Herzblatt-Geschichten

Ich sehe aus wie eine Helga

Von Jörg Thomann
11.07.2021
, 13:42
Lieber im Strand- als im Weißen Haus:  Jill Biden
Wie hält das Ehepaar Biden seine Ehe frisch? Haben die Lockerungen unsere Libido erhöht? Und sollte man mit Spinnen reden? Die Herzblatt-Geschichten.
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Ein erfreulicher Rekord ist zu vermelden: „65.903 Babys sind im März dieses Jahres in Deutschland zur Welt gekommen - das ist der Höchststand seit 20 Jahren“, schreibt Die Aktuelle. „Grund: die Lockerungen der Corona-Maßnahmen im Mai 2020.“ Moment mal: War denn bis April 2020 in Deutschland aufgrund von Corona auch diese bestimmte Sache verboten? Doch bevor jetzt manche Leser fürchten, im Nachhinein noch in Quarantäne zu landen: Erlaubt war es schon, es hatte nur kaum jemand Lust drauf, und mit den Lockerungen wurden auch die Deutschen wieder lockerer. Interessant wäre es nun zu erforschen, ob die bewegten Zeiten sich auch in der Namensgebung niederschlagen und unter den Märzbabys ganz viele Angelas, Armins, Jens‘ oder Karls sind.

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Um die Zweisamkeit eines prominenten Paares sorgt sich Gala, nur ist das Hauptproblem hier nicht Corona: „Das große Amt als Liebestöter? So schaffen es Präsident Joe Biden und seine Frau Jill, ihre Ehe frisch zu halten.“ Indiskrete Details werden gottlob nicht genannt, dafür aber der romantische Rückzugsort der Bidens, ihr Strandhaus in Delaware. An das Weiße Haus, hat Jill Biden der Vogue gesagt, müsse sie sich noch gewöhnen: „Ich möchte, dass es ein Ort zum Wohlfühlen ist. So wie unser Strandhaus, wo man im sandigen Badeanzug reinkommen kann und es völlig okay ist, sich so auf einen Stuhl zu setzen.“ Wladimir Putin, dessen Spione garantiert auch Gala und Vogue lesen, würde bei einem Besuch im Weißen Haus jetzt aus reiner Schikane in sandiger Badehose reinkommen. Und mit tropfendem Flutschfinger-Eis.

Ohne Spange: Heidi Klum
Ohne Spange: Heidi Klum Bild: AP

Auf Entspannung setzt auch Heidi Klum. Wenn sie nach Hause komme, zitiert Bunte sie, „mache ich eine Spange in mein Haar, weil es viel bequemer ist, und ich sehe aus wie eine Helga“. Solch sympathische Volkstümlichkeit kommt prima an, vor allem bei Frauen, die Helga heißen und damit in der Regel eher ungestylt sind. Heidi Klum hätte auch sagen können, sie sehe aus wie eine Erna, aber das hätte Ärger mit ihrer Mutter gegeben. Die Frage ist nun: Sehen all die Helgas, sobald sie die Spange aus ihrem Haar nehmen, plötzlich aus wie eine Heidi?

In Klums weitere Nachbarschaft in Los Angeles ziehen demnächst der Fußballersohn Brooklyn Beckham und seine Verlobte Nicola Peltz: Sie haben sich laut Gala für 10,5 Millionen Dollar eine Villa in Beverly Hills zugelegt. „Das Anwesen gefiel dem Paar so sehr, dass Brooklyn und Nicola laut dem US-Portal ‚TMZ‘ freiwillig gleich eine Million mehr auf den Tisch legten“, schreibt Gala. Das ist stilvoll, sehr souverän, und wissen Sie was? Ein ähnlich erhabenes Gefühl könnten Sie sich verschaffen, wenn Sie fürs Abonnement dieser Zeitung freiwillig das Doppelte zahlten, aber natürlich nur dann, wenn sie Ihnen sehr gefällt.

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„Michael ist manisch überpünktlich“

In den noblen Kreisen nicht so gern gesehen dürfte Michael Douglas sein, dessen Frau Catherine Zeta-Jones dem Goldenen Blatt zufolge erzählt hat: „Michael ist manisch überpünktlich. Das geht so weit, dass er oft zu Empfängen kommt, wenn die Bediensteten noch Lockenwickler in den Haaren haben.“ Um allen Beteiligten solch unangenehme Situationen zu ersparen, würden wir als Gastgeber grundsätzlich nur Bedienstete mit Naturlocken oder mit Glatze einstellen.

An eine Frau, die sich ebenfalls in heikler Lage befindet, wendet sich in Bild Franz Josef Wagner: „Bitte, bitte, Annalena Baerbock, schreiben Sie kein Buch mehr. Bücher sind heilig. Denken Sie an die vielen Bäume, die gefällt werden wegen Ihres Buches.“ Bedenken Sie, Wagner: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus – und Sie müssten dann das Wehgeschrei der unschuldigen Bäume vernehmen, die tagtäglich für die Bild-Zeitung gefällt werden. Ein sinnloserer Tod ist schwerlich denkbar.

Gern überpünktlich: Michael Douglas und Catherine Zeta-Jones
Gern überpünktlich: Michael Douglas und Catherine Zeta-Jones Bild: dpa

Die Sportreporterin Anett Sattler erzählt Bunte, wie sie einst mit dem Handballer Iker Romero zusammenkam: „Ja, bei einem Interview in der Halle bei den Füchsen Berlin meinte er, dass ihn die Fragen weniger interessierten, aber meine schönen Augen umso mehr. Ich war verblüfft über so eine Direktheit. Wir wurden ein Paar.“ Nehmen wir mal an, Jogi Löw hätte nach der England-Pleite auf ihre verunglückte Frage („Ende gut, nicht alles gut?“) einen solchen Satz zu Jessy Wellmer gesagt oder zu Bastian Schweinsteiger: Das Turnier hätte doch noch einen versöhnlichen Abschluss finden können.

Wie wichtig kluge Worte sind, demonstriert im Echo der Frau Schlagersänger Nik P.: Seinen Kindern (und sich selbst) nimmt er die Angst vor einer Spinne im Haus, „indem er dem ungebetenen Gast einen Namen gibt und ‚kurz mit ihm redet‘“. Er sage dann „etwas wie: ,Ach, du bist das, Klara. Was machst du denn hier? Geh doch lieber wieder nach draußen. Da ist es doch viel schöner.‘ Dann fang ich sie ein und trage sie raus.“ Eine clevere Strategie, die sich auf eine Begegnung mit anderen angstbesetzten Geschöpfen (Grizzlybären, Löwen) leider nicht eins zu eins übertragen lässt. Heute Abend jedoch, wenn wir wieder vergeblich den Mücken im Kinderzimmer hinterherjagen, werden wir es damit mal versuchen: „Keine Sorge, das sind doch nur Helga, Erna und Heidi. Die bleiben noch ein bisschen.“

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Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Thomann, Jörg
Jörg Thomann
Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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