Herzblatt-Geschichten

Zum Daten fährt sie nach Holland

Von Jörg Thomann
15.11.2020
, 17:12
Was geschah zwischen Helene und Flori? Will Alice Schwarzer Frauen an den Herd schicken? Und welcher Star sieht aus wie ein Daumen? Neue Herzblatt-Geschichten.

Zuerst möchten wir einen Dank loswerden an Gala, die uns einen tollen Tipp fürs journalistische Geschäft gibt: „Als Moderedakteurin Dagmar Gnosa die spektakulären Stücke für unsere Schmuck-Geschichte sichtete, trug sie selbst betont dezente Teile. Nichts sollte sie ablenken“, teilt das Heft uns mit. Wer kennt das nicht: Da schreibt man eine schöne Schmuck-Geschichte und stellt plötzlich fest, dass die spektakuläre Weißgoldbrosche, der man soeben einen ganzen Absatz gewidmet hat, um den eigenen Hals baumelt. Wir persönlich sind Frau Gnosas Ratschlag unbewusst all die Jahre längst gefolgt: Um ganz unabgelenkt über Stars und Sternchen schreiben zu können, ist unser eigenes Dasein betont dezent, um nicht zu sagen todlangweilig ausgefallen.

Mit voller Konzentration also blättern wir durch die Klatschhefte, die größtenteils mit einer Gala aufmachen, bei der Helene Fischer auf ihren Ex Florian Silbereisen getroffen ist – allerdings hinter den Kulissen. „Helene Fischer – Ihre heiße Nacht mit Florian“, titelt etwa Freizeitspass und beruft sich auf einen Instagram-Post Fischers, in dem sie Silbereisen dafür dankt, „dass du ‚extra‘ den Saal verlassen hast, um nur noch ein bisschen mit uns zusammen zu sein“. Dass Fischers Nachricht mit dem Wort „Bussi“ endet, ist „die Krönung“ für Freizeitspass. „Gehen so Freunde miteinander um oder Verliebte?“, fragt das Blatt und urteilt: „Puh, was immer da auch geschah – es muss eine heiße Nacht in Leipzig gewesen sein.“ Puh, ja, das wird wohl stimmen, nicht nur wegen der Bussis, die da womöglich ausgetauscht wurden, sondern weil Fischer zufolge Silbereisen ja „mit uns“ zusammen war: Das klingt glatt nach einer Orgie. Oder schreibt auch Helene Fischer im Pluralis Majestatis?

Zwischen Ingolf und Karlhugo

Das neue Blatt fragt sich, was das Wiedersehen mit Silbereisen für die Beziehung zu Fischers Partner bedeute: „Sie säße zwischen den Stühlen – zwischen Florian und Thomas.“ Dass Männer mit Stühlen gleichgesetzt werden, kennen wir eigentlich nur von Ikea. Dort heißen die Stühle aber Stefan, Tobias, Ingolf und Karlhugo.

Zwischen Armin, Friedrich und Norbert sitzt seit geraumer Zeit die CDU. Kandidat Röttgen lässt Frau im Spiegel wissen, er „stehe für innerparteiliche Veränderungen: Nur jedes vierte Mitglied ist eine Frau. Daher will ich die CDU weiblicher und zudem jünger machen.“ Wem sich nicht gleich erschließt, warum man dazu den 55 Jahre alten Mann Norbert Röttgen wählen sollte, dem sei verraten, welchen Geheimplan wir bei ihm vermuten: Er will direkt nach der Wahl zurücktreten und eine junge Frau ranlassen.

Bunte nutzt ihrer Gesprächspartnerin Alice Schwarzer zuliebe sogar Gendersternchen; umso mehr schockiert, was Schwarzer selbst sagt: „Ich halte mich für männlich und weiblich zugleich. Was Vorteile hat, aber auch anstrengend sein kann. Das ist einfach die doppelte Arbeit: Kochen und Kämpfen.“ Damit also assoziiert ausgerechnet Alice Schwarzer Weiblichkeit: mit Kochen? Wobei immerhin eine kleine Möglichkeit besteht, dass für sie die Frauen die Kämpferinnen sind und die Männer an den Herd sollen.

Das Korsett gesprengt

Und noch eine überraschende Enthüllung hat Bunte parat: Kim Wildes Rebellionssong „Kids in America“ hat ihr Vater geschrieben. Stammt womöglich auch „My Generation“ in Wahrheit von den Großvätern der The-Who-Musiker? Und hat sich auch eine Jugendhymne wie „In der Weihnachtsbäckerei“ am Ende ein alter weißer Mann ausgedacht?

Was sie bei der Nachricht von Trumps Abwahl empfand, hat Model Chrissy Teigen laut Gala wie folgt ausgedrückt: „Es fühlt sich an, als hätte ich gleichzeitig eine schwere Decke zur Seite geworfen, meinen BH aufgehakt und die Extensions rausgenommen!“ Schon recht treffend, doch man könnte noch was draufsetzen: Viele Menschen fühlten sich so, als hätten sie überdies ihr Korsett gesprengt, sich die Krawatte vom Hals gerissen und endlich ein Bäuerchen gemacht. Die Behauptung von Bunte über Biden, „Die Hollywood-Stars machten ihn zum Sieger“, finden wir aber verwirrend: Haben die sich denn alle schnell nach Pennsylvania umgemeldet? Am Ende hat Trump mit seinen Phantasien über Wahlbetrug doch noch recht.

Zum Filmstar würde auch Fernsehsternchen Evelyn Burdecki gern aufsteigen: „Ich würde wahnsinnig gerne einen Disney-Film synchronisieren“, sagt sie Gala. „Und schauspielern – eine Knutsch-Szene mit Elyas M’Barek wäre der Wahnsinn.“ Da müsste dann halt nur jemand noch einen Film drum herumschreiben; wäre es nicht weniger Aufwand, das privat anzustreben? Mit Dates aber ist es bei Burdecki gar nicht so einfach: „Ich fahre dafür nach Holland, weil mich da keiner kennt.“ Zum Spaziergang dort, so Burdecki, „gibt’s dann Pommes Spezial mit ganz vielen Zwiebeln“. Aber hoffentlich nicht vor einer Knutsch-Szene mit dem armen Elyas M’Barek.

Nicht in Holland, aber in Hollywood angekommen ist Jamie Dornan, der trotzdem unzufrieden ist – mit seinem Äußeren: „Wenn ich keinen Bart habe, sehe ich aus wie ein Daumen“, hat er laut Bunte gesagt. Wie ein Daumen, das ist tatsächlich seltsam. Allerdings immer noch besser, als wenn er wie ein Mittelfinger aussähe: Dann wären die Leute immer tief beleidigt, wenn er ihnen den Rücken zudrehte.

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Thomann, Jörg
Jörg Thomann
Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Twitter
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot