Herzblatt-Geschichten

Ich steh total auf Programmierer

Von Jörg Thomann
Aktualisiert am 30.08.2020
 - 13:23
Bergsteiger Reinhold Messner kann nicht schwimmen, wie er in einem Interview sagte.zur Bildergalerie
Sind IT-Experten die neuen Popstars? Ist Löwenkot das neue Gold? Und welches Talent fehlt Tausendsassa Reinhold Messner? Die Herzblatt-Geschichten.

Immer häufiger erfreuen uns Nachrichten über Menschen, die der Corona-Krise mit originellen Ideen trotzen. Nehmen wir Dieter Hallervorden, der sich zu seinem anstehenden 85. Geburtstag, wie Bild meldet, Puppen wünscht. Und zwar nicht, wie man meinen könnte, weil er sich in fortschreitendem Alter der unbeschwerten Kindheitstage entsänne, sondern weil ihn als Intendanten des Berliner Schlossparktheaters der traurige Anblick virusbedingt geleerter Zuschauerreihen stört. 105 Leute statt 473 dürfen im Theater sitzen, und die freien Plätze sollen mit Puppen besetzt werden, die Unterstützer des Theaters ausstaffieren können.

Als Schauspieler auf der Bühne wären wir da zwiegespalten. Ist es wirklich so viel besser, in vermeintlich vollem Haus zu spielen, wenn gut drei Viertel der Zuschauer weder klatschen noch lachen? An Hallervordens Stelle würden wir in nächster Zeit nur schwer intellektuelle, sperrige Stücke aufführen, bei denen die Stille im Saal nicht gar so irritierend wirkte.

Für 5 Euro Löwenkot

Eine neue Einnahmequelle in zwangsläufig spielfreien Tagen hat sich ein Zirkus erschlossen. „5 Euro verlangt Martin Lacey vom Münchner ,Circus Krone‘ für eine Dose Löwenkot seiner Großkatzen“, meldet knapp Die Aktuelle. „Die Exkremente halten Marder von Autos fern.“ Für die genaue Anwendung bleibt in der Meldung kein Platz, es sollte aber auf jeden Fall Wirkung zeigen, wenn man die Ware großzügig auf Motor, Reifen und Sitzen verteilt. Interessanterweise profitieren die Zirkusse nun gerade wegen ihrer vielkritisierten Wildtierhaltung; ein Unternehmen, das eine ähnliche Produktlinie etwa mit Hilfe seiner Clowns auf den Markt brächte, würde Schiffbruch erleiden. Während der glückliche Käufer einer Dose Löwenkots sein Fahrzeug nicht nur vor Mardern geschützt wissen dürfte, sondern auch vor Antilopen und Zebras.

Rätselhaft, dass der Circus Krone es mit besagtem Geschäft noch nicht in die dafür geradezu prädestinierte Innovations-Show „Die Höhle der Löwen“ geschafft hat. Deren Juror Frank Thelen wird von Bunte vorgestellt als „Internetmillionär“ und mit der Recherche konfrontiert, dass, wenn man seinen Namen googele, als erster Vorschlag der Begriff „Ehefrau“ ergänzt werde. „Vielleicht interessiert sich die eine oder andere Frau für mich. Eine schöne Entwicklung“, freut sich Thelen. „Nicht, weil ich Interesse hätte. Ich bin glücklich verheiratet. Aber ich finde es besser, wenn Frauen Idole im Technologiesektor finden, als irgendein Popsternchen zu verehren.“ Wer kennt sie nicht, jene Scharen von Groupies, die auf Computermessen schüchternen IT-Spezialisten nachjagen und die Wände ihrer Jugendzimmer mit Bill-Gates-Postern pflastern?

Die Rache der Nerds

Damit wäre dann die Rache der Nerds an all den Typen mit Gitarre vollzogen, die am Lagerfeuer von den Mädchen umschwärmt wurden, während sie einsam abseits saßen, weil niemand mit ihnen übers Programmieren mit Javascript reden wollte. Und ein Mark Zuckerberg verdient ja auch noch mal viel besser als ein Mark Forster. Andererseits wären wir an Thelens Stelle nicht ganz so selbstsicher: Am Ende sind all die Leute, die nach ihm in Verbindung mit seiner Ehefrau googeln, gar nicht an ihm selbst interessiert, sondern an seiner Gattin.

Über das Leben mit dieser berichtet Thelen Bunte: „Wir bringen die Energie auf, die ,grünen Frösche‘ – also die unschönen Konflikte – zu besprechen.“ Diese Umschreibung für Konflikte war uns neu. Doch wenn die grünen Frösche besprochen sind, gibt es womöglich noch immer Kröten zu schlucken und Elefanten im Raum. Er und seine Frau, sagt Thelen dann noch, seien „Leistungsmenschen. Plakativ gesagt: Für mich ist zum Beispiel ein Bierbauch nicht ideal, auch wenn ich wirklich gern Burger esse.“ Keine Sorge, Herr Thelen, davon bekämen Sie höchstens einen Burgerbauch. Oder mögen Sie den auch nicht?

Die Herzchirurgin Dilek Gürsoy hat da jedenfalls klare Vorlieben. Von Bunte befragt, wie sie zu ihrem Fachgebiet fand, erzählt sie, wie sie am Anfang des Studiums parallel zwei Operationen beobachtete, auf der rechten Seite eine Bauch-OP: „Wuselig, unübersichtlich, der halbe Darm guckte raus. Links daneben fand eine ruhige, ästhetische Herz-OP statt. Kaum Blut. Keine Hektik.“ Da hat dem armen Darm seine Charmeoffensive der jüngsten Jahre nichts genutzt.

Auf ihre Weise nützlich haben sich William, Kate und ihre Kinder gemacht, indem sie auf den britischen Scilly-Inseln urlaubten – angeblich, wie Frau im Spiegel einen „Insider“ zitiert, da sie „unbedingt den heimischen Tourismus unterstützen“ wollten. Dabei verweilten sie „im ,Dolphin House‘ auf Tresco“, welches „zum Besitz von Prinz Charles“ gehört. Klingt eher danach, als wollten sie unbedingt den heimischen Thronfolger unterstützen.

Die Nachricht der Woche aber kommt von Reinhold Messner: „Ich kann nicht schwimmen“, hat der Bergfex laut Goldenem Blatt zugegeben. Ist er all die Jahrzehnte dann nur deshalb so viel geklettert, um bei möglichen Flutwellen weit oben zu sein? In Zukunft wird er da noch mehr aufpassen müssen: Angesichts der Schneeschmelze in den Gebirgen könnte ihm sein Job noch richtig gefährlich werden.

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Thomann, Jörg
Jörg Thomann
Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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