Herzblatt-Geschichten

Er macht für sie sogar Pilates

Von Jörg Thomann
Aktualisiert am 20.09.2020
 - 12:00
Wie Harry durch Pilates seinen Charakter einbüßen soll, müssten die Klatschmagazine noch etwas genauer erläutern.zur Bildergalerie
Wer kauft die Seele von Prinz Harry? Warum tragen Frauen die Hauptschuld am Klimawandel? Und für wen ist Hansi Hinterseers neue CD eine Schicksalswende? Antworten in den aktuellen Herzblatt-Geschichten.

Man hat Meghan Markle, die Prinz Harry der Geborgenheit der britischen Krone entriss, ja schon mancherlei vorgehalten, dieser Vorwurf aber ist neu: „Meghan & Harry – Sie verkauft seine Seele!“, empört sich Die Aktuelle. Die Frage, ob sie rechtlich dazu überhaupt befugt ist, wird nicht mal gestreift in dem Artikel, der sich mit dem Millionen-Deal des Paars mit Netflix befasst.

„Die Frau mit den Dollar-Zeichen in den Augen“, wie Die Aktuelle Meghan liebevoll nennt, habe jedenfalls ihren Mann zu dem Vertrag gedrängt, obwohl auf Netflix kommendes Jahr ein böses Film-Musical über dessen selige Mutter laufen werde. Es gebe nun nicht mehr viele Ideale, die Harry verraten könne, diagnostiziert das Blatt: „Was aber passiert, wenn Meghan diese ‚Kuh‘ nicht mehr melken kann?“ Diese Kuh? Armer Harry: Nicht nur seiner Seele, sondern auch seiner Männlichkeit ist er beraubt worden.

Für Harry noch demütigendere Fakten weiß Das neue Blatt zu berichten: „Der Prinz lebt offenbar ganz nach ihren Vorstellungen, soll sogar zum Pilates gehen.“ Verkauft Meghan also nicht nur seine Seele, sondern auch seinen Körper? Eine anonyme „Palast-Quelle“ des Neuen Blatts behauptet, dass Harrys Vater „die Veränderungen in seinem Wesen bemerkt hat. Charles macht sich große Sorgen.“ Ein schwacher Trost mag da sein, dass sein Sohn dank Pilates nun womöglich eine viel straffere Bauchmuskelwand hat.

Die Bösen sind immer die Frauen

Kaum besser ergeht es unserem Altkanzler. „Man hat schon länger den Eindruck: Schröder ist zu einer willenlosen Marionette mutiert“, schreibt Die Aktuelle, und wer nun an Wladimir Putin denkt, den wird überraschen, wie der Satz weitergeht: „...die in den Händen einer Frau beliebig einsetzbar ist“. Anlass zur Sorge bereiten der Aktuellen kritische Instagram-Einträge von Soyeon Schröder-Kim wie: „Yopsigi spielt Golf, während die Ehefrau in Seoul arbeitet.“ Yopsigi, lernen wir, hat nichts mit Sigi Gabriel zu tun, sondern bedeutet Ehemann auf Koreanisch. Vom Currywurst mampfenden Gerd zum Algensalat speisenden Yopsigi ist es ein weiter Weg gewesen für Schröder – doch es muss ja nicht verkehrt sein, wenn man sich im Alter noch mal neu erfindet. Beziehungsweise von der Gattin neu erfunden wird.

Für sich bedrängt fühlende alte weiße Männer jedenfalls dürfte die Lektüre solcher Klatschhefte eine Wohltat sein, zeichnen diese doch hartnäckig ein uraltes Narrativ: Egal was passiert, die Bösen sind immer die Frauen. Das scheint sogar durch, wenn ein emanzipierter Mann wie Hannes Jaenicke Gala informiert: „Ich heize für mich alleine sehr wenig. Bei Frauenbesuch drehe ich aus Rücksicht die Heizung auch mal hoch.“ Am Ende tragen die Frauen damit auch die Hauptschuld am Klimawandel, weil sie stärker frieren.

Ein Mann wie Manuel Neuer hingegen kommt bestens weg, wenn Frau im Spiegel ihn lobt: „Auch in der Liebe ist er ein Champion.“ Und zwar deshalb, weil Neuer nach Trennung von seiner Ehefrau nun seine neue Freundin in die Sporthalle begleitet hat. Da sind wir gespannt, ob der Champ auch in der Liebe noch das Triple schafft.

Mit dem Tagebuch zu mehr Ruhe

Von einer sportlichen Herausforderung weiß auch Frank Elstner zu berichten. Den größten Adrenalinschub habe ihm ein Fallschirmsprung beschert, erinnert sich Elstner im Neuen Blatt: „Ich bin im freien Fall runtergeflogen und habe nur gedacht: ‚Lieber Gott, vielen Dank!‘“ Klingt für uns ein wenig voreilig, wir selbst hätten mit dem Dank wenigstens noch die Landung abgewartet.

Ebenfalls von der schnelleren Sorte ist Matthias Schweighöfer, der im Echo der Frau erklärt, künftig einen Gang runterschalten zu wollen: Ruhe ist etwas Schönes. Eines der Mittel soll ein „Sechs-Minuten-Tagebuch“ sein: „Morgens drei Minuten, abends drei Minuten. Morgens notiere ich, wofür ich dankbar bin. Abends, was ich heute Gutes getan habe, was ich morgen besser machen könnte und drei tolle Dinge, die ich erlebt habe.“ Die abendlichen Notizen scheinen uns für drei Minuten recht ambitioniert zu sein; hoffentlich kann er hinterher überhaupt noch was entziffern. Und hoffentlich verfällt er nicht bald in die alte Hektik und bringt in den drei Abendminuten auch noch fünf Lieblingsrezepte, den Entwurf für ein neues Drehbuch sowie essayistische Gedanken über den Sinn des Lebens unter.

„Ich bin ein Darm-Fetischist!“

Mit anderen Fragen beschäftigt sich Monica Ivancan, Model und ausgebildete Ernährungsberaterin, die in Bunte mit den Worten zitiert wird: „Ich bin ein Darm-Fetischist! Ich würde am liebsten alle Leute, die beim Essen auf die Toilette gehen, fragen: ‚Wie war dein Stuhlgang so?‘ Weil man denen ja was Gutes tun möchte.“ Ob die Menschen das in dieser Situation wohl merken würden? Die Bunte-Leser in Ivancans Bekanntenkreis dürften sich bei gemeinsamen Essen künftig womöglich etwas unentspannt fühlen.

„Hansi Hinterseer – Überraschende Schicksalswende – Neues Glück mit 66!“, titelt Echo der Frau. Was geschehen ist? Der Sänger „hat seine bühnenfreie Zeit in etwas Wunderbares verwandelt“, lesen wir. „Hinterseer überrascht seine Fans schon jetzt mit einer kommenden Weihnachts-CD!“ Ist die Schlagzeile übertrieben? Wir wissen es nicht. Wir wissen nur: Würden wir unsere Frau mit einer Hansi-Hinterseer-Weihnachts-CD überraschen, dann würde dies für uns sicherlich eine Schicksalswende bedeuten.

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Thomann, Jörg
Jörg Thomann
Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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