicht den seinerzeit geäußerten Berufswunsch verwirklicht hat, nämlich „Guano-Händler in der Antarktis“ zu werden; „der Pinguinkot eignet sich als Dünger“, erklärt Bunte. Und auch diese Information droht eine neue Bild-Schlagzeile zu provozieren: „Schon als Schüler: Drosten wollte uns Mist verkaufen!“

Überraschende Expertise in Sachen Pinguine demonstriert Verona Pooth. Laut Echo der Frau sagt sie über sich und ihren Mann Franjo: „Wir sind wie Steinpinguine: Die heiraten und bleiben für immer zusammen.“ Stellen wir uns pittoresk vor, so eine Pinguinhochzeit: Keiner kommt im Brautkleid, aber alle im Frack. Und Ornithologin Pooth weiß noch mehr: „Einmal im Jahr, am Hochzeitstag, kommt Herr Pinguin mit einem Stein nach Hause, den er den ganzen Berg hochrollt und seiner Prinzessin bringt.“ Von diesem Ritual weiß die Fachwelt wenig, die freilich auch keinen Steinpinguin kennt, höchstens einen Felsenpinguin; wobei das, was Pooth beschreibt, am ehesten nach einem Sisyphospinguin klingt. Wenn übrigens das Ehepaar Pooth tatsächlich ein Pinguindasein führt, dann lebt es die meiste Zeit im Jahr getrennt und kommt nur zu Paarung und Brutzeit zusammen.

Bei den Pooths, berichtet Echo der Frau dann noch, seien „teure Geschenke zum Hochzeitstag Fehlanzeige. Was bei ihnen zählt, ist die Mühe.“ Wie bei den Pinguinen eben: Der Stein am Ring, den Franjo seiner Verona schenkt, muss nicht viel kosten, aber möglichst schwer sein. In ihrer Vergangenheit übrigens scheint Verona Pooth noch kein Steinpinguin gewesen zu sein, ihre erste Ehe mit Dieter Bohlen dauerte ja nur vier Wochen.

Über einen, der hier schon erwähnt wurde, titelt Die neue Frau: „Worte voller Liebe – Florian Silbereisen – ,Versuch’s nochmal mit mir‘ ... und wie Helene darauf reagiert“. Wie Helene reagiert, erzählt uns der Text nicht, wohl aber dass „Versuch’s nochmal mit mir“ der Titel eines neuen Silbereisen-Lieds ist, eines Duetts mit Thomas Anders. Wenn also, wie Die neue Frau spekuliert, Silbereisen damit „Helene zurückerobern“ will, dann stellt sich die Frage, zu wem Thomas Anders zurück will: zu seiner Nora? Oder gar zu Dieter Bohlen? Ein Comeback von Modern Talking hätte uns in diesem Seuchenjahr gerade noch gefehlt.

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Thomann, Jörg
Jörg Thomann
Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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