Herzblatt-Geschichten

Lieber doof und gutaussehend

Von Jörg Thomann
Aktualisiert am 06.09.2020
 - 11:03
Designer Wolfgang Joop gibt zu, auch noch in knapper Speedo-Badehose gut auszusehen. zur Bildergalerie
Wer nennt sein Kind „Gänseblümchen Taube“? Mit wem turtelt Brad Pitt in Frankreich? Und wer am liebsten sterben würde, während alle Torte essen. Die aktuellen „Herzblatt“-Geschichten.

Deutschland ist im Elon-Musk-Fieber, und Franz Josef Wagner macht da keine Ausnahme. Anlässlich des Richtfestes im brandenburgischen Grünheide, zu dem der Tesla-Chef sich persönlich blicken ließ, macht sich der Postillon der Bild-Zeitung Gedanken über die Nation. „Wir waren mal ein Volk von Genies“, sinniert Wagner. „Leider sind unsere Denker alle tot.“ Womit er zu Musk kommt: „Was hat Elon Musk, was wir nicht mehr haben? Wir haben nicht sein kämpferisches Leben. Elon Musk ist ein Kind geschiedener Eltern“, stellt er fest. „Er wird in der Schule gemobbt und verprügelt. Der Junge hatte nichts als Träume. So geschieht Genie.“ Demnach müssten wir uns in Deutschland mehr kämpferisches Leben wünschen, sprich: mehr Mobbing, Prügel und Scheidungen. Auf dass auch uns wieder Genie geschehe.

Schiefe Blicke auf dem Spielplatz

In diesem Fall fände auch der Jungenname X Æ A-XII weitere Verbreitung; so haben Musk und seine Gattin Grimes ja ihren Sohn genannt. Nicht ganz mithalten kann da Sänger Ed Sheeran, dessen neugeborene Tochter die Namen Lyra Antarctica Seaborn trägt; klingt nach einer Wassergeburt, möglicherweise im Eismeer. Kollegin Katy Perry und ihr Mann Orlando Bloom hatten vorgelegt mit Töchterchen Daisy Dove. „Auf Deutsch: Gänseblümchen Taube“, weiß Gala und konstatiert: „Extravagant passt zu Katy Perry. Und die Gefahr, dass sich später auf dem Spielplatz zwei Mädchen umdrehen, wenn Mama ruft, besteht garantiert nicht.“ Was wir uns ja echt schwierig vorstellen: als Normalsterblicher mit seinem Kind einen Spielplatz im exklusiveren Los Angeles zu besuchen, wo keiner schief guckt, wenn die Eltern ihre Kinder rufen: „Daisy Dove, komm her!“ – „Keinen Sand essen, Lyra Antarctica Seaborn!“ – „Vorsicht auf der Kletterspinne, X Æ A-XII!“ Und man selbst, wenn man die eigene Tochter ruft – „Huhu, Mary!“ – pikierte Blicke erntet.

Für einiges Aufsehen hat auch die Geschichte gesorgt, derzufolge Brad Pitt ein paar schöne Tage in Frankreich mit einem Berliner Model verbracht haben soll, einer jungen Frau, die mit ihrem Gatten angeblich in offener Ehe lebt. Wer sich daran stößt, der sollte bedenken: Es ist gewiss gar nicht so einfach, eine Ehe geschlossen zu halten, wenn Brad Pitt anklopft. Und sollte sich am Ende vorm Scheidungsrichter die Gattin beklagen, dass man es ihr einst verwehrt habe, mit Brad Pitt nach Frankreich zu fahren, könnte das durchaus als seelische Grausamkeit gewertet werden.

Bei Wayne und Annemarie Carpendale ist es gottlob noch lang nicht so weit, auch wenn sich Wayne vom Neuen Blatt in eine brenzlige Situation gebracht sieht, und zwar mit der Frage: „Wann finden Sie Ihre Frau Annemarie am schönsten?“ – „Da kann ich jetzt nur verlieren“, weiß Carpendale und antwortet dennoch tapfer: „Aber: morgens nach dem Aufwachen – wie die Natur sie geschaffen hat.“ Das ist noch im grünen Bereich. Dummerweise geht es weiter: „Sie gibt sich aber immer auch viel Mühe, wenn sie sich schick macht.“ Sie gibt sich Mühe? Ganz dünnes Eis, Carpendale. „Und dann finde ich sie natürlich auch wunderschön.“ Damit endet seine Antwort – und jeder weiß: Abends, wenn sie geschafft ist von den Strapazen des Tages, findet er seine Annemarie dann nicht mehr so heiß. Sein Instinkt hat ihn nicht getäuscht: Er hat verloren.

Herren im besten Alter

Eindeutig zu den Gewinnertypen zählen ein paar ältere Herren. Dieter Hallervorden etwa, 85, der sich eine weitere Hochzeit vorstellen kann, „wenn die Frau, die ich frage, mir keinen Korb gibt“, wie er Bunte sagt. Oder Mario Adorf, der jetzt 90 wird und Bunte erzählt: „Und natürlich kam es zu dem Punkt, wo die Sexualität keine große Rolle mehr spielt.“ Eine kleine, feine Nebenrolle ist doch mehr, als man mit 90 erwarten darf – und mehr, als so manch weit jüngeres Paar ihr einräumt. Kollege Harrison Ford wiederum, 78, „flog seinen Sohn Liam (19) mit dem Privatjet von ihrem Heim in Malibu zu dessen Uni im rund 5000 Kilometer entfernten Massachusetts“, berichtet Echo der Frau. Das wäre dann die Hollywood-Variante der Helikopter-Eltern: der Privatjet-Papa. Sicher holt er den Jungen auf demselben Wege ab, wenn der mal Bauchweh hat.

Wolfgang Joop schließlich trägt, wie er Gala verrät, auch mit 75 noch seine knappe Speedo-Badehose: „Ja, der ältere Herr ist eben nicht immer klug und weise. Aber dann eben doch lieber doof und gutaussehend.“ Wobei, liebe männliche Leser, nicht jeder mit 75 in knapper Speedo-Badehose gut aussieht. In einer ernsteren Wendung des Gesprächs gibt Joop dann noch bekannt, dass er eines Tages „schon gerne in meinem Ambiente sterben“ würde. „Am besten zur Kaffee-Zeit: Alle sitzen am Tisch und essen Torten, und ich nippel so langsam weg.“ Bei künftigen Kaffeetafeln im Familienkreis dürfte diese Information für leicht beklemmende Stimmung sorgen: Kann ich mal die Sahne haben? Ist noch Kaffee da? Hat der Wolfgang noch Puls?

Robert Atzorn, ebenfalls 75, hat soeben seine Autobiographie veröffentlicht, deren von Bunte überlieferter Titel in seiner Nüchternheit beeindruckt: „Duschen und Zähneputzen – Was im Leben wirklich zählt“. Gut, dass das mal jemand sagt. Und seltsam, dass er dafür 272 Seiten braucht.

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Thomann, Jörg
Jörg Thomann
Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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