Herzblatt-Geschichten

Hilfe, ich date einen Therapeuten

Von Jörg Thomann
Aktualisiert am 12.07.2020
 - 11:29
Bekommt Machtwörter von seiner Frau zu hören: Angelo Kelly
Was macht man, wenn das Date nur reden will? Welchen Erziehungsregeln folgen Royals? Und wer will eine D-Mark kaufen? Antworten in den Herzblatt-Geschichten.

Was wir besonders gern mögen: Geschichten über Prominente, die total tolle Eltern sind. Häufig handelt es sich um Menschen, die im Notfall ein Dutzend Nannys einberufen können und in einer Villa wohnen, wo sich die Kleinen in dreißig Zimmern austoben können. Oder in einem Schloss, so wie Kate und William. Bei denen und ihren drei Kindern, behauptet Frau im Spiegel, geht es stets sittsam und pädagogisch zu: „Wenn es Streit gibt, soll der stattdessen auf dem sogenannten ,Rede-Sofa‘ gelöst werden.“ Könnten wir bei uns daheim auch mal probieren, allerdings würde unser Nachwuchs wohl schnell auf den Brüll-Sessel oder den Kneif-und-Haare-zieh-Diwan wechseln.

Außerdem hat die royale Familie laut Frau im Spiegel „drei goldene Regeln“ etabliert: „Nicht schreien, kein Fernsehen vor dem Abendessen und nicht schlecht gelaunt zu Bett gehen.“ Das mit dem Fernsehverzicht vorm Abendessen klappt auch bei uns schon gut – jedenfalls seit wir das Abendessen auf 14 Uhr verlegt haben; um 19 Uhr nehmen wir nun immer einen Mitternachtssnack ein. Und auch die dritte Regel haben wir im Blick: Die Sendungen, die die Kinder den Tag über schauen, müssen möglichst lustig sein, damit sie gut gelaunt ins Bett gehen.

Auch die kommende Generation in Monaco ist wohlgeraten. „Schon jetzt wird deutlich, dass die Fürstenkinder auch ein verborgenes Talent haben“, lobt Das goldene Blatt, denn es „wurde ihnen das Repräsentieren offenbar in die Wiege gelegt“. Woran dies zu erkennen ist? „Bei einem Fest in Monaco winkten und lachten die beiden jetzt ganz ohne Scheu vom Schlossbalkon.“ Schon schade, dass wir nicht ebenfalls mit goldenem Löffel im Munde geboren wurden, denn besagtes Talent haben wir auch bei uns entdeckt: Winken und Lachen kriegen wir erstaunlich gut hin, auch wenn wir dabei manchmal noch etwas scheu wirken.

Und wenn wir uns tatsächlich zu den besseren Kreisen zählen dürften, dann legten wir uns ohne Zögern jene Pretiose zu, die in der Aktuellen beworben wird: die Gedenk-Armbanduhr zur Deutschen Mark. Das Ziffernblatt ist dem unvergessenen Geldstück nachempfunden, die Zeiger bewegen sich – anders als man es hätte erwarten können – vorwärts. „Tragen Sie nun eine glanzvolle Erinnerung an ein starkes Deutschland“, heißt es, und vielleicht ist dies ja nur das erste Produkt einer Serie von Erinnerungsstücken ans gute alte, starke Deutschland: Wie wäre es noch mit einer VW-Käfer-, einer Saumagen- und einer Wackeldackel-Uhr? Die Deutsche-Mark-Uhr jedenfalls ist zu erwerben für 149,85 Euro – das sind nur 299,70 DM. Ein Schnäppchen!

Tolle Frauen mit Masken

Das könnte sich auch Sky du Mont noch leisten, auch wenn er auf der Titelseite von Bunte klagt: „Die Scheidung hat mich Millionen gekostet.“ Bestürzt setzt Bunte hinzu: „Jetzt will er nie wieder heiraten!“ Für einen 73-Jährigen gewiss kein leichter Schritt, zumal du Mont für Signale empfänglich scheint: „Die Frauen sehen mit den Masken alle so toll aus. Für mich waren die Augen ja immer schon das Wichtigste.“ Aber, so fügt er hinzu, „ich werde bestimmt nicht bei Rewe oder Edeka die Frau meines Lebens treffen“. Dann vielleicht bei Aldi? Oder doch noch im KaDeWe?

Von den Hürden der Partnerschaftsanbahnung erzählt eine zweiseitige Schicksalsgeschichte von In: „Hilfe, ich date einen Paartherapeuten“. Wir lesen: „Damit hatte Alina nicht gerechnet: Statt im Bett zu landen, wollte ihr Date vor allem eins: reden ...“ Vor dem Treffen mit Klaas hatte sie „ein Vermögen in Waxing investiert und eine große Packung Kondome dabei“, klagt Alina: „Nur weil ich mich irgendwann mitten in einem feinsinnigen Gespräch über ihn warf, wurde überhaupt geknutscht.“ Fairerweise sollte in der kommenden Ausgabe Klaas seine Version erzählen, sofern In ihm die nötigen sechzehn Seiten einräumen kann.

Steine im Flussbett

Besser gepasst hat es bei „Ich will Spaß“-Sänger Markus Mörl und Yvonne König, die nun, liebevoll begleitet von RTL2, den Bund des Lebens schließen. „Eine Astrologin hat mir erzählt, dass wir schon sechs Mal zusammengelebt haben und uns wiederfinden mussten“, erzählt Yvonne Bunte, und Markus ergänzt: „Allerdings waren wir im letzten Leben zwei Steine im Flussbett.“ Da haben sie es in diesem Leben besser getroffen, auch in erotischer Hinsicht: Nebeneinander im kalten Wasser zu liegen, umgeben von etlichen anderen Steinen, und das viele 1000 Jahre lang – das stellen wir uns nicht so prickelnd vor.

„Angelo Kelly – Noch ein Baby! Seine Frau sprach ein Machtwort“, titelt Die neue Frau über ein anderes, schon mit fünf Kindern gesegnetes Paar. „Im Interview schloss die gebürtige Rostockerin plötzlich ein weiteres Baby nicht mehr aus!“, lesen wir. „,Man weiß es nicht‘, sagte sie zwar nur leise. Aber Angelo ist seit seinem 17. Lebensjahr mit ihr zusammen. Er kennt sie genau und weiß: Hier sprach Kira ein Machtwort!“ Solch mächtige Machtwörter ist unsere Familie auch von uns gewohnt, gerade müssen wir wieder eins sprechen: „Kinder, könntet ihr bitte endlich euer schmutziges Geschirr wegräumen? Hallo? Hört mich jemand? Bitte! Na gut, ich mach’s selbst.“ Wir sind sicher, das wird noch lang in ihren Ohren nachhallen.

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Thomann, Jörg
Jörg Thomann
Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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