Herzblatt-Geschichten

Schockverliebt mit fünfzig Haien

Von Jörg Thomann
Aktualisiert am 13.09.2020
 - 15:04
Endlich wieder unter Leuten: Cate Blanchett in Venedig zur Bildergalerie
Allmählich scheint das gesellschaftliche Leben zart neu zu erblühen und mit ihm auch viele Fragen: Kann man von Gin Tonic schwanger werden? Will man einen Kerl mit stahlhartem Körper haben? Die aktuellen „Herzblatt“-Geschichten.

Allmählich scheint, Corona zum Trotze, das gesellschaftliche Leben zart neu zu erblühen. Zum Beispiel bei den Filmfestspielen in Venedig, deren Jurypräsidentin Cate Blanchett gegenüber Bunte erklärte, es sei dies ihr erster öffentlicher Auftritt seit der Berlinale: „In den sechs Monaten dazwischen? Unser Hund hat einen Turnschuh gefressen, sonst war nicht viel.“ Okay, wenn wir es so recht bedenken, ist bei uns in den vergangenen Monaten, abgesehen vom Homeschooling-Chaos, noch viel weniger passiert, wir haben allerdings auch keinen Hund. Dafür aber noch immer zwei Turnschuhe.

Über einen Hundserwerb sollten wir indes vielleicht mal nachdenken. „Das Schöne an Hunden und Tieren generell ist, dass sie keine Vorurteile haben“, erklärt Mariele Millowitsch im Goldenen Blatt, während der Abenteurer Robert Marc Lehmann in Gala bekräftigt: „Ein Tier würde dich nie anlügen oder versuchen, dir das symbolische Messer in den Rücken zu rammen.“ Das ist zwar richtig, für unseren Geschmack aber eindeutig glorifizierend. Wer sagt denn, dass Tiere, hätten sie erst einmal das Sprechen gelernt, nicht gleichfalls nach Herzenslust herumlügen würden? Ein sprechender Hund könnte uns vielleicht auch erzählen, dass er in Wahrheit ganz viele Vorurteile hat, zum Beispiel gegenüber Katzen.

Lehmanns Wahrnehmung scheint uns generell nicht eben repräsentativ zu sein. „In der U-Bahn oder auf einem Weihnachtsmarkt fühle ich mich unwohl“, erzählt er weiter. „Sehe ich aber 50 große Haie an der Wasseroberfläche, weiß ich: Wenn ich reinspringe, geht es mir gut und es kann mir nichts passieren.“ Wissen das aber auch die Haie? Wir jedenfalls würden dringend empfehlen: Nicht nachmachen, liebe Kinder. Einzig Leute, die sich sehr stark vor Corona fürchten, wären in der U-Bahn oder auf dem Weihnachtsmarkt wohl weniger gut aufgehoben als inmitten der Haie, von denen immerhin keine erhöhte Ansteckungsgefahr auszugehen scheint.

„Da hat man kein Fett mehr an den Po-Backen.“

Franziska van Almsick, weiß Bunte, durchfuhr einst ein ganz besonderes Gefühl, „als sie mit fünf Jahren ihre ersten Wassererfahrungen sammelte: ‚Ich sprang ins Wasser – und war schockverliebt‘, erzählt sie.“ Haie waren offenbar nicht zugegen. Wir selbst haben, wenn wir uns recht erinnern, unsere ersten Wassererfahrungen ja schon ein paar Jahre früher gesammelt als van Almsick, so sind wir zum Beispiel als Kleinkind ab und an gewaschen worden.

Ein paar mehr Wassererfahrungen möchte man auch Brad Pitt wünschen, der kürzlich öffentlich gemacht hatte, aufgrund seiner Suchtprobleme die Anonymen Alkoholiker konsultiert zu haben. Laut In hat er nun seine eigene Rosé-Champagner-Marke präsentiert und gesagt: „Das Ergebnis ist spektakulär, und ich bin sehr stolz drauf.“ Die Frage ist, woher er das wissen will. Er wird das Zeug doch nicht selbst probiert haben?

Ein eher asketisches Dasein führt der Bodybuilder Klaus Drescher, der sich, wie er der Bild-Zeitung anvertraut hat, „vor Wettkämpfen einen Körperfettanteil von 3 Prozent“ erarbeitet: „Da hat man kein Fett mehr an den Po-Backen. Da tut das Sitzen richtig weh.“ Schon deshalb wird er unmöglich in einen bequemen Bürojob wechseln können, sondern wird beim Bodybuilding bleiben müssen. Frauen, die auf Muskeln stehen, werden sich wiederum entscheiden müssen, was in ihrer Beziehung wichtig ist. Will man wirklich einen Kerl mit stahlhartem Körper haben, wenn der einen stets nur in den Stehimbiss ausführt?

Immer hübsch weiter Gin Tonic trinken

Wir selbst sind ja tunlichst darauf bedacht, unseren Körperfettanteil bei mindestens 4 Prozent zu halten – ein Ziel, das wir in der Regel sogar deutlich übertreffen. Sehr entgegen kommt uns da unser Bunte-Horoskop, welches uns Fische-Geborenen ans Herz legt: „Füllen Sie die Speicher mit Aktivitäten auf, die Ihnen ohnehin Freude machen: Natur, gesundes Essen, Bewegung und Ruhe.“ Das freut uns natürlich, dass auch unsere absolute Lieblings-Aktivität zur Auswahl steht: Ruhe.

Viel Natur und Bewegung bei ihrem Landleben genießt Narumol, die dem Neuen Blatt erzählt, wie sie einst zu ihrem Frau suchenden Bauern Josef fand: „Als ich Josef fragte, warum er gerade mich eingeladen hatte, erzählte er, dass sich sowieso nur drei oder vier Frauen für ihn beworben hatten – und eine hatte nicht von der Arbeit freibekommen.“ Blieben noch zwei Kandidatinnen übrig: „Aber das Schicksal meinte es gut mit mir. Die andere Frau konnte nicht kommen, weil ihr Kind krank war.“ Eine romantischere Zusammenkunft ist schwerlich denkbar, und Josef wird ehrlichen Herzens zu den Kindern sagen können: Eure Mutter war die Einzige für mich.“

Baldigen Nachwuchs wittert Frau im Spiegel auch bei Schauspielerin Jennifer Lawrence. „Beim Spaziergang durch New York konnte man ein kleines Bäuchlein unter ihrem Kleid erkennen“, lesen wir. „,Jennifer verriet Freunden, dass sie schwanger ist, nachdem sie auf ihren geliebten Gin Tonic verzichtet hatte‘, sagte ein Insider.“ Erstaunlich: Davon kann man schwanger werden? Frauen ohne Kinderwunsch kann man daher nur den dringenden Rat geben: Immer hübsch weiter Gin Tonic trinken.

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Thomann, Jörg
Jörg Thomann
Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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