Herzblatt-Geschichten

Schmeckt wie schlecht gelüftet

Von Jörg Thomann
Aktualisiert am 28.06.2020
 - 11:31
Ihr Duft verkauft sich gut: Gwyneth Paltrow zur Bildergalerie
Bei Meghan und Harry ist viel los, Arnold Schwarzenegger trägt gerne Arnie-Fanshirts, und Gwyneth Paltrow hat nach dem Erfolg mit der Kerze, die wie ihre Vagina duften soll, eine neue Duftkerzen-Idee.

Was gibt es eigentlich Neues von Meghan und Harry? Ach, so einiges. Sie ziehen nach New York, weiß „Bild“: „Sie hoffen, sich dort freier bewegen zu können. Außerdem wäre ein Flug von dort aus in Harrys Heimat England kürzer.“ Sie gehen „zurück nach England“, verkündet „Echo der Frau“, weil ihr Sohn Archie „schwer krank“ sei („Echo der Frau“ diagnostiziert: Archie schielt). Meghan war, wie „Das neue Blatt“ versichert, „schon bei der Scheidungsanwältin“. Und sie verlebt, wie „Gala“ berichtet, mit Harry den „Sommer ihres Lebens“ und plane einen Film mit Brad Pitt. Ganz schön viel los, darf man konstatieren.

Ganz perfekt, muss selbst „Gala“ zugeben, läuft es bei den beiden freilich immer noch nicht. Bei ihrer nach dem eigenen Sohn benannten gemeinnützigen Organisation Archewell etwa, die nun erst nächstes Jahr starten soll: „Gerade wurde bekannt, dass es Probleme bei der Genehmigung der Marke gibt – der Zweck der Organisation erscheint dem US-Patentamt noch zu vage.“ Zu vage? Da können wir aushelfen: Archewell soll eine Organisation sein, die irgendetwas Gutes tut und ihren Stiftern regelmäßig Gelegenheit gibt, auf hübschen Fotos zu strahlen, um ihren Marktwert zu halten und so ihr nicht ganz unaufwendiges Leben zu finanzieren. Konkret genug so?

Er ist sein größter Fan

Immerhin mit der Vernetzung geht es gut voran: „Wie „Gala“ von einem Insider aus dem Filmbusiness erfährt, hat Meghan einen anderen, sehr persönlichen Weg gefunden, sich neue Kontakte zu erschließen: Sie ruft an.“ Donnerwetter, die ist wirklich mit allen Wassern gewaschen. Vielleicht legt sie sich in einem zweiten Schritt sogar noch ein Telefonbuch zu.

Eine andere Methode, sein Image zu bewahren, pflegt Arnold Schwarzenegger. „Er ist sein größter Fan“, schreibt „Echo der Frau“ und druckt ein Foto, auf dem Schwarzenegger durch Los Angeles radelt und ein T-Shirt trägt, das ihn selbst zeigt – in weit jüngeren, noch etwas muskulöseren Jahren. Eine schnelle Recherche im Netz ergibt, dass Schwarzenegger dies regelmäßig tut, in wechselnden T-Shirts: Er muss eine ganze Kollektion von Arnie-Fanshirts besitzen. Eine augenzwinkernde Verbeugung vor der eigenen Karriere, aber auch recht heikel, lädt er doch so zum Vorher-nachher-Vergleich ein. Gerade deshalb überlegen wir nun, ob wir ebenfalls ein Jugendbild auf ein T-Shirt drucken sollten – um zu beweisen, dass wir einstmals tatsächlich Haare hatten, sogar lange. Reizvoll wäre auch eine Kollektion für langjährige Ehepartner, die der Welt mit einem alten Porträt des jeweils anderen demonstrieren könnten: Er beziehungsweise sie sah früher mal gar nicht so schlecht aus.

Krach bei Bettina Wulff und ihrem Freund

Ein anderes Präsent legt uns „Bunte“ ans Herz. „Wann haben Sie das letzte Mal von Herzen ‚Danke‘ gesagt?“, fragt sie uns: „Es fällt oft schwer, die passenden Dankesworte zu finden. Aber nun können Sie einen Ring für sich sprechen lassen: den ‚Danke für‘-Ring von Wellendorff“, der einen „Dank für die Ewigkeit“ darstelle. Eine stolze Seite mit fünf Fotos widmet „Bunte“ diesem Ring, der die schlappe Summe von „ca. 12.600 €“ kostet; da will der Dank wohldosiert sein. Zumal es noch Anbaumaterial gibt: „Zarte Vorsteckringe mit Bedeutung – diese Ringe präzisieren, wofür Sie sich bedanken (ab 4999 €).“ Wenn es gerecht zuginge, müsste sich die Firma Wellendorff mit mindestens einem solchen Vorsteckring bei „Bunte“ für die schöne Berichterstattung bedanken.

Eine ganz andere Produktpalette hat eine Schauspielerin im Angebot. „Die Kerze, die wie ihre Vagina duften soll, war blitzschnell ausverkauft“, schreibt „Gala“. „Jetzt präsentiert Gwyneth Paltrow, 47, ihre neue Kreation mit ,Das riecht nach meinem Orgasmus‘-Aufschrift.“ Vor allem für Männer in festen Beziehungen verbirgt sich hier eine nicht ganz irrelevante Information: Wenn das, wovon hier die Rede ist, tatsächlich einen Geruch verströmt, dann sollte es recht einfach zu erkennen sein, wenn es nur vorgetäuscht ist. Geschmacklos? Womöglich. Vielleicht aber nicht ganz so geschmacklos wie die neue Eissorte von Ben & Jerry’s namens „Netflix & Chilll’d“. Wonach mag so ein Netflix-Eis schmecken: nach Schlaflosigkeit und schlecht durchlüftetem Wohnzimmer? Und wann kommt die Kartoffelchips-Geschmacksrichtung „Kilofrust & schlechtes Gewissen“?

Eher nicht unter Schlaflosigkeit leidet Franz Josef Wagner, der in „Bild“ ein Loblied auf die Polizei singt: „Für mich ist ein Polizist ein Wächter. Ich schlafe gut, wenn er auf mich aufpasst.“ Da fragen wir uns, wann genau wohl mal nachts ein Polizist über Wagner gewacht hat: in der Ausnüchterungszelle? „Ich habe eine gute Nacht, wenn ich eine Polizei-Sirene höre“, teilt er weiter mit. Ob er wohl ebenso gut schläft bei Feuerwehr-Sirenen, wenn das Wasser spritzt und die Drehleitern ausgefahren werden?

Zum Schluss wollen wir uns der Zeitschrift „Die Aktuelle“ zuwenden, die wir oft genug gescholten haben für ihre böswillig verdrehten Geschichten. Nun druckt sie die Schlagzeile: „Riesen-Krach bei Bettina Wulff und ihrem Neuen!“ Und siehe da: Diesmal stimmt jedes Wort. Während der Corona-Zeit nämlich musste Wulffs Neuer, ein Musiklehrer, seinen Schlagzeugunterricht ins eigene Heim verlegen.

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Thomann, Jörg
Jörg Thomann
Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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